«Donnernder Applaus von oben»
In Schweinfurt blitzt's am häufigsten

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Bayern
26.07.2016
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Ehrentitel der besonderen Art: Schweinfurt ist Deutschlands Blitz-Hauptstadt des Jahres 2015. 4,5 Mal hat es dort im vergangenen Jahr pro Quadratkilometer geblitzt.

Schweinfurt. Schweinfurt ist Deutschlands Blitz-Hauptstadt 2015. Der Blitz-Informationsdienst von Siemens hat 2015 in der unterfränkischen Stadt 4,5 Blitzeinschläge pro Quadratkilometer registriert, wie das Unternehmen in München mitteilte. Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen landet in Bayern mit 4,1 Blitzen auf dem zweiten Rang. Bundesweit liegt nur noch der Erzgebirgskreis mit 4,3 Blitzen davor. Insgesamt blitzte es in Deutschland 2015 rund 550 000 Mal, das sind acht Prozent weniger als im Vorjahr.

Der Oberbürgermeister der Stadt, Sebastian Remelé (CSU), nahm den neuen Ehrentitel mit Humor und sagte, Schweinfurt trage den Titel Blitz-Hauptstadt mit Stolz. Er sieht «diese Auszeichnung als donnernden Applaus von oben». Für Stephan Thern, Leiter des Blitz-Informationsdienstes, ist Schweinfurt als Blitz-Hauptstadt eine Überraschung. «Denn die Stadt gehört eigentlich nicht zu den besonders blitzreichen Regionen.»

Der 2015 in Bayern zweitplatzierte Landkreis Garmisch-Partenkirchen liegt im Langzeitvergleich (1999 bis 2015) mit durchschnittlich 4,5 Blitzeinschlägen pro Quadratkilometer an der Spitze der Blitz-Regionen. Gefolgt vom Landkreis Berchtesgadener Land mit 4 Blitzen. Die wenigsten Blitze gab es 2015 in der Stadt Kiel mit 0,18 und im Landkreis Plön in Schleswig-Holstein mit 0,23 Blitzen je Quadratkilometer.

Das spiegelt dem Bericht nach eine generelle Tendenz wider, nach der es in den südlichen Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg besonders viele Blitzeinschläge gibt, während in Schleswig-Holstein eher wenige zu verzeichnen sind. Genau vorhersagen ließen sich Blitze bisher nicht, sagte Experte Thern. «Unser Ziel ist es daher, zukünftig den Verlauf von Gewittern noch präziser vorherzusagen. Dazu arbeiten wir mit Wetterdiensten zusammen an Lösungen, mit denen durch Beobachtung der Blitzaktivität und anderer Wetterparameter die Zugrichtung der Gewitterzelle berechnet wird.»


Wie Blitze entstehen und warum sie so gefährlich sind


In Deutschland blitzt es jedes Jahr mehr als zwei Millionen Mal - meist in den Wolken, seltener zwischen Himmel und Erde. Schlägt der Blitz in den Boden sein, wird es lebensgefährlich - besonders im Freien. Denn von der Einschlagsstelle breitet sich Strom in alle Richtungen aus. Die größte Gefahr droht, wenn man direkt vom Blitz getroffen wird.

Was genau passiert dann?

Die Spannung am Körper steigt auf mehrere 100 000 Volt an. Es kommt zu Verbrennungen sowie Nerven- und Muskellähmungen. Zudem wirkt der Strom direkt aufs Herz. Trotzdem gibt es immer wieder Fälle, in denen Menschen das überleben. Spätfolgen wie chronische Schmerzen und Bluthochdruck können aber noch Jahre später auftreten.

Wie kommt es zum Gewitter und zum Blitz?

Gewitter entstehen, wenn an schwülen Tagen warme, feuchte Luftmassen aufsteigen und dabei abkühlen. Es bilden sich Wassertropfen und Eiskristalle. In der Gewitterwolke reichern sich im oberen Teil positiv geladene Eiskristalle an. An der Wolkenunterseite gibt es mehr negativ geladene Wassertropfen. Überschreitet die daraus resultierende Spannung eine bestimmte Schwelle, kommt es zu einem gigantischen Kurzschluss. Der Blitz entlädt sich innerhalb der Wolke oder zwischen Wolke und Boden. Die höchste Blitzdichte des Planeten herrscht im tropischen Zentralafrika.

Wie kann man sich schützen?

Gewitter übersteht man nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes am besten im Auto oder in festen Gebäuden. Wer im Freien überrascht wird, sollte Bäume, Masten, Zäune oder Gewässer meiden und sich möglichst klein machen - am besten hockend in einer Bodenmulde.

Linktipps:

Ärzteblatt zum Blitzunfall
DWD Wetterlexikon
Verband der elektronischen Industrie
Welt der Physik
DWD zum Blitzschutz
Wenn aus Blitzen Pixel werden
Echtzeit-Blitz-Karte
Netzwerk für Blitze und Gewitter in Echtzeit

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