Zur Hilfe verpflichtet

Chefarzt Michael Paland. Bild: hfz
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Bayern
08.09.2016
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Erste Hilfe leisten ist in Deutschland noch immer keine Selbstverständlichkeit. In einem Interview anlässlich des "Europäischen Tags der Ersten Hilfe" bezieht Michael Paland, Chefarzt der Anästhesiologie am Klinikum Fichtelgebirge, Position.

Marktredwitz. Der "Europäische Tag der Ersten Hilfe" hat das Ziel, die Bedeutung fachgerechter Nothilfe bei Unfällen und Katastrophen im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Denn noch immer würden in Deutschland nur 17 Prozent der Zeugen eines plötzlichen Herzstillstandes mit einer Herzdruckmassage reagieren, verweist das Klinikum Fichtelgebirge auf aktuelle Zahlen.

Viele Menschen sind sich unsicher, wann sie einen Notarzt rufen sollten. Wann sollte das geschehen?

Michael Paland: Man muss zunächst einmal unterscheiden zwischen dem hausärztlichen Notdienst, dem Rettungsdienst und dem Notarzt. Der hausärztliche Notdienst kann in massiv lebensbedrohlichen Situationen nicht weiterhelfen. Die Auswahl müssen aber nicht Sie treffen. Sie rufen in der Rettungsleitstelle (112) an und beschreiben dem dortigen Disponenten die Situation. Er wird dann anhand seiner Leitlinien entscheiden, ob er einen Rettungswagen schickt oder auch gleich einen Notarzt dazu. Sie als Angehörige oder Zeuge eines Unfalls müssen sich nicht scheuen dort anzurufen.

Ist der vor dem Führerscheinerwerb obligatorische Erste-Hilfe-Kurs zunächst ausreichend oder empfehlen Sie, weiterführende Kurse zu besuchen?

Der Pflichtkurs der landläufig Erste-Hilfe-Kurs genannt wird, ist kein vollständiger Kurs in Erster Hilfe. Richtig heißt er ja auch Lebensrettende Sofortmaßnahmen am Unfallort und ist eine abgespeckte Version des großen Kurses. Wer sich für zahlreiche Situationen wappnen will, dem sei der ausführliche Kurs ans Herz gelegt. Wer zwischendurch seine Kenntnisse auffrischen möchte, kann dies inzwischen auch online tun: Zahlreiche Videos veranschaulichen die Handgriffe, die im Notfall auszuführen sind.

Welche Hilfsmittel für die Erste Hilfe sollten in keinem Haushalt fehlen?

Im Haushalt sollten Wundverband, Wunddesinfektionsmittel, Wundkompressen und Heftpflaster vorhanden sein. Die Autoverbandskästen sind sehr umfangreich und für Laien zum Teil verwirrend.

Wie ist die Rechtslage, wenn man Erste Hilfe leistet und dabei etwas schiefgeht?

Man kann sich wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar machen, wenn man zumutbare Hilfe verweigert, obwohl man sie als notwendig erkannt hat. Man ist also grundsätzlich zur Hilfe verpflichtet. Niemand kann zivil- oder strafrechtlich für Schädigungen belangt werden, die er bei Erster Hilfe dem Verletzten zufügt, sofern er nicht vorsätzlich oder grob fahrlässig handelt. Wer nach bestem Wissen und Gewissen seinen Fähigkeiten entsprechende Hilfe leistet, macht nichts verkehrt. Nichtstun jedoch ist ganz sicher falsch.
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