Zahlen verraten, wie die Bayern und Oberpfälzer leben und sterben - eine Analyse anhand von Statistiken
Wie alt sind wir, wie leben wir, wann heiraten wir und woran sterben wir?

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Bayern
20.02.2015
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Wie alt sind die Oberpfälzer? Welche Landkreise werden in den kommenden Jahren am meisten schrumpfen? Wie leben die Menschen in der Region? In welchem Alter wird am häufigsten geheiratet? Und warum sind Menschen mit Migrationshintergrund wichtig für die Region? Das Statistische Jahrbuch Bayern 2014 gibt interessante Antworten und Einblicke in das Leben der Menschen in der Region.

Der Oberpfälzer ist im Schnitt 43 Jahre alt


Im Jahr 2012 war der Oberpfälzer im Durchschnitt 43,3 Jahre alt. Bis 2032 wird das Durchschnittsalter auf rund 47,5 Jahre ansteigen. Betrachtet man die Zahlen aus den Landkreisen und Städten in der Region, fällt Folgendes auf:

  • In der Stadt Regensburg sind die Einwohner durchschnittlich am jüngsten. Das dürfte vor allem an der Universität mit ihren Studenten liegen. Das Durchschnittsalter lag dort 2012 bei 41 Jahren, 2032 wird es voraussichtlich bei 44 Jahren liegen.

  • Durchschnittlich am ältesten sind die Bewohner des Landkreises Tirschenreuth: 45 Jahre im Jahr 2012 und voraussichtlich 50 Jahre im Jahr 2032.


Die folgende Grafik zeigt deutlich: In allen Landkreisen und Städten der Oberpfalz tendiert das Alter der Bewohner schon heute stark Richtung zweite Lebenshälfte.


Die Jungen werden viel weniger, die Alten viel mehr



Bild: dpa

Noch eindrücklicher macht die Grafik zur Veränderung der Altersstruktur in der Region Oberpfalz-Nord deutlich, wie sich die Zusammensetzung der Oberpfälzer verändern wird: Bis 2032 wird es Schätzungen des Bayerischen Landesamts für Statistik zufolge im Vergleich zu 2012 fast 40 Prozent mehr Menschen geben, die 65 Jahre und älter sind. Alle anderen Altersgruppen schrumpfen deutlich, ganz besonders die unter 18-Jährigen.



Dieser demografische Wandel lässt die Bevölkerung der nördlichen Oberpfalz bis 2032 voraussichtlich um 6,6 Prozent geringer werden. Das macht sich natürlich auch in den einzelnen Städten und Landkreisen bemerkbar.

Außer in der Stadt und im Landkreis Regensburg wird die Bevölkerung in unserer Region bis 2032 überall abnehmen, im Landkreis Tirschenreuth voraussichtlich am stärksten, nämlich um ganze 13 Prozent. Zum Vergleich: In der Oberpfalz insgesamt werden den Berechnungen zufolge im Jahr 2032 1,7 Prozent weniger Menschen leben.



Im bayernweiten Vergleich wird deutlich: Die nördliche Oberpfalz wird voraussichtlich besonders stark vom Bevölkerungsschwund betroffen sein. Dennoch macht sich diese Tendenz auch in den meisten anderen Landkreisen bemerkbar.

Lediglich in und um München herum sowie in und um Nürnberg, den Ballungszentren im Freistaat, dürfte die Bevölkerung in den kommenden Jahren und Jahrzehnten weiter anwachsen:


Quelle: Statistisches Jahrbuch für Bayern 2014

42 Prozent der Haushalte in der Oberpfalz sind Single-Haushalte


Während die Zahl der Menschen sinkt, steigt die Zahl der Haushalte: In Bayern waren es 1970 3.678.000 Haushalte, 2013 waren es 2.445.000 mehr (6.123.000). Seit 1970 ist in Bayern dem bundesweiten Trend entsprechend besonders die Zahl der Single-Haushalte gestiegen.



1970 lebten in den meisten bayerischen Haushalten noch drei oder mehr Personen, 2013 bestehen die meisten Haushalte nur noch aus einer Person.

