Details sind wichtig für die Versicherung - Besuch beim "Durchgangsarzt" ist unbedingt nötig
Unfall auf dem Arbeitsweg

Sher wichtig nach einem Wegeunfall ist der Besuch beim sogenannten Durchgangsarzt. Archivbild: dpa
Vermischtes
Bayern
09.09.2016
17
0

Ein falscher Tritt auf der Stufe, ein unachtsamer Moment beim Abbiegen - schnell ist auf dem Weg zur Arbeit ein Unfall passiert. Die Auseinandersetzung mit der gesetzlichen Unfallversicherung kann dafür umso langwieriger sein.

Grundsätzlich hat zwar jeder Arbeitnehmer in Deutschland Anspruch auf bestimmte Leistungen. Ob er bei einem Unfall allerdings tatsächlich versichert ist, darüber entscheiden Details.

"Die gesetzliche Unfallversicherung reguliert nur den Gesundheitsschaden", sagt Roswitha Breuer-Asomaning vom Bundesverband der Unfallkassen. Das heißt: Behandlungskosten oder auch eine neue Brille werden bezahlt, beim Unfall beschädigte Kleidung, das kaputte Fahrrad oder Blechschäden am Auto dagegen nicht.

Wo genau ist der Unfall passiert?


Versichert ist der Weg zur Arbeit und zurück nach Hause. Dabei geht die Rechtsprechung immer vom direkten Weg aus. "Das muss nicht der kürzeste Weg sein", erklärt Rechtsanwältin Bettina Schmidt.

Werden zum Beispiel vor dem Gang ins Büro die Kinder in den Kindergarten gebracht, ist auch dieser Weg versichert. Bei einem kurzen Einkauf oder einem Schlenker zur Post greift der Versicherungsschutz nicht.

"Machen Sie dagegen einen Umweg zum Bäcker, um sich ein belegtes Brötchen für die Mittagspause im Büro zu kaufen, dann ist der Weg versichert, allerdings nicht der Aufenthalt in der Bäckerei", erklärt Bettina Schmidt.

Der Weg zur Arbeit beginnt an der Haustüre des Wohnhauses und endet dann an der Außentüre des Firmengebäudes. Ein Sturz auf der Treppe in einem Mehrfamilienhaus ist daher nicht abgesichert. Stolpert jemand auf der Türschwelle, kommt es laut Bettina Schmidt tatsächlich darauf an, ob er in den Hausflur oder vor die Tür fällt.

Dasselbe gilt für die Mittagspause: "Die Wege ab der Außentür sind versichert, der Aufenthalt in der Kantine nicht", erklärt Andreas Baader vom Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG).

Auch der Weg zum Bäcker oder zum Restaurant fällt unter den Versicherungsschutz. Ein Spaziergang in der Mittagspause ist dagegen reines Privatvergnügen.

Unmittelbar nach dem Unfall kann jeder beliebige Arzt aufgesucht werden. Spätestens für Folgebehandlungen, welche dann die Unfallkasse tragen soll, muss es aber ein sogenannter "Durchgangsarzt" sein, den diese bestimmt.

Der Besuch beim Durchgangsarzt


"Wichtig ist es, dem Arzt mitzuteilen, bei welcher Tätigkeit sich der Unfall ereignet hat", sagt Roswitha Breuer-Asomaning. Auch der Arbeitgeber sollte so schnell wie möglich informiert werden.

Spätestens wenn Medikamente und Hilfsmittel verschrieben werden, muss der Durchgangsarzt mindestens einmal konsultiert werden, sagt Andreas Baader. Nur dann werden Praxisgebühren, Zuzahlungen im Krankenhaus oder auch Ausgaben für Medikamente und Hilfsmittel wie eine Brille ersetzt.

Nötige Operationen werden ebenfalls übernommen. Wird der Verletzte krank geschrieben, übernimmt die Unfallkasse auch die Lohnfortzahlung. "Dann wird ein Verletztengeld gezahlt. Das sind maximal 80 Prozent des letzten Bruttolohnes", sagt Andreas Baader. Das entspreche in aller Regel dem Nettoentgelt, allerdings gehen davon noch Beiträge zu Renten- und Arbeitslosenversicherung ab.

Eine Rente erhält, wer nach dem Unfall zu mindestens 20 Prozent in seiner Erwerbstätigkeit eingeschränkt ist. "Die Rente errechnet sich aus der Höhe der prozentualen Behinderung", erklärt Andreas Baader. Dabei werden zwei Drittel des letzten Bruttolohns als 100 Prozent angenommen.

Außerdem kümmern sich die gesetzlichen Unfallkassen nach schweren Unfällen um berufliche und soziale Wiedereingliederung und Umschulungen.

"Die Bestimmung der Minderung der Erwerbstätigkeit ist eines der häufigsten Probleme", sagt Bettina Schmidt. Denn die subjektive Einschränkung nach einem Unfall, zum Beispiel durch psychische Probleme, sei in vielen Fällen größer als die Beeinträchtigung, die von Gutachtern festgestellt werden kann. (tmn)

Wichtiger Ausweis

Viele Jugendliche starten in diesen Wochen in ihr Berufsleben. Mit der Aufnahme ihrer ersten Beschäftigung erhalten die Berufsanfänger einen Sozialversicherungsausweis. Darauf weist die Deutsche Rentenversicherung Bund in Berlin hin.

Benötigt wird der Sozialversicherungsausweis zum Beispiel bei jeder Beschäftigung zum Nachweis der vergebenen Versicherungsnummer oder wenn eine Sozialleistung wie etwa Arbeitslosengeld beantragt wird.

Bei Verlust oder wenn der Sozialversicherungsausweis unbrauchbar wird, muss ein neuer Ausweis bei der Rentenversicherung über die zuständige Krankenkasse beantragt werden. (tmn)