Eine Frage der Integration
Kaffee aus dem Libanon

Mohamed und Petra mit der libanesischen Fahne als Hommage an seine alte Heimat. Bild: gis
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Bayern
23.02.2016
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Mehlmeisel. (gis) Mohamad Ghandour kommt aus dem Libanon. Er ist 51 Jahre alt und seit 25 Jahren mit seiner Frau Petra verheiratet. Das Ehepaar hat zwei Söhne, Daniel, 23, und Ali, 15. Der Kaffee, arabisch "Quahwa", den Petra in einem Stielkännchen, dem "Rakweh", aufgebrüht hat, ist schwarz, stark und mit Kardamom vermischt, so wie er im Libanon getrunken wird. "Dreimal aufkochen, hat mir meine Schwiegermutter gelernt, dann ist das Aroma perfekt" sagt die Mehlmeiselerin. Mohamad stellt Zucker auf den Tisch. "Der Kaffee wird sehr süß getrunken" ergänzt er - und ist gerne bereit, aus seiner bewegenden Lebensgeschichte zu erzählen, die gerade heute aktueller ist, denn je. Längst hat Mohamed Ghandour die deutsche Staatsangehörigkeit. Seit 22 Jahren arbeitet er in der Firma Rosenthal in Speichersdorf.

Vor zwei Jahren war Mohamad das letzte Mal im Libanon. Fünfmal bereits besuchte die Familie die Heimat des Vaters und plant eine weitere Reise im kommenden Jahr. Die Sprache war keine Barriere, zumal sich Daniel mittlerweile gut auf arabisch verständigen kann. Petra schwärmt von der Gastfreundschaft ihrer Schwiegereltern, von der idyllischen Landschaft und vom würzigen Essen - "Nur Lamm mag ich nicht", lacht sie "umso mehr die kleinen saftigen Kuchen".

Warum sind Sie aus dem Libanon weggezogen?

Mohamad Ghandour: Insbesondere die libanesische Zivilbevölkerung musste im Verlauf des über 15 Jahre dauernden Bürgerkrieges unter schweren Kämpfen und grausamen Massakern leiden. Das ehemals schöne Urlaubsland wurde total zerstört und meine Kindheit erlebte ich deshalb in Angst und Schrecken. Während der Besatzungszeit durch Israel diente ich meinem Land als Berufssoldat.

Es war im Jahr 1984, als mich um zwölf Uhr nachts plötzlich bewaffnete Soldaten aus meinem Elternhaus abholten, mich schlugen und verschleppten. Meinem Vater antworteten sie auf seine Frage, was das soll, dass ich in zehn Minuten wieder zu Hause wäre. Aus den zehn Minuten wurde ein ganzes Jahr. Das Rote Kreuz und die UNO holten mich aus dem Lager.

Bald wusste ich, dass ich in meiner "kaputten Heimat" nicht mehr leben konnte. Ich ging für ein Jahr nach Südafrika, wo jetzt auch meine sieben Brüder leben, kam nach mehreren Aufenthalten unter anderem über Tschechien nach Deutschland und schließlich über Schirnding nach Wunsiedel in ein Asylbewerberheim. Das Arbeitsverbot war für mich nicht leicht. Mein Bruder schickte mir Geld.

Und wann kamen Sie nach Mehlmeisel?

Mohamad Ghandour: In einer Pizzeria in Wunsiedel, wo ich regelmäßig aushalf, lernte ich meine Frau Petra aus Mehlmeisel kennen. 1991 heirateten wir. Seitdem lebe ich mit meiner Familie in der Fichtelgebirgsgemeinde.

Was ist typisch für die Region und was schätzen Sie hier?

Mohamad Ghandour: Ich schätze die Gastfreundschaft, mit der ich damals schon aufgenommen wurde. Ich liebe die Ruhe und die idyllische Umgebung. "Miameisslerisch verstehe ich zwar, spreche selbst aber keinen Dialekt, nur hochdeutsch, natürlich meine Muttersprache arabisch und französisch.

Was vermissen Sie am meisten?

Mohamad Ghandour: Meinen Vater, meine Mutter, meine sieben Brüder und fünf Schwestern. Es ist schwer, die Heimat zu verlassen. Mit den Flüchtlingen kann ich sehr gut mitfühlen. Landestypische Lebensmittel aus der Heimat aber vermisse ich nicht. Denn bei meinen Besuchen im Libanon decke ich mich immer mit genügend Kaffee ein. Petra kann wunderbares "Hummus" aus pürierten Kichererbsen und Sesampaste zubereiten. Für "Falafel" stelle ich mich aber gerne selber an den Herd. Die Zutaten gibt es in speziellen Läden.

Welche Tipps haben Sie für Menschen, die sich hier integrieren wollen?

Mohamad Ghandour: Aufgeschlossen sein, auf die Menschen zugehen, ihre Kultur, Religion und Traditionen akzeptieren und einfach bereit sein, sich zu integrieren.
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