Bayerns Finanz- und Heimatminister Dr. Markus Söder über Pünktlichkeit, peinliche Momente und den persönlichen Platz im (Berufs)leben
Lieber 10 Minuten zu früh kommen als 5 zu spät

Markus Söder
Vermischtes
Bayern
09.09.2016
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(von Michaela Süß)
Auf dem Terminplan stehen Bewerbungsgespräche. Worauf achten Chefs zuerst?

Söder: Im Vorstellungsgespräch ist der erste Eindruck wichtig. Da ist ein ordentliches Äußeres unschädlich. Aber noch wichtiger ist ein sympathisches und aufgeschlossenes Auftreten.

Was ist aus Chef-Sicht ein absolutes No-Go?

Söder: …, wenn ein Bewerber unentschuldigt zu spät zum Vorstellungsgespräch kommt. Ich kann deshalb nur jedem raten, lieber 10 Minuten zu früh als 5 Minuten zu spät zum Gesprächstermin aufzubrechen.

Wie können angehende Azubis im Gespräch punkten?

Söder: Bewerber können vor allem mit einem natürlichen, authentischen und souveränen Auftreten punkten. Einen weiteren Pluspunkt gibt es, wenn man merkt, dass sich der Bewerber gut vorbereitet hat. Man spürt im Gespräch sehr schnell, ob nur Standardantworten gegeben werden oder ob sich der Bewerber genau überlegt hat, warum gerade er für diese Stelle geeignet ist.

Etwas Peinliches gesagt... Und jetzt?

Söder: Das kann jedem mal passieren und muss noch lange nicht zu einem schlechten Bewerbungsgespräch führen. Der Bewerber sollte versuchen, Ruhe zu bewahren. Teilweise kann es hilfreich sein, wenn er die Situation offen anspricht oder sich entschuldigt. Dann kann man zum nächsten Thema übergehen und die Sache ist meistens schnell vergessen. Am Schluss zählt der Gesamteindruck und nicht ein einzelner falscher Satz.

Erst mal ne Ausbildung machen und dann schauen, wie‘s weitergeht... Ist das der richtige Weg? Oder lieber eine durchgeplante Karriere?

Söder: Diese Frage kann man nicht pauschal beantworten. Wir haben alle unterschiedliche Charaktereigenschaften und Pläne fürs Leben. Der eine weiß mit 16 genau, welchen Beruf er ergreifen möchte und richtet seine Ausbildung darauf aus. Der andere muss sich erst klar werden, was er im Leben überhaupt erreichen will. Eine fundierte Ausbildung – zum Beispiel in einem der zahlreichen Ausbildungsberufe im öffentlichen Dienst beim Freistaat Bayern – schadet aber sicher nie. Wichtig ist letztendlich, dass man seinen Platz findet. Dahin gibt es ganz verschiedene Wege.

Geht heute in der Arbeitswelt überhaupt noch was ohne Praktika?

Söder: Ich finde Praktika sind eine gute Gelegenheit für Schüler und Studenten, erste Einblicke in die Arbeitswelt zu erhalten. Man kann sich beruflich orientieren und erste Kontakte mit späteren potentiellen Arbeitgebern aufnehmen. Daher bietet auch der Freistaat Bayern Schülern und Studenten zahlreiche interessante Praktikumsplätze an. Die Praktikumsplätze an unseren Finanzämtern sind beispielsweise sehr beliebt, weil Schüler hier heimatnah einfach mal in den öffentlichen Dienst hereinschnuppern können.

Karriere und Kohle machen – welcher Typ Mensch muss ich dafür sein?

Söder: Ich glaube nicht, dass man sein Leben und seinen Berufswunsch nur nach Karriere und Bezahlung ausrichten kann. Wenn man den richtigen Job gefunden hat und einem die Arbeit Spaß macht, kommt die Karriere meist ganz von allein. Dafür muss man kein bestimmter Typ Mensch sein.

Erinnern Sie sich an Ihr erstes Bewerbungsgespräch? Wie war‘s?

An mein erstes Vorstellungsgespräch kann ich mich noch gut erinnern. Natürlich war ich etwas aufgeregt. Dabei hatte ich mich gut vorbereitet, weil ich den Job – ein Volontariat beim Bayerischen Rundfunk - unbedingt haben wollte. Aber das gehört vermutlich dazu.

About

• Markus Söder, 49 Jahre

• Ausbildung und beruflicher Werdegang: Studium der Rechtswissenschaften in Erlangen, Abschluss mit juristischem Staatsexamen // Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Staats-, Verwaltungs- und Kirchenrecht // Volontariat beim Bayerischen Rundfunk, anschließend Redakteur beim BR // Promotion an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen/Nürnberg

• Politische Mandate: seit 1994 Mitglied des Landtags // Oktober 2007 - Oktober 2008: Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten in der Bayerischen Staatskanzlei // Oktober 2008 - Oktober 2011: Bayerischer Staatsminister für Umwelt und Gesundheit // November 2011 - Oktober 2013: Bayerischer Staatsminister der Finanzen // seit 10. Oktober 2013: Bayerischer Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat

• Über das Ministerium: Das Bayerische Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat ist für eine Fülle von komplexen und interessanten Themen zuständig. Das reicht von der Aufstellung des bayerischen Staatshaushalts über das Beamtenrecht, die Steuerverwaltung bis hin zur Landesentwicklung und Digitalisierung. Da hier auch die staatlichen Beteiligungen des Freistaats Bayern wie Flughäfen, Messen, Landesbank, Hofbräuhaus bis hin zur Seenschifffahrt verwaltet werden, ist das Ministerium direkt und indirekt für eine Bilanzsumme von 780 Milliarden Euro zuständig. Im Finanzministerium und den nachgeordneten Bereichen arbeiten fast 30.000 Menschen.

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