Die Oberpfalz entspricht bei der Haushaltsgröße dem Bayerntrend: 42 Prozent der Haushalte in der Region sind Single-Haushalte, in gut 30 Prozent handelt es sich um Zwei-Personen-Haushalte. Drei Personen leben nur in knapp 14 Prozent der Haushalte.


Die meisten Bayern heiraten im Alter von 30 bis 39 Jahren



Bild: dpa

Im Jahr 2013 war der durchschnittliche Bayer bei der Hochzeit zwischen 30 und 39 Jahre alt. Das gilt für Männer und Frauen. Tendenziell heiraten mehr Frauen als Männer im Alter bis 29 Jahre und mehr Männer als Frauen im Alter ab 30 Jahren.


Die Zahl der Scheidungen hat sich in Bayern seit 1970 mehr als verdoppelt


In der Oberpfalz sind 2013 5.248 Ehen geschlossen worden, davon 1.014 in der Stadt Regensburg. Beim Thema Eheschließungen und Scheidungen entspricht Bayern dem vorherrschenden Trend: Es werden immer weniger Ehen geschlossen und immer mehr Ehen geschieden. Konkret: Die Zahl der Scheidungen hat sich in Bayern seit 1970 mehr als verdoppelt, 2013 sind im Vergleich zu 1970 knapp 14.000 Ehen weniger geschlossen worden:


Fast die Hälfte der Neugeborenen sind erste Kinder


Immer weniger Ehen bringen insgesamt auch weniger Kinder hervor. in der Oberpfalz wurden 2013 8.647 eheliche Kinder geboren, davon 1.373 in der Stadt Regensburg.

Bei fast der Hälfte der in einer Ehe geborenen Kinder in ganz Bayern handelte es sich 2013 um das erste Kind. 39 Prozent der Babys waren das zweite Kind, weitere Kinder gibt es nur noch in wenigen Ehen.


Krankheiten des Kreislaufsystems und Krebs häufigste Todesursachen


Blick ans andere Ende des Lebens: In der Oberpfalz sind 2013 11.549 Menschen gestorben, davon 1.326 in der Stadt Regensburg. Die zwei häufigsten Todesursachen bei Männern und Frauen: Krankheiten des Kreislaufsystems und Krebs:



Statistisch gesehen sind mehr Männer an Unfällen und durch Suizid gestorben als Frauen, während mehr Frauen an psychischen Ursachen und darunter Demenz gestorben sind.

Männer sterben jünger als Frauen


Laut Statistischem Bundesamt (zur Tabelle) sind Männer in Deutschland 2013 im Schnitt 74,5 Jahre alt geworden, Frauen 81,4 Jahre. Dass Frauen statistisch gesehen älter werden als Männer, ist längst bekannt. Und so verhält es sich auch in Bayern:



Die meisten Menschen sind im Freistaat 2013 in einem Alter von über 80 Jahren gestorben. Das trifft, dem allgemeinen Trend entsprechend, jedoch auf wesentlich mehr Frauen (66,8 Prozent) als Männer (42,1 Prozent) zu. In den Altersgruppen darunter sterben generell mehr Männer als Frauen.

Laut Robert Koch Institut ist dies auf die unterschiedlichen Lebensstile zurückzuführen: Männer neigten einer Ende 2014 veröffentlichten Studie eher zu Süchten, seien risikofreudiger und trieben weniger Sport (Bericht über die Studie).

Es sterben wesentlich mehr Bayern als geboren werden


In Bayern sterben wesentlich mehr Menschen als geboren werden. Wurden 1970 noch 21.333 mehr Menschen geboren als gestorben sind, starben 1980 über 8.400 Menschen mehr als es Geburten gab. Anschließend gab es um 1990 noch einen Geburten-Überschuss, seitdem jedoch sinken die Zahlen deutlich bis ins Negative. 2013 gab es über 17.000 mehr Gestorbene als Geborene in Bayern.



Dieser Trend zeigt sich auch in der Oberpfalz: 2013 gab es hier 2.902 mehr Todesfälle als Geburten.

Es ziehen mehr Menschen in die Oberpfalz, als fortziehen


Die Bevölkerung der Oberpfalz wird kleiner, und daran können auch Zuzüge innerhalb Bayerns und über die Landesgrenze hinaus nichts ändern. Zwar wandern mehr Menschen in die Oberpfalz als auswandern, aber es ziehen auch Menschen fort.

