Risikogebiet Oberpfalz: Wie man sich vor Zecken schützen kann
Kleine Vampire vor der Haustüre

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Vermischtes
Bayern
15.06.2016
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Jetzt lauern sie wieder verstärkt auf menschliche Beute: Zecken. Nicht nur die Oberpfalz, nahezu ganz Bayern ist Zecken-Risikogebiet. Die kleinen Vampire können Krankheitserreger wie Viren, Bakterien und Einzeller übertragen. Dem Menschen werden vor allem zwei Krankheiten gefährlich – Borreliose und eine Form der Hirnhautentzündung, die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Panikmache ist allerdings fehl am Platz, nur 20 bis 30 Prozent der von einer befallenen Zecke gestochenen Menschen werden mit den Bakterien infiziert. Noch weniger erkranken daran.

Gefahr lauert in hohen Gräsern


Denoch können Vorsichtsmaßnahmen, besonders im Frühjahr und Sommer nicht schaden. Vor allem, wenn man sich häufig in Wäldern und Wiesen aufhält. Die Schildzecke, jene wichtigste und in Europa am weitesten verbreitete Zecke, kommt häufig dort vor, wo neben entsprechenden klimatischen Bedingungen wie hoher Luftfeuchtigkeit und geeigneten Temperaturen die Hauptwirte (Kleinsäuger wie Mäuse und Igel, Vögel, Reh- und Rotwild) anzutreffen sind. Dies sind vor allem Waldränder und Waldlichtungen mit hohen Gräsern, aber auch Laub- und Mischwälder sowie Parkanlagen und Gärten, die an ein Waldgebiet angrenzen.

Zecken mögen es warm


Zecken sind in Abhängigkeit von den Wetterverhältnissen von März bis Oktober, insbesondere im Frühling bis Frühsommer und im Herbst aktiv. Bei Temperaturen über zehn Grad ist Zeckenbefall jedoch das ganze Jahr über möglich, wobei die Blutsauger in der warmen Jahreszeit am Vormittag, am frühen Abend und nachts besonders aktiv sind.

Ein kurzer Kontakt genügt


Zum Blutsaugen bereite Zecken sitzen normalerweise reglos an der Spitze von Gräsern oder anderen Pflanzen, maximal in einer Höhe bis zu eineinhalb Metern. Aufgrund bestimmter Signale wie zum Beispiel Buttersäure im Schweiß erkennen sie, dass ein Wirt in der Nähe ist und werden aktiv. Dabei lassen sie sich nicht auf den Wirt fallen, sondern müssen von ihm abgestreift werden. Ein sehr kurzer Kontakt genügt, dass die Zecke auf den Wirt gelangen kann. Auf diesem sucht sie nach einem geeigneten Ort, um Blut zu saugen, was unter Umständen mehrere Stunden dauern kann. Bevorzugte Einstichstellen beim Menschen sind die behaarte Kopfhaut, Ohren, Hals-, Arm- und Kniebeugen, Leistenregion sowie Hände und Füße.

Zeckenspeichel betäubt Stichschmerz


Haben die Zecken einen geeigneten Ort zum Blutsaugen gefunden, schneiden sie die Haut mit ihren Mundwerkzeugen auf und verankern sich mit ihrem bezahnten Saugorgan in der Haut. Dabei stechen die Zecken nicht in ein Blutgefäß, sondern schaffen eine so genannte Wundhöhle, die Blut, Zellen und Gewebesaft enthält. Der Saugakt dauert je nach Zeckenstadium drei bis zwölf Tage. Dabei wird eine große Menge Zeckenspeichel produziert, der eine betäubende Wirkung besitzt, wodurch der Stich schmerzlos ist.

Impfung schützt vor FSME


Vor einer FSME-Erkrankung kann man sich durch Impfung schützen. Das ist auch deshalb wichtig, weil man eine FSME-Erkrankung nicht ursächlich durch Medikamente behandeln kann. Der durch drei Teilimpfungen aufgebaute Schutz hält drei bis fünf Jahre an und muss dann wieder durch eine Impfdosis aufgefrischt werden. Ein gewisser Impfschutz besteht bereits nach den ersten beiden Teilimