Naturschutz am früheren Eisernen Vorhang
Nachholbedarf auch in der Oberpfalz

Dort, wo einst der Eiserne Vorhang für die Menschen ein unüberwindbares Hindernis darstellte, fühlen sich heute viele bedrohte Tierarten wohl. (Foto: dpa)
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Bayern
20.04.2017
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Dort, wo einst der Eiserne Vorhang für die Menschen ein unüberwindbares Hindernis darstellte, fühlen sich heute viele bedrohte Tierarten wohl. Diese ungestörten Grünzonen europaweit zu schützen, ist aber nicht immer einfach.

Nürnberg. Seltene Tier- und Pflanzenarten finden hier ein Refugium: Die Flächen links und rechts des ehemaligen, 12.500 Kilometer langen Eisernen Vorhangs gelten als größter zusammenhängender Natur-Lebensraum der Welt. Allerdings stehen knapp 30 Jahre nach Ende des Kalten Krieges erst etwa die Hälfte dieser Areale unter Schutz. "Die Vielfalt Europas macht die Ausweisung von Schutzgebieten zu einer extremen Herausforderung", sagte Uwe Riecken vom Verein Grünes Band Europa am Donnerstag in Nürnberg. Die 2014 gegründete gemeinnützige Organisation mit Mitgliedern aus 16 europäischen Ländern setzt sich für den Schutz des grünen Grenzstreifens ein.

"Es gibt kein vergleichbares Projekt auf der Welt. In jedem Land gelten andere Naturschutzgesetze, die unter einen Hut gebracht werden müssen", betonte Riecken bei einer Vorstandssitzung mit Vertretern aus acht Nationen.

Andere Länder, andere Vorstellungen


Manchmal scheitern neue Projekte aus politischen Gründen: Mit Russland etwa liegen seit der Annexion der Halbinsel Krim die Naturschutzverhandlungen auf Eis. Mehr noch: Einige russische Naturzonen entlang der alten Trennlinie seien stark gefährdet, weil dort Bäume für die Möbelindustrie gerodet würden, bemängelte die stellvertretende Vereinsvorsitzende Liana Geidezis vom Bund Naturschutz (BN). Auch hätten die einzelnen Länder unterschiedliche Vorstellungen, wie breit der schützenswerte Korridor entlang des alten Grenzverlaufs sein soll, schilderte Vereinschef Gabriel Schwaderer ein weiteres Problem.

In Deutschland sieht der Verein "massiven Nachholbedarf" an der bayerisch-tschechischen Grenze: Auf bayerischer Seite seien erst 32 Prozent der Naturflächen besonders geschützt, in Tschechien dagegen schon 94 Prozent, betonte Geidezis. Sie begrüßte eine von der bayerischen Staatsregierung angekündigte Machbarkeitsstudie zur Verbesserung des Natur- und Umweltschutzes in der Grenzregion in der Oberpfalz. "Damit wird eine zehn Jahre alte Forderung des BN umgesetzt."

Heimat für seltene Tierarten


In den ungestörten Grenzgebieten haben sich vielerlei Tierarten angesiedelt, die als bedroht gelten. So entdeckten Naturschützer dort etwa den Goldenen Scheckenfalter - der Schmetterling ist sonst nur noch in den Alpen zu finden. Auch tummeln sich im früheren Todesstreifen Fischotter, Schwarzstörche und Fischadler.

In Deutschland erstreckte sich der Eiserne Vorhang auf einer Länge von 1400 Kilometern von Hof in Oberfranken bis zur Ostsee. Rund 80 Prozent der Flächen in den alten deutschen Grenzgebieten sind heute geschützt. "Besonders hohe Naturschutzauflagen gelten aber erst für 30 Prozent", sagte Geidezis.
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