Das Offensichtliche ist nicht immer das Beste - Rechtzeitig anfangen und Chancen durch ...
Berufswahl mit System

Sich einen Überblick über verschiedene Berufsfelder verschaffen: Das geht gut auch gemeinsam. Bild: djd/Studienkreis
Vermischtes
Bayern
09.09.2016
3
0

Sich für einen Beruf zu entscheiden, gehört zu den schwierigsten Aufgaben für Schulabgänger. Das liegt schon daran, dass die Auswahl kaum zu überschauen ist. Richtig kompliziert wird es allerdings dann, wenn es in dem Beruf, der einem vorschwebt, nicht genügend Ausbildungsplätze gibt.

Daran lässt sich wenig ändern. Die Chancen auf eine Lehrstelle kann man trotzdem deutlich erhöhen, wenn die Planung bei der Berufswahl stimmt. "Viele Jugendliche konzentrieren sich auf die Berufe, die sie schon kennen", sagt Tanja Nackmayr von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). "Oder sie gucken nur darauf, was ihre Freunde oder Eltern machen."

Dieser Tunnelblick sei aber falsch, schon weil er dazu führt, dass die Bewerber um die gleichen Stellen konkurrieren. "Es gibt 350 Ausbildungsberufe. Man sollte nicht nur auf die zehn beliebtesten starren."

Gibt's etwas Ähnliches?


Oft sei es sogar so, dass es neben dem eigentlichen Wunschberuf einen sehr ähnlichen gibt, der weniger bekannt und deshalb auch weniger überlaufen ist, sagt Nackmayr. Sich nicht nur über einen einzelnen Beruf, sondern über die gesamte Branche zu informieren, sei deshalb ein kluger erster Schritt in Richtung Ausbildungsplatz.

Kaum möglich und auch nicht notwendig ist es, sich einen Überblick über alle Berufe zu verschaffen. Martina Schaar von der Handwerkskammer rät aber in jedem Fall, sich breit zu informieren - und dabei die Handwerksberufe nicht zu vergessen. Viele Handwerksbetriebe hätten Schwierigkeiten, Lehrstellen mit geeigneten Bewerbern zu besetzen. "Dabei gibt es viele Karrieremöglichkeiten bis hin zum Studium", sagt Schaar. Nach den Erfahrungen der Handwerkskammern wissen viele Schüler zu wenig über die verschiedenen Berufe. Sich schlaumachen ist deshalb die einhellige Empfehlung. "Jobbörsen sind eine gute Möglichkeit dafür, aber auch die Arbeitsagenturen, Verbände und Kammern helfen weiter", sagt Tanja Nackmayr.

Selbst wer sich eigentlich schon sicher ist, was er machen möchte, kann noch hilfreiche Informationen bekommen. "Jugendliche haben oft ein falsches Bild von dem jeweiligen Beruf", sagt Nackmayr. "Als Grund für den Abbruch der Ausbildung wird häufig genannt, dass sich der Azubi die Lehre ganz anders vorgestellt hat." Das liegt zum Beispiel daran, dass sich Berufe mit der Zeit sehr verändert haben.

Dass sich die Berufswahl nicht nur, aber auch an den eigenen Interessen und Fähigkeiten orientieren sollte, sehen alle Experten so. Nicht immer sind diese Fähigkeiten offensichtlich. Manchmal müssen Jugendliche erst herausfinden, was sie interessiert und was sie können. "Betriebserkundungen und Praktika sind dafür eine gute Möglichkeit", sagt Tanja Nackmayr. "In den Berufsinformationszentren kann man auch einen Berufswahltest machen."

Wichtig ist, dass Schüler bei der Suche nach dem passenden Job nicht trödeln: "Es gibt immer noch eine große Gruppe, die zu spät anfängt, über die Berufswahl nachzudenken", sagt Berufsberaterin Alexandra Schiltz. "Der Bewerbungszeitraum bei den Firmen fängt schon ein Jahr vor dem Ausbildungsbeginn an. Vielen Schülern ist das nicht klar, oder sie verdrängen das."

Einfach mal anrufen


Bei großen Unternehmen oder bei Behörden seien die Ausbildungsplätze dann oft schnell vergeben. Ob sich eine Bewerbung überhaupt noch lohnt, lässt sich oft auf der Homepage der Firma herausfinden - oder in den Datenbanken der Bundesagentur für Arbeit sowie der Industrie- und Handelskammern. "Man sollte gucken, ob die Bewerbungsfrist noch nicht abgelaufen ist", rät Schiltz.

Eine gute Alternative sei, anzurufen und nachzufragen: "Viele Jugendliche sind nicht gewohnt, mit Firmen zu telefonieren und nutzen die Chancen nicht, die sich auf diese Weise ergeben könnten." Statt nur zu fragen, ob man noch eine Bewerbung schicken kann, könne man schließlich auch versuchen, ins Gespräch zu kommen. Wer dabei einen guten Eindruck hinterlässt und den Gesprächspartner neugierig macht, hat vielleicht auch gute Karten, wenn er zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird. "Wer sinnvolle Fragen stellt, kommt besser rüber, als wenn jemand kurz angebunden gleich wieder auflegt."

Einen Vorteil hat das Nachfragen immer: Auf diese Weise lässt sich herausfinden, welcher Firma man die Bewerbungsunterlagen gar nicht erst zu schicken braucht. Das spart nicht nur Porto: "Man erspart sich auch viele Frusterlebnisse", sagt Alexandra Schiltz. (tmn)

Wenn es mit dem Wunschberuf nicht klappt, sind vielleicht die eigenen Erwartungen und Ansprüche falsch.

Statt dann immer neue Bewerbungen abzuschicken, lohnt es sich oft, kritisch zu fragen, ob man sich selbst richtig sieht.

"Gerade in der Bewerbungsphase muss man flexibel sein", sagt die Berufsberaterin Alexandra Schiltz. "Man muss sich klar werden, dass vieles eben nicht geht."

Für manche Berufe fehlt möglicherweise der erforderliche Schulabschluss, für andere sind die Noten nicht gut genug.

Dann könne hilfreich sein, offen über Alternativen nachzudenken. Oft gibt es Berufe, die Chancen bieten, über welche die Betreffenden aber noch nie nachgedacht haben. (tmn)
Weitere Beiträge zu den Themen: Berufswahl (8)Ausbildungsplatz (3)Azubi 2017 (50)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.