Bahn will Autofahrer an Übergängen sensibilisieren
Der Zug hat immer Vorrang

Vermischtes
Bayern
09.02.2016
8
0

München. Die Bahn startet in Bayern eine Initiative zur Vermeidung von Verkehrsunfällen an Bahnübergängen. Sie setzt dabei auf die bessere technische Sicherung der Anlagen, aber auch auf die Aufklärung der Autofahrer über das richtige Verhalten beim Überqueren der Schienen. Im bayerischen Regionalnetz der Bahn gibt es derzeit 1647 Übergänge, im Durchschnitt passieren dort jährlich rund 16 Unfälle. In 94 Prozent der Fälle ist der Straßenverkehrsteilnehmer an dem Unfall schuld, Hauptursache ist die Nichtbeachtung des Vorrangs des Schienenverkehrs. Die meisten Unfälle geschehen an mit Lichtzeichen gesicherten Übergängen.

"Unbedingtes Haltesignal"


"Ein rotes Blinklicht am Bahnübergang ist kein Warnhinweis, sondern ein unbedingtes Haltesignal", betonte Thomas Engel, Leiter der DB-Regionalnetze im Freistaat, in München. In der Oberpfalz gab es von 2010 bis 2015 13 Verkehrsunfälle an Bahnübergängen, der jüngste erst im vergangenen November, als beim Zusammenstoß eines Regionalzugs mit einem Schwertransporter in der Nähe von Freihung zwei Menschen starben. Um die Unfallzahlen zu senken, rüstet die Bahn sukzessive die Übergänge technisch auf.

Auflassen oder umrüsten


Seit 2006 hat sie dazu im Regionalnetz bereits 197 Übergänge erneuert oder ganz beseitigt, bis 2026 sollen weitere knapp 200 folgen, heuer allein 60. Von den 1647 Bahnübergängen im bayerischen Regionalnetz sind 936 technisch nicht gesichert, also nur mit einem Andreaskreuz ausgerüstet. Es handelt sich dabei meist um kleinere, vorwiegend von land- und forstwirtschaftlichem Verkehr genutzte Übergänge. 354 weitere Anlagen entsprechen dem technisch neuesten Standard, bei den restlichen 357 handelt es sich um technisch mit Schranken oder Blinklichtern gesicherte Altanlagen aus der Zeit vor 1980. Diese sind laut Engel nicht modernisierbar und müssen nun sukzessive komplett erneuert werden. Pro Anlage koste das rund 600 000 Euro.



Kein technischer MangelDie Untersuchungen des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) nach dem Bahnübergangunglück bei Freihungsand (Kreis Amberg-Sulzbach) vom November haben nach Angaben eines Behördensprechers keine Hinweise auf Mängel an den Sicherungsanlagen ergeben.

Zwischen den Bahnhöfen Vilseck und Freihung war am Abend des 5. November 2015 ein auf einem Bahnübergang stehender Sattelschlepper von einem Regionalexpress mit hoher Geschwindigkeit erfasst worden. Der Triebfahrzeugführer und der Lastwagenfahrer starben. Die Halbschranken hätten sich genau zwischen Führerhaus und Anhänger gesenkt, heißt es vom EBA. Deshalb habe es auch keine Störungsmeldung gegeben.

Bei der Untersuchung werde auch das Thema der sogenannten Kuppenausrundung beleuchtet. Dies betrifft die Anfahrtsrampen der Straße hin zu den Gleisen. Wann die Untersuchungen abgeschlossen sind und Ergebnisse vorliegen, konnte der Sprecher des EBA nicht sagen. Die Sollvorgabe laute, dass ein Bericht innerhalb eines Jahres vorgelegt werden soll. (räd)
Weitere Beiträge zu den Themen: Unfall (820)Bahn (77)Bahnübergang (12)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.