Azubis dürfen kein Ersatz für die Putzfrau im Büro sein - Wie können Jugendliche im ...
Immer nur Brotzeit holen und kopieren

Wer in der Ausbildung ständig für fachfremde Tätigkeiten wie Putzen oder Brotzeitholen eingesetzt wird, schiebt schnell Frust. Bild: tmn
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Bayern
09.09.2016
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Stundenlang kopieren, für den Chef private Botengänge machen oder die Toilette im Büro putzen: Azubis müssen es sich nicht bieten lassen, wenn sie dauernd Dinge tun sollen, die nichts mit ihrer Lehre zu tun haben. Doch welche Aufgaben dürfen sie ablehnen?

Azubis müssen es nicht hinnehmen, wenn sie ständig Aufgaben bekommen, die nichts mit der Lehre zu tun haben. Angehende Einzelhandelskaufleute dürfen also nicht als Ersatz für die Putzkraft im Büro eingesetzt werden. "Das verstößt gegen das Berufsbildungsgesetz", sagt Benjamin Krautschat vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Denn Aushilfstätigkeiten wie das Putzen gehören in der Regel nicht zu den Aufgaben, die dem Ausbildungszweck dienen.

Kommt schon mal vor


In der Realität passiert es aber durchaus, dass Lehrlinge ausbildungsfremde Tätigkeiten erledigen müssen. "Ein Azubi musste etwa immer das Auto des Vorgesetzten waschen", erzählt Krautschat. Ein extremer Fall sei der einer angehenden Bürokauffrau gewesen, die täglich die Toiletten im Büro putzen musste.

Für viele Lehrlinge sind solche ausbildungsfremden Tätigkeiten sogar Alltag: Jeder Zehnte (10,8 Prozent) muss sie nach dem DGB-Ausbildungsreport "häufig" oder "immer" machen.

Überdurchschnittlich oft haben Azubis in kleinen Betrieben mit dem Problem zu kämpfen. Dort erledigt jeder Fünfte (20,5 Prozent) häufig Dinge, die nicht der Lehre dienen. Bei Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigen sind es nur 7,3 Prozent. Grundsätzlich sei es zwar ein Ordnung, wenn ein Lehrling auch einmal die Halle fege, Kaffee koche oder für den Chef einen Aktenordner kopiere. "Zum Problem wird das immer dann, wenn diese Aufgaben überhand nehmen", sagt Krautschat.

Lehrlinge sollten deshalb im Ausbildungsrahmenplan genau nachsehen, welche Tätigkeiten sie in ihrer Lehre machen müssen - und welche nicht. Den Rahmenplan bekommen sie in der Regel beim Vertragsschluss überreicht. Falls nicht, ist er bei staatlich anerkannten Abschlüssen über die Seite des Bundesinstituts für Berufsbildung (www.bibb.de) abrufbar.

Wie vorgehen?


Haben Lehrlinge das Gefühl, sie werden überwiegend für Hilfsarbeiten eingesetzt, suchen sie am besten zunächst das Gespräch mit dem Betriebsrat, sofern es im Unternehmen einen gibt. So lässt sich klären, ob der eigene Eindruck berechtigt ist.

In einem zweiten Schritt sollte dann der Chef angesprochen werden. Taktisch klug sei es dabei, dem Vorgesetzten nicht gleich mit Vorwürfen zu überhäufen, sondern konstruktiv an die Sache heranzugehen.

Azubis könnten etwa sagen: "Ich habe Angst, durch meine Abschlussprüfung zu fallen." Dabei könnten sie darauf hinweisen, dass sie nach dem Ausbildungsrahmenplan bestimmte Dinge lernen sollten, tatsächlich aber nur Hilfsarbeiten übernehmen müssten. (tmn)

Sparen: Staat fördert Berufsanfänger

Berufsanfänger unter 25 Jahre erhalten beim Sparen vom Staat einen Bonus. Das soll ihnen einen Vermögensaufbau auch bei geringem Einkommen ermöglichen.

Darauf weist die Aktion "Finanzwissen für alle" der Fondsgesellschaften hin. Beim Abschluss eines Riestervertrages erhalten Berufseinsteiger einen einmaligen Zuschuss von 200 Euro.

Hinzu kommt eine Grundzulage von maximal 154 Euro im Jahr. Das sind im ersten Jahr also bis zu 354 Euro. Voraussetzung für die volle Zulage: Eine Einzahlung von vier Prozent des sozialversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens inklusive der staatlichen Zulagen. Ein Sockelbetrag von 5 Euro im Monat ist mindestens Pflicht.

Für Berufseinsteiger, die kein Vorjahreseinkommen haben, bedeutet das: Ihre Eigenbeteiligung liegt bei 60 Euro im Jahr.

Azubis oder Arbeitnehmer mit geringem Einkommen können auch bei vermögenswirksamen Leistungen (VL) von der Förderung profitieren. Sie erhalten für Beiträge bis zu 470 Euro pro Jahr neun Prozent vom Staat. Das sind maximal rund 42 Euro für Ledige pro Jahr und etwa 85 Euro für Verheiratete.

Voraussetzungen für diese Arbeitnehmersparzulage sind: Der Sparplan hat eine Mindestlaufzeit von sechs Jahren plus ein Jahr Ruhezeit. Außerdem muss der Sparer die Einkommenshöchstgrenzen einhalten.

Diese liegen bei Bausparverträgen beispielsweise bei 17 900 Euro für Ledige und 35 800 Euro pro Jahr für Verheiratete. (tmn)
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