„Zwölf Stämme“-Prozess
Kinder regelmäßig verprügelt

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Bayern
28.04.2016
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Augsburg. Nach den Prügelvorwürfen gegen Mitglieder der "Zwölf Stämme" haben Zeugen vor dem Landgericht Augsburg gegen eine Lehrerin der Sekte ausgesagt. Die Angeklagte (56) sei besonders streng gewesen und habe Kinder heftig geprügelt, berichteten zwei inzwischen erwachsene Geschwister am Mittwoch. Die junge Frau und ihr Bruder wuchsen in der Sekte auf und sind inzwischen ausgestiegen. Beide haben psychische Probleme aufgrund der erlittenen Gewalt.

Die 56-Jährige durfte in der Sektengemeinschaft im nordschwäbischen Klosterzimmern ohne entsprechende Ausbildung als Lehrerin arbeiten. Sie wird der Misshandlung von Schutzbefohlenen beschuldigt. Sie hatte zugegeben, regelmäßig Schüler gezüchtigt zu haben. Die "Zwölf Stämme" sehen Rutenschläge als übliche Erziehungsmethode bis ins Jugendalter an. Das Amtsgericht Nördlingen hatte die Erzieherin zu zweieinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Die Jugendschutzkammer des Landgerichts muss in der Berufung dieses Urteil überprüfen. Bereits mehrere Mitglieder der Sekte wurden verurteilt, weil sie Kinder geprügelt haben, allerdings zu deutlich geringeren Strafen.

Die Zeugin (21) sagte vor Gericht, dass sie als Grundschülerin geschlagen wurde, weil sie schlecht lesen konnte. Dabei habe sie eine starke Sehschwäche und erst spät eine Brille erhalten. In der Sekte habe jeder die Kinder schlagen dürfen, sagte sie, betonte jedoch: "Die Angeklagte war eine der Heftigsten." Ihr zwei Jahre älterer Bruder äußerte sich ähnlich über die Lehrerin: "Sie ist ultra-streng, schlägt bei jeder Gelegenheit, man hat nur Angst." Bei der Sekte sei die Prügelstrafe Methode gewesen, um Kinder gefügig und willenlos zu machen, meinte der Zeuge.
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