Zehn Jahre nach der Reform der Laienarbeit
Fritz Wallner: "Bistum bis heute gelähmt"

Fritz Wallner. Archivbild: gib
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Bayern
09.12.2015
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Regensburg. Groß war vor zehn Jahren die Unruhe in der Diözese Regensburg, als der damalige Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller die Laiengremien neu ordnete. Viele engagierte Christen fühlten sich in ihrer Wirkmöglichkeit beschnitten. Mitten drin in der Auseinandersetzung war Fritz Wallner, bis dahin Vorsitzender des von Müller abgeschafften Diözesanrats. Heute ist Wallner Stellvertretender Vorsitzender der Laienverantwortung Regensburg, einem 40 Mitglieder starken Verein kritischer Laien. Er sieht das Bistum durch Müllers Reform bis heute gelähmt.

Vor zehn Jahren wurde der Diözesanrat aufgelöst, dessen Vorsitzender Sie waren. Wie haben Sie die Reform erlebt?

Fritz Wallner: Das war keine Reform, die etwas vorwärts bringt oder verbessert. Das war eine Zerschlagung. Die Ergebnisse zehn Jahre danach bestätigen, was wir damals schon befürchtet haben, nämlich dass diese Reform ein Rückschritt war. In der Diözese hat sich eine Müdigkeit, eine Trägheit breit gemacht.

Sind der Diözesanpastoralrat und das Diözesankomitee ein angemessener Ersatz?

Wallner: Der Diözesanpastoralrat ist ein Gremium, das im kirchlichen Recht vorgesehen ist, das ist völlig in Ordnung so. Das Diözesankomitee hat mit dem damaligen Diözesanrat nichts mehr gemein. Insbesondere fehlt diesem Gremium die Legitimation vom Kirchenvolk her wie beim Diözesanrat, der zu einem Drittel aus den gewählten Pfarrgemeinde- und Dekanatsräten zusammengesetzt war. Leider fehlt dem Diözesankomitee auch jegliche Legitimation, eigenständig zu Weltthemen Stellung zu nehmen.

Die Reform betraf auch die Pfarrgemeinderäte, die nunmehr geheim tagen und denen der Pfarrer als Vorsitzender vorsteht.

Wallner: Diese Veränderungen haben bistumsweit über die 770 Pfarreien hinweg eine Lähmung gebracht - mit wenigen positiven Ausnahmen. Wir haben zu wenige Priester und die sollen jetzt auch noch Initiativen ergreifen, die Leute motivieren, alles, was früher Ehrenamtliche gemacht haben. Das kann ein Pfarrer einfach nicht leisten. Ich war 24 Jahre Vorsitzender eines Pfarrgemeinderats, wir waren zum Teil bis zu 40 Leute. Es war toll, die Leute waren bereit, sich zu engagieren. Durch die Geringschätzung des damaligen Bischofs den Ehrenamtlichen gegenüber haben sich 10 000 bis 15 000 Leute zurückgezogen, die bis dahin in den Pfarrgemeinderäten engagiert waren.

Große Hoffnungen setzten Sie in Rudolf Voderholzer, der 2013 das Amt des Regensburger Bischofs übernommen hat.

Wallner: Die Erwartungen haben sich leider nicht erfüllt. Er hat die Chance des Amtswechsels nicht ergriffen, um neue Akzente zu setzen und den Menschen, die heute noch bereit sind, sich für die Kirche aktiv einzusetzen, wieder Vertrauen zu geben. Wenigstens das nichtöffentliche Tagen der Pfarrgemeinderäte hätte er ändern können. Was ist das für eine Kirche, die hinaus in die Welt wirken soll, aber geheim tagt? Wir brauchen uns nicht zu wundern, dass sich die Leute von der Kirche zurückziehen.

Hatten Sie einmal ein persönliches Gespräch mit Bischof Voderholzer?

Wallner: Nein. Wir haben als Laienverantwortung um ein Gespräch gebeten, aber er ist dieser Bitte nie nachgekommen.

Papst Franziskus begeistert weltweit viele Menschen. Inwieweit spüren Sie etwas davon in der Diözese Regensburg?

Wallner: Der Papst sagt ausdrücklich, er möchte nicht, dass jemand sagt, das haben wir immer schon so gemacht. Er betont die Mitverantwortung aus Taufe und Firmung heraus. Die Kirche soll am Ball bleiben bei den gesellschaftlichen Themen, die die Menschen wirklich angehen. Wenn wir uns den Papst als Boot auf einem See vorstellen, das große Wellen auslöst, dann ist die Diözese Regensburg drei Kilometer weit weg und bekommt davon nur noch ganz leicht etwas mit. Schade eigentlich.
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