Alles eine Frage der Selbstdarstellung: Von Bittstellern und Problemlösern im ...
Clevere Bewerbungsstrategien

Mal überlegen: Mit welcher Taktik komme ich zu meinem Traumjob? Bild: tmn/diagentur
Vermischtes
Bayern
09.09.2016
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Es gibt zwei Grundtypen von Bewerbern: zum einen den Typ Selbstdarsteller. "Wie konnten Sie überhaupt ohne mich zurechtkommen?", lautet sein Motto. Das Gegenteil ist der Bittsteller.

Er tritt bescheiden auf, fast unterwürfig - nach der Devise: "Ich kann nicht viel, aber ich werde mein Bestes tun." Beide haben keine Chance, meint Bewerbungscoach Uwe Schnierda: "Bewerber sollten beschreiben, was sie können, ohne zu bewerten. Die Firmen machen sich ihr Bild dann schon selbst."

Aber wirklich ansprechend zu formulieren, welche Kenntnisse sie besitzen, fällt gerade Berufseinsteigern schwer. Dabei bringen schon Schulabgänger mehr an Erfahrungen mit, als sie denken - und mehr als sie in ihrer Bewerbung schreiben, so Uwe Schnierda.

Mit Praxis-Erfahrungen punkten


Praxiserfahrungen und vor allem die Auseinandersetzung mit den eigenen Zielen bieten viele Pluspunkte: "Es gibt zahllose Ausbildungsberufe. Wer für sich einen oder auch drei Schwerpunkte findet und glaubwürdig machen kann, warum er sich für diesen Beruf und diese Firma entschieden hat, hat schon viel gewonnen."

Im Vorfeld der Bewerbung müssen Berufsinformationen und Firmenbroschüren oder Homepages durchgearbeitet werden, da werden Praktika absolviert und sollten Gespräche geführt werden.

Hospitationen, so ein Tipp von Uwe Schnierda, kann man auch am Nachmittag nach der Schule absolvieren. So lässt sich am besten herausfinden, welcher Job der richtige ist.

Es sei legitim, Verschiedenes auszuprobieren, beruhigt die Unternehmensberaterin Claudia Nuber. "Auf Anhieb findet sich nicht der richtige Job. Das ist ein lebenslanger Prozess. Es gibt viel Jobrotation und mehr als eine Ausbildung." Wichtig sei, den Wunsch gut zu verkaufen.

Und das geschieht am besten per individueller Bewerbung: "Man sollte aufschreiben, warum man sich bei dem jeweiligen Unternehmen bewirbt", rät Claudia Nuber. Firmen lesen gerne, dass man sich schon lange mit ihrem Produkt identifiziert oder Image, Selbstverständnis oder Betriebsklima attraktiv findet.

Noch einen Schritt weiter geht die Karriereberaterin Madeleine Leitner: Bewerber sollten als potenzieller Problemlöser auftreten. Dazu muss man wissen, wo im Unternehmen der Schuh drückt und glaubhaft machen können, dass man diese Probleme auch lösen kann. Am besten ist, wenn der Bewerber ähnliche Probleme in der Vergangenheit bereits gelöst hat.

Das fällt Berufsanfängern naturgemäß schwer. Aber auch die können sich einen Expertenstatus geben, wenn sie die Schlüsselbegriffe ihres Wunschberufes beherrschen, rät Uwe Schnierda: "Wer eine Stelle als Reiseverkehrskauffrau sucht, sollte die dort üblichen Buchungssysteme nennen können."

Individuelle Ansätze


Die Bewerbungsmappe sollte jedenfalls individuell sein. Gerade das Anschreiben sollte klar machen, was für ein Mensch hinter der Bewerbung steckt. Dazu gehöre eine aussagekräftige Selbsteinschätzung mit den Highlights aus dem Werdegang wie Praktika, Hospitationen, freiwillige Kurse oder Nebenjobs. Die Form ist nicht vorgeschrieben.

So kann sich eine zukünftige Erzieherin in Form eines Märchens bewerben oder der Journalisten-Anwärter mit einer Reportage über sich selbst. Ein potenzieller Schreiner könne ein Foto von seinem Erstlingswerk der Bewerbung beilegen oder ein Musterteil beim Wunscharbeitgeber abgeben, schlägt Claudia Nuber vor. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt: "Wer ins Labor gehen möchte, lässt sich von seiner Chemielehrerin ein kurzes Schreiben geben, wie toll und interessiert er im Chemieunterricht mitgemacht hat."

Aber die Bewerbung muss nicht um jeden Preis originell werden: "Nicht jeder kann und sollte eine Litfasssäule vor seinem Wunscharbeitgeber buchen", betont Schnierda. (tmn)
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