Hochwasser in Niederbayern [Aktualisierung]
Großes Aufräumen geht weiter

Vermischtes
Bayern
02.06.2016
697
0
 

Mindestens sieben Menschenleben hat die verheerende Flutwelle in Niederbayern gefordert. Und noch immer werden Menschen vermisst. Einen ersten Lichtblick gab es dennoch am Donnerstagabend: Die Stromversorgung ist fast wieder flächendeckend intakt.

Simbach. Entwarnung und Aufatmen: Im niederbayerischen Überschwemmungsgebiet werden keine Personen mehr vermisst. Dies hat das Landratsamt Rottal-Inn in Pfarrkirchen am Freitagabend mitgeteilt. Seit dem frühen Abend stehe dies fest. Damit hätten sich alle aktuellen Vermissten-Meldungen erledigt. Zuletzt war ein seit Donnerstag vermisstes Ehepaar - ein 81 Jahre alter Mann und seine 77-jährige Frau - unversehrt ausfindig gemacht worden.

Nach der verheerenden Flutkatastrophe mit mindestens sieben Toten geht im niederbayerischen Hochwassergebiet das große Aufräumen weiter. Bis in den späten Donnerstagabend waren die Menschen in und um Simbach am Inn damit beschäftigt, die Spuren der Katastrophe zu beseitigen: Scherben von geborstenen Fensterscheiben, zerstörte Häuser - und vor allem Schlamm, überall Schlamm. Normalität ist noch lange nicht in Sicht: Zahlreiche Schulen sollten auch am Freitag geschlossen bleiben, im kleinen Ort Triftern mussten etwa 80 bis 100 Haushalte bereits die zweite Nacht auf Strom verzichten.

Mindestens sieben Tote und Schäden in dreistelliger Millionenhöhe: Einen Tag nach der Flutwelle vom Mittwoch wird erst nach und nach das ganze Ausmaß der Katastrophe klar. Orte wie Simbach am Inn und Triftern sind in weiten Teilen verwüstet, viele Häuser stehen immer noch unter Wasser. Allein im Landkreis Rottal-Inn geht der Sachschaden in den dreistelligen Millionenbereich. Auch im Landkreis Passau gibt es große Schäden.

Mehrere Menschen wurden auch am Donnerstagabend noch vermisst. Unter den Toten sind auch drei Frauen im Alter von 28, 56 und 78 Jahren. Es handele sich um Tochter, Mutter und Großmutter, berichtete die Polizei. Die vierte Tote ist eine 80-Jährige. Ihr Haus in Untertürken wurde von der Gewalt der Wassermassen zum Einsturz gebracht. Die Leiche der Frau wurde einige Kilometer weiter in Julbach in einem Bachbett entdeckt. Am Donnerstag fanden Taucher die Leiche eines 75-Jährigen in seinem Haus in Simbach, am Abend wurde im Simbach die Leiche eines 65-Jährigen geborgen.

Die ganze Macht der Flutwelle verdeutlichte am Donnerstag das Umwelt-Landesamt. Binnen eines halben Tages sei im besonders schwer getroffenen Simbach das gleichnamige Flüsschen von einem halben Meter auf mehr als fünf Meter angeschwollen. 5,06 Meter waren es schließlich - dies habe «bei weitem jeden bisher beobachteten Wasserstand» übertroffen, erklärte eine Sprecherin.
Immerhin gab es am Donnerstagabend einen ersten Lichtblick: Der Netzbetreiber Bayernwerk vermeldete, im Hochwassergebiet sei die Stromversorgung weitgehend wieder intakt. Nur in Triftern mussten rund 100 Haushalte auch die Nacht zum Freitag ohne Strom auskommen. Am Mittwochabend waren laut Polizei in dem Hochwassergebiet noch rund 10 000 Haushalte ohne Strom gewesen.

Im besonders betroffenen Landkreis Rottal-Inn riefen die Behörden zu einem vorsichtigen Umgang mit Trinkwasser auf. Betreiber und Nutzer von eigenen Wasserversorgungsanlagen sowie kleiner Gemeinschaftsanlagen sollten Trinkwasser nur in abgekochtem Zustand verwenden, teilte das Landratsamt Rottal-Inn am Donnerstagabend mit.

Bundeswehr steht bereitDie Soldaten der Bundeswehr stehen bereit, um gegebenenfalls bei dem Hochwasser in Niederbayern zu helfen. «Wir sind vorbereitet und kommen, wann immer die zivile Seite danach ruft», sagte Oberstleutnant Carsten Spiering am Donnerstag in München. Zunächst müsse der zuständige Landrat aber eine Unterstützung durch die Bundeswehr beantragen.

«Wenn der Antrag bei uns eingeht, werden wir uns in Marsch setzen», sagte Spiering. Der Landkreis Rottal-Inn habe sich bisher aber noch nicht für einen Einsatz entschieden, sagte der Oberstleutnant. Bei dem Hochwasser im Jahr 2013 waren die Soldaten laut Spiering vor allem als «helfende Hände» eingesetzt worden, sie hätten Sandsäcke gefüllt und an die Deiche geschleppt.

Fischerdorfer reisen nach Triftern


Während der Hochwasserkatastrophe vor drei Jahren reisten Helfer aus dem Landkreis Rottal-Inn nach Deggendorf, um den Menschen im überschwemmten Ortsteil Fischerdorf zu helfen. Nun wollen sich die Fischerdorfer revanchieren: Die Freiwillige Feuerwehr reiste mit rund 130 Männern und Frauen nach Triftern und unterstützt dort die Bewohner bei den Aufräumarbeiten. «Die Hilfe, die wir bekommen haben, wollen wir jetzt zurückgeben. Das ist uns sehr wichtig», sagte Feuerwehrkommandant Dieter Treske am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Als in Fischerdorf im Juni 2013 weite Teile überflutet waren, kamen auch viele Helfer aus dem Raum Rottal. «Die haben dasselbe gemacht wie wir jetzt, Keller auspumpen», erzählte Treske. Überwältigt von so viel Hilfsbereitschaft habe die Stadt Deggendorf anschließend ein Kontingent gegründet, um anderswo zu unterstützen. «Das ist unser erster Einsatz.»

Bei Treske und seinen Kameraden weckt die Katastrophe im Rottal schlimme Erinnerungen. «Da kommen die alten Sachen wieder hoch, das ist genau wie bei uns. Wo man hinkommt, überall ist dieser Ölgeruch.» Tausende Menschen mussten damals ihre Häuser verlassen, der Schaden wurde auf mehr als 500 Millionen Euro geschätzt. Mehr als 150 Häuser mussten abgerissen werden.
Weitere Beiträge zu den Themen: Wetter (184)Hochwasser (3437)Unwetter (87)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.