Zahl der Drogentoten in Bayern deutlich gestiegen
Weihnachten für Süchtige besonders gefährlich

Experten fordern die die Einführung von "Konsumräumen", in denen Betroffene unter Aufsicht von Medizinern Betäubungsmittel einnehmen können. Unter kontrollierter Aufsicht sei das Risiko geringer. Bild: dpa
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Bayern
21.12.2015
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Die Zahl der Drogentoten in Bayern ist dieses Jahr stark gestiegen. Während die Behörden wenig überrascht sind, schlagen die Suchtberater Alarm - und bereiten sich auf das für ihre Klienten gefährliche Weihnachtsfest vor.

München/Weiden. Im Freistaat sind heuer deutlich mehr Menschen ihrer Drogensucht zum Opfer gefallen als im vergangenen Jahr. Von Januar bis Ende November registrierten die Polizeipräsidien in Bayern mehr als 260 Drogentote und damit bereits mehr als im ganzen Vorjahr. 2014 waren es nach Angaben des Bundeskriminalamtes 252 Tote im Freistaat gewesen, vor zwei Jahren 230.

Einen starken Anstieg verzeichnete das Polizeipräsidium München: 62 Drogentote in den ersten elf Monaten, im Gesamtjahr 2014 waren es 46.

Die Polizei hält die Zahlen nicht für ungewöhnlich, Wellenbewegungen gebe es immer mal wieder, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums München. Bei der Münchener Drogenberatungsstelle Condrobs ist man beunruhigt. "Diese Entwicklung besorgt uns sehr", sagte Klaus Fuhrmann. "Wir sind alle am rätseln, was die Hintergründe für diesen enormen Anstieg sind."

Mehr Drogentote als im Jahr 2014 stellten heuer neben München auch die fünf Polizeipräsidien Oberbayern Nord, Niederbayern, Oberpfalz, Oberfranken und Unterfranken fest. Einen möglichen Ansatzpunkt sieht der Suchtexperte im sogenannten Ausweichverhalten: Um nicht juristisch verfolgt zu werden, greifen viele Abhängige zu Mitteln, die leichter zu beschaffen sind als die gängigen Drogen, und deren Inhaltsstoffe bislang noch nicht auf der Verbotsliste stehen. Die Gefahr, eine zu hohe Menge zu konsumieren, ist hier ungleich höher. Derzeit beliebt ist die in der Milieusprache als Badesalz bekannte Ersatzdroge, die gefährlicher als Kokain und eine laut Fuhrmann "verschärfte Variante von Ecstasy" ist. Und statt Cannabis nehmen die Betroffenen Kräutermischungen.

Die Mitarbeiter der Münchener Organisation Condrobs sind gerade in der "staaden Zeit" besonders sensibilisiert. Dann ist die Einsamkeit der Suchtpatienten am größten. "Weihnachten ist hochemotional für unsere Klientel, weil sich alle um eine heile Welt bemühen", sagte Fuhrmann. "Dann wird ihnen bewusst, dass sie das alles nicht haben." Mit Weihnachtsfeiern und ähnlichen besinnlichen Aktionen versuchen er und seine Kollegen, die negativen Gefühle der Patienten aufzufangen.
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Wolfgang Ewert aus Weiden in der Oberpfalz | 14.02.2016 | 16:54  
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