Land unter nach verheerenden Regenfällen
Mehrere Todesopfer bei Hochwasser in Niederbayern

Hochwasser in Simbach am Inn (Landkreis Rottal-Inn). Bild: dpa
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Bayern
01.06.2016
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Hochwasser in Simbach am Inn (Landkreis Rottal-Inn). Bild: dpa

Bei einer verheerenden Hochwasserkatastrophe in Niederbayern sind vier Menschen ums Leben gekommen. Drei Leichen wurden am Mittwochabend von Tauchern in einem überschwemmten Haus in Simbach am Inn entdeckt, wie die Behörden mitteilten. Kurz darauf wurde eine Frau tot in einem Bach bei Julbach entdeckt.

Triftern/Simbach. (dpa) Ob es weitere Opfer geben könnte, war zunächst unklar. Ein Sprecher des Landratsamtes sagte, es gebe keine konkreten Hinweise auf weitere Vermisste – aber: „Es ist alles ein großes Chaos“. Heftiger Regen hatte in der Region zu zerstörerischen Überschwemmungen geführt und mehrere Orte teils meterhoch überflutet. Der Landkreis Rottal-Inn löste Katastrophenalarm aus. Hunderte Kinder mussten am Mittwoch bis zum Abend in ihren Schulen ausharren, weil die Zufahrten nicht passierbar waren. Etwa 50 von ihnen mussten sich darauf einstellen, in der Mittelschule von Triftern zu übernachten.

Mit Booten und Hubschraubern wurden Menschen aus ihren Häusern gerettet, etwa 9000 Haushalte waren ohne Strom. In Simbach wurden Autos und Bäume wurden weggespült. Die Schäden lagen nach ersten Schätzungen in zweistelliger Millionenhöhe.

In einem Mehrfamilienhaus wurden die drei Leichen entdeckt. Bewohner der oberen Stockwerke, die gerettet werden konnten, hatten auf die vermissten Bewohner im Erdgeschoss aufmerksam gemacht. Gegen 20.30 Uhr wurden die Toten von der Feuerwehr in dem überschwemmten Gebäude entdeckt. Die näheren Umstände der Todesfälle und die Identität der Opfer waren zunächst nicht bekannt.

In dem Nachbarort Julbach wurde eine Stunde später eine weitere Tote entdeckt. Die Leiche einer Frau hing über einen Baumstamm in einem Bach, berichtete die Polizei. Die Kriminalpolizei übernahm die Ermittlungen zu den Todesfällen. Michael Fahmüller, der Landrat des Kreises Rottal-Inn, zeigte sich tief betroffen. „Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen“, sagte der CSU-Politiker.

32 Liter Regen pro Quadratmeter fielen binnen sechs Stunden allein in der Kreisstadt Pfarrkirchen. „Es herrscht Land unter. Die Wassermassen kamen sehr schnell“, hieß es von der Polizei. Erst am Abend entspannte sich die Lage und das Wasser lief ab.

Hochwasser droht auch in den kommenden Tagen, denn die Aussichten bleiben trüb: Mindestens bis Sonntag werde sich die Gewitterluft in Deutschland halten, sagte der Meteorologe Simon Trippler vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Aus Polen zog Tief „Friederike“ herüber. In der Mitte, im Osten und im Norden Deutschlands könnte es Unwetter geben – aber auch im Südwesten, der schon zu Wochenbeginn besonders stark betroffen war. Am Mittwochabend regnete es heftig über Nordrhein-Westfalen.

In Niederbayern waren die Helfer weiter pausenlos in den überschwemmten Gebieten unterwegs. „Alles, was wir verfügbar haben, ist im Einsatz“, teilte das Polizeipräsidium in Straubing mit. Polizisten seien auch von Grenzübergängen nach Österreich abgezogen worden.

In Triftern mussten rund 250 Kinder den Tag über in der Turnhalle ausharren, in Simbach saßen 350 Schüler fest. Während die Schüler aus Simbach bis zum Abend wieder nach Hause konnten, waren in Triftern etwa 50 Kinder auch am späten Abend noch in der Mittelschule. Sie wurden von 25 Erwachsenen betreut, wie das Landratsamt mitteilte.

Eine Asylbewerberunterkunft in Simbach wurde ebenfalls geräumt. Bei einem Bootsausflug auf dem Schwarzen Regen wurde eine Schulklasse aus Augsburg vom Unwetter überrascht: 20 Kinder strandeten auf einer Insel und mussten gerettet werden. Lastwagenfahrer kletterten auf der Bundesstraße 12 auf die Dächer ihrer Fahrzeuge, weil sie Angst hatten, von den Fluten davon geschwemmt zu werden, wie Rettungskräfte berichteten. Passau rief angesichts anhaltender Regenfälle den Katastrophenfall aus.
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