Beim Assessment Center ist Gelassenheit gefragt - Teilnehmer stehen ständig unter Beobachtung
Immer schön locker bleiben

Seriös, höflich und selbstbewusst: Das bringt Vorteile im Assessment Center. Bild: djdRandstad-Deutschlandthx
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Bayern
09.09.2016
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Assessment Center (AC) zur Personalrekrutierung sind längst etabliert. Allerdings wird auch hier oft gespart. "Statt mehrere Tage laden die meisten Unternehmen heute nur noch für einen halben bis anderthalb Tage ein", sagt Karriereberater Jürgen Hesse. Außerdem würden die Auswahlverfahren immer stärker auf die jeweilige Branche und Stellengruppe zugeschnitten, so Christoph Aldering, Mitglied der Geschäftsleitung eines Beratungsunternehmens.

An der grundlegenden Zielsetzung hat sich aber nichts geändert: Unternehmen wollen während eines ACs die "Softskills" genannten soziale Kompetenzen testen. Dazu werden die Kandidaten einzeln oder in Gruppen eingeladen.

Bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter ist normalerweise das Gruppenauswahlverfahren üblich. Aus Kostengründen finde gewöhnlich eine Vorauswahl statt, erläutert Aldering: "In einem ersten Test werden dabei die besten Bewerber herausgefiltert." Diese Vorauswahl finde häufig über Testfragen im Internet statt.

Interaktion auf dem Prüfstand


Wer die Einladung zum Assessment Center in der Tasche hat, sollte die Ruhe bewahren und natürlich bleiben, raten die Experten. "Manche Teilnehmer machen beim AC den Eindruck, sie spielen uns eine Rolle vor", erzählt Recruitmentmanager Wolfgang Brickwedde. Dabei sei es viel besser, gelassen und entspannt zu wirken.

"Die meisten stellen sich ein Assessment Center viel stressiger vor, als es eigentlich ist und verkrampfen sich unnötig."

Wer sich auf ein AC vorbereiten will, kann sich Gedanken zu üblichen Standardübungen machen. "Meistens beginnt das Verfahren mit einer Selbstpräsentation vor der Gruppe", sagt Hesse. Wichtig sei, sich an die Zeitvorgabe zu halten.

Ebenfalls zum Standardrepertoire gehören Gruppendiskussionen: "Es geht weniger um das eigentliche Gesprächsthema, als vielmehr um die Interaktion innerhalb der Gruppe", erklärt Hesse. Hier wird deutlich, wer als informeller Führer akzeptiert wird, wer von den anderen unterstützt wird und wer sich lieber zurückzieht.

Brickwedde hat die Erfahrung gemacht, dass "solche Übungen bei der Beurteilung von Führungsqualitäten sehr viel treffsicherer sind als ein normales Bewerbungsgespräch." Hesse rät, sich bei der Vorbereitung bewusst zu machen, dass es im AC weniger um Fachwissen als um das eigene Verhalten geht: "Neben seriösem Auftreten, angemessener Kleidung und allgemeiner Höflichkeit werden auch Konflikt- und Moderationsfähigkeiten bewertet."

Keine Scheu vor Small-Talk


Er weist darauf hin, dass die Teilnehmer auch in den Pausenzeiten unter Beobachtung stehen. "Da stellt sich heraus, wer kontaktfreudig ist und den Small-Talk nicht scheut."

Sinni Cho hat vor einem Jahr bei seinem heutigen Arbeitgeber das dort für Bewerber obligatorische Assessment Center absolviert. Sein Tipp: "Locker bleiben. Die Beobachter wirken im AC viel strenger als später im Berufsalltag. Letztlich sind das auch ganz normale Leute."

Er selbst hat sich nicht auf das AC vorbereitet und musste deshalb Informationsdefizite hinnehmen: "Alle außer mir hatten einen Taschenrechner, Stifte und Papier dabei."

Trotzdem ist es gut gelaufen: Schon zwei Tage nach dem Auswahlverfahren flatterte Cho die Zusage ins Haus. Dabei begann das AC für ihn mit einem Missgeschick: "Bei der Selbstpräsentation ist mir die Pinnwand umgekippt. Das war im ersten Augenblick ganz schön peinlich." (tmn)
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