Yvonne auf dem Gnadenhof Gut Aiderbichl
Gnadenheu für „Problem-Kuh“

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Bayern
04.07.2016
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Mit ihrer spektakulären Flucht machte Yvonne Schlagzeilen über Deutschlands Grenzen hinaus. Sogar aus Indien kamen Aufrufe, die Kuh zu retten. Fünf Jahre nach ihren Eskapaden im Wald genießt die ehemalige Milchkuh aus Kärnten in Deggendorf ihr Leben auf dem Gnadenhof.

Deggendorf. Mindestens 50 Kilo mehr. Zugegeben: Sie hat ein bisschen zugelegt. Aber es geht ihr gut. Yvonne, die vor fünf Jahren als "Kuh, die ein Reh sein will" Schlagzeilen machte, lebt bei gutem Futter auf dem Gnadenhof Gut Aiderbichl im bayerischen Deggendorf. Sie war 2011 vor der Schlachtbank geflohen und hatte sich fast 100 Tage in den Wäldern bei Mühldorf am Inn versteckt.

"Es geht ihr blendend", berichtet Aiderbichl-Sprecherin Sonja Großmann. Yvonne, die im Juli elf Jahre alt wird, teile den Stall mit ihrer "Familie": Das sind die Söhne Friesi und Orki, Schwester Waldtraut und deren Sohn Waldi. Viele Besucher kämen, um die berühmte Kuh zu sehen.

Neben Gras, Äpfeln und Karotten schätzt Yvonne eine Art Müsliriegel: "Ein Müsli mag sie sehr gern", sagt der österreichische Aiderbichler Hans Wintersteller, der seinerzeit für Yvonne wochenlang durch den Wald streifte und den Kontakt zu ihr sogar über ein Medium herzustellen versuchte. Das Müsli bestehe aus gepressten Haferflocken, Heu und Karotten. "Ein Spezialmix für Rinder." Das leckere Fressen schlägt auf die Hüften. Yvonne wiege jetzt etwa 600 Kilo. "Für eine Kuh mit der Statur ist das gar nicht übergewichtig." Bei ihrer Flucht sei sie ständig in Bewegung und durchtrainiert gewesen.

Ausnahme-Kuh


Yvonnes jetzige Weide ist 30 mal 30 Meter groß. Begrenzter Auslauf. Kühe, so heißt es freilich beim Deutschen Bauernverband, laufen nicht sehr viel. "Eine Kuh ist Herdentier und sucht Schutz. Sie fühlt sich in ihrem Stall wohl", sagt Sprecherin Anni Neu. "Aber es gibt immer Ausnahmen." Die ehemalige Milchkuh Yvonne war im Mai 2011 aus Kärnten nach Bayern verkauft worden. Und wollte nicht in den Stall. Dem neuen Besitzer entkam sie gleich bei der Ankunft. Dass ein Rindvieh entwischt, ist nicht ungewöhnlich.

Yvonne lief jedoch schnurstracks in den Wald - und fiel dort wochenlang nicht auf. Erst als sie beinahe in ein Polizeiauto rannte, wurde sie ein "Sicherheitsrisiko". Das Landratsamt Mühldorf erließ eine Anordnung zum Abschuss. Die Verfügung sorgte international für Empörung. Indiens Medien forderten eine Rücknahme und boten eine Adoption an. Helfer des Gnadenhofs Gut Aiderbichl strömten aus, die Kuh zu retten.

Helikopter, Wärmebildkamera, Futter, der flotte Ex-Zuchtstier Ernst, Schwester Waldtraut, Pferde, Dackel Mirko, ein Spurensucher und das Medium: Mit allen Mitteln versuchten die Aiderbichler, die Kuh mit der Ohrmarke 6403, für die sie die Verantwortung übernommen hatten, zu fangen. Doch Yvonne narrte die Verfolger, versteckte sich im Unterholz - und sorgte für Rummel. Schließlich wurde sie von dem ehemaligen Münchener Tierparkdirektor Henning Wiesner und Aiderbichl-Mitarbeitern mit Hilfe von Betäubungspfeilen und Haltegurten eingefangen. Währenddessen wuchs die Fangemeinde, es gab T-Shirts und Lieder. "Hey Yvonne, du wuide Kuh, lebst im Wald, wuist nur dei Ruh", sang die Gruppe "Gnadenkapelle". Ihre Anhänger feierten sie als freiheitsliebend und unbeirrbar. "Sie ist auch heute noch eine sehr selbstbewusste Kuh", sagt Sonja Großmann von Gut Aiderbichl. "Sie ist sehr dominant."

Hoher Hormonspiegel


Ihre ungestüme Art hatte medizinische Gründe. "Ein Facharzt hat festgestellt: Sie hatte eine Zyste an den Eierstöcken und eine zu hohe Hormonproduktion. Dadurch war sie extrem wild." Wintersteller besucht "seine" Yvonne so oft es geht. "Die Yvonne ist ganz eigenartig. Sie ist so eigenwillig. Sie ist unter Hunderten eine Faszination für mich."
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