Agentur-Chef Ulrich Klenke über Bewerbungsgespräche, Karriere und das No-Go im Lebenslauf
Lieber authentisch als Supervollprofiauswendiglerner

Ulrich Klenke
Vermischtes
Bayern
09.09.2016
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(von Michaela Süß)

Die Schulzeit neigt sich dem Ende zu – und damit wartet eine ganz andere Art von Prüfungen auf die angehenden Absolventen, als sie es bisher gewohnt waren. Statt gelerntes Wissen abgefragt zu bekommen heißt es jetzt Werbung machen in eigener Sache im Bewerbungsverfahren und Einstellungsgespräch. Wie das geht, erklärt im Interview Ulrich Klenke, Chef einer der renommiertesten deutschen Werbeagenturen.

Auf dem Terminplan stehen Bewerbungsgespräche. Worauf achten Personaler/Chefs zuerst?

Der erste Eindruck zählt. Ich möchte mich vorab informieren, also müssen mir die Bewerbungsunterlagen einen guten Überblick über Daten, Erfahrungswerte und Persönlichkeit der Bewerber/innen geben. In der Regel hat man wenig Zeit für Vorbereitung und Gespräch – also müssen die Unterlagen ausführlich genug sein, aber auf Überflüssiges bewusst verzichten.

Was ist aus Chef-Sicht ein absolutes No-Go?

Rechtschreibfehler oder nicht nachvollziehbare zeitliche Sprünge im Lebenslauf. Wer sich nicht die Mühe macht seinen eigenen „Verkaufsunterlagen“ ordentlich abzugeben, wie soll der- oder diejenige in Zukunft in der Lage sein, Verantwortung für andere, für ein Produkt oder für einen Kunden zu übernehmen?

Wie können angehende Azubis im Gespräch punkten?

Es ist ganz einfach: Wenn ich merke, dass sich jemand für unsere Firma und seine zukünftige Aufgabe wirklich persönlich interessiert, dann ist man schon einen großen Schritt weiter. Der Bewerber sollte sich auch schon vorher Gedanken darüber machen, was er fragen will und sich Notizen machen während des Gesprächs. Das ist professionell.

Etwas Peinliches gesagt... Und jetzt?

Gar nix. Das kann jedem passieren. Und wenn man Mist erzählt und es sogar noch merkt...dann entschuldigt man sich dafür und stellt das richtig. Mir ist jemand viel lieber der das Herz am rechten Fleck hat und über sich selber lachen kann, als der vermeintliche Supervollprofiauswendiglerner ohne Humor. Will man so jemanden täglich um sich haben? Wohl kaum.

Erst mal ne Ausbildung machen und dann schauen, wie‘s weitergeht... Ist das der richtige Weg?

Nein. Jeder Job ist lediglich die Vorbereitung auf den nächsten. Man sollte sich schon Gedanken machen, wo man letztendlich landen will. Wenn man nicht die zündende Idee hat oder im Netz findet, dann kann man sich auch ganz offen beraten lassen. Einrichtungen dafür gibt es viele und etliche Unternehmen bieten Informationsveranstaltungen an.

Geht heute in der Arbeitswelt überhaupt noch etwas ohne Praktika?

Nein, das ist aber nicht unbedingt auch gut so. Praktika können helfen, Erfahrungen zu sammeln und erste Schritte in eine berufliche Richtung zu machen. Sie sollten aber vor allem auch dem Praktikanten nutzen und nicht nur dem Unternehmen helfen, günstige Arbeitskräfte zu kriegen.

Karriere und Kohle machen – welcher Typ Mensch muss ich dafür sein?

Du musst wissen, was Du willst und Dich für eine Sache echt begeistern. Talent ist das eine, es nicht zu vergeuden das andere. Dafür muss man strategisch vorgehen und sich die richtigen Ausbilder/Förderer suchen. Wenn man das aktiv angeht, hat der Arbeitsmarkt der Zukunft viele Optionen und bietet spannende Chancen. Bewusst ausbilden, bewusst weiterbilden und ein Ziel vor Augen haben. Dann klappt das auch mit Kohle und Karriere. Und ein gutes soziales Umfeld aus Freunden und Familie erhalten trotz allen Engagements für den Job – das hält gesund und fit im Kopf.


Erinnerst Du Dich an Dein erstes Bewerbungsgespräch? Wie war‘s?

Ich war nassgeschwitzt vor Aufregung und angezogen wie ein Pfingstochs auf Brautschau. Aber ich war gut vorbereitet und wusste meine Talente glaubwürdig zu präsentieren. Ich bin mir nicht sicher ob ich mich damals selbst eingestellt hätte, aber ich bin den Leuten bei Mercedes in Stuttgart auf ewig dankbar, dass sie es getan haben.

About

• Ulrich Klenke, 44

• Diplom-Betriebswirt (BA)

• CEO Ogilvy Deutschland (amerikanische Werbeagentur, arbeitet für Kunden wie Siemens, Coca-Cola, Allianz, Nescafe, Jever uvm.)

• Davor 8 Jahre Marketingchef der Deutschen Bahn

• Davor 3 Jahre bei der Volkswagen Werbeagentur

• Davor 13 Jahre bei Mercedes-Benz/Daimler
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