Innerhalb der Landesgrenze sind seit 2010 über 44.500 Menschen in die Oberpfalz gezogen und knapp 43.000 fortgezogen. Über die Landesgrenze hinaus sind im selben Zeitraum gut 18.500 Menschen zugezogen und über 14.300 haben die Oberpfalz dauerhaft verlassen.




Menschen mit Migrationshintergrund gleichen negative Bevölkerungsentwicklung aus



Bild: dpa

Im Jahr 2008 hatten rund 19 Prozent der in Bayern lebenden Bevölkerung laut Bayerischem Landesamt für Statistik (zur Quelle) einen Migrationshintergrund. Das entsprach in etwa dem Bundesdurchschnitt.

Vergleichsweise niedrig lag der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund in der Region Oberpfalz-Nord: Nur 11 Prozent der Menschen hatten hier 2008 einen Migrationshintergrund. Auch Einbürgerungen gibt es hier im Vergleich zu den anderen Regierungsbezirken Bayerns eher wenige:



Die Zahl der Migranten wächst allerdings kontinuierlich und wird dies voraussichtlich auch in den kommenden Jahrzehnten tun. Und: Menschen mit Migrationshintergrund sind statistisch gesehen jünger als die ohne. Wegen dieses jüngeren Altersdurchschnitts und einer etwas höheren Geburtenrate wird es in dieser Gruppe im Gegensatz zur Bevölkerung ohne Migrationshintergrund viele Geburten und wenige Sterbefälle geben, schreibt das Bayerische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung in einem Flyer (zur Quelle).

Erstaunlich dabei: Die Menschen mit Migrationshintergrund gleichen den Bevölkerungsschwund in Bayern so weit aus, dass die Gesamtbevölkerung des Freistaats bis 2031 voraussichtlich um 0,1 Prozent wächst. Fazit des Bayerischen Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung: "Das bis 2024 zu erwartende geringe Bevölkerungsplus Bayerns wird weitgehend durch die Bevölkerung mit Migrationshintergrund getragen. Aufgrund des deutlich jüngeren Durchschnittsalters und der höheren Fertilität werden die Personen mit Migrationshintergrund – anders als die ohne Migrationshintergrund – (...) die weitere Entwicklung der bayerischen Bevölkerung nachhaltig beeinflussen."


Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik, www.statistik.bayern.de⁄statistik⁄folgen

Regierung benennt Handlungsfelder zum Thema


Die Regierung der Oberpfalz hat das Thema „Demografischer Wandel“ erkannt. Auf eigens eingerichteten Internetseiten wird umfassend dazu informiert. Neben Zahlen und Grafiken zur Bevölkerungsentwicklung werden auch sogenannte Handlungsfelder erwähnt. Für die Regierung der Oberpfalz stehen in diesem Zusammenhang die Themen „Interkommunale Kooperation“, „Umbau statt Rückbau“, „Die Bedürfnisse verändern sich“, „Die familienfreundliche Gemeinde“ sowie „Städtebau und Städtebauförderung“ als wichtigste Handlungsfelder im Vordergrund.

Wenn es in der absehbaren Zukunft immer mehr ältere Menschen geben wird, sieht die Regierung der Oberpfalz etwa die Anpassung von Arbeitsstrukturen als Aufgabe. Der Ausbau der Altenhilfeplanung, eine Pflegeplatzbörse und eine Heimplatzbörse werden als Handlungsmöglichkeiten genannt. Unter allen Möglichkeiten werden auf den Internetseiten auch Praxisbeispiele aufgeführt. Etwa das Projekt „Lernen ab 50“. Ziele sind hier unter anderen der Aufbau einer ehrenamtlichen kommunalen Seniorberatung oder die Verbesserung des Lebenslangen Lernens in kommunalen Handlungsfeldern.

Bei der Regierung gibt es eine Geschäftsstelle „Demografie“, um etwa die fachlichen Fragestellungen in der Regierung und die beteiligten Behörden und sonstigen Stellen zu koordinieren.
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