18-Jähriger erschießt neun Menschen
Münchner Amoklauf hat keinen Bezug zum IS

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Bayern
23.07.2016
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«Amok im Kopf. Warum Schüler töten» - der 18-jährige, womöglich an einer Depression erkrankte Todesschütze von München hat sich in Büchern über Amokläufe informiert.

München. Die Bluttat in einem Münchner Einkaufszentrum mit insgesamt zehn Toten war der Amoklauf eines vermutlich psychisch kranken Einzeltäters - einen Bezug zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gibt es nicht. Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä sagte am Samstag in München weiter, es gebe keinerlei Hinweise, dass mehr als der eine Täter aktiv gewesen seien. Der 18-Jährige habe sich anschließend selbst getötet. Die Ermittler sehen einen möglichen Zusammenhang mit den Morden des Norwegers Anders Behring Breivik vor genau fünf Jahren.

Der Täter hatte nach ersten Erkenntnissen von Ermittlern eine Erkrankung «aus dem depressiven Formenkreis». «Wir haben einige Hinweise dafür, dass eine nicht unerhebliche psychische Störung bei dem Täter vorliegen könnte», sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Samstag.

Der Täter führte den Angaben zufolge eine illegale Pistole des Kalibers 9 Millimeter bei sich, die Seriennummer war ausgefräst. Der junge Mann habe über 300 Schuss Munition bei sich gehabt, sagte LKA-Präsident Robert Heimberger. Im Magazin habe sich noch Munition befunden. Woher die Waffe herstammt, sei noch nicht geklärt.

Die Toten stammten laut Andrä alle aus München und Umgebung. Viele Todesopfer waren minderjährig. Zwei 15-Jährige und drei 14-Jährige seien ums Leben gekommen, berichteten die Ermittler. Weitere Opfer seien 17, 19, 20 und 45 Jahre alt gewesen. Unter den neun Todesopfern seien drei Frauen gewesen.

Der 18-Jährige war Schüler, er ist in München geboren und aufgewachsen. Die Ermittler haben in seiner Wohnung Bücher über Amokläufe gefunden. Eines hieß: «Amok im Kopf. Warum Schüler töten». Er habe sich intensiv mit dem Thema befasst. Die Verbindung zu Breivik «liegt auf der Hand», sagte Andrä. Am Freitag war der fünfte Jahrestag von Breiviks Amoklauf.

Es gebe bisher keine Hinweise, dass sich der Täter mit dem Anschlag in einem Regionalzug am Montagabend in Würzburg beschäftigt habe, sagte Andrä weiter. Auch ein Abschiedsbrief des Mannes sei bisher nicht gefunden worden. Das könne sich aber noch ändern. Der Täter hat möglicherweise einen Facebook-Account gehackt, um Menschen zum Tatort zu locken. Die Polizei zählte am Freitag zwischen 18 und 24 Uhr 4310 Notrufe - das Vierfache eines normalen Tages, sagte Andrä.

Der Ablauf der Tat lässt sich den Angaben zufolge noch nicht abschließend erkennen. Die zeitliche Abfolge werde nun auch mit Hilfe von Videoaufnahmen ermittelt. Der Tatort am Olympia-Einkaufszentrum werde zunächst abgesperrt bleiben. Zur Zeit sind noch 800 Einsatzkräfte in der Stadt im Einsatz. Aus Sicherheitsgründen müssten in München nach Angaben Andräs jedoch keine Veranstaltungen abgesagt werden.

Nach seiner Ansicht war der zeitweise als «akute Terrorlage» bezeichnete massive Polizeieinsatz in München gerechtfertigt. Es sei angesichts der vielen Hinweise auf weitere Schauplätze absolut «richtig und notwendig gewesen», in dieser Stufe einzusteigen, sagte er. Ähnlich äußerten sich Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und Innenminister Herrmann (beide CSU).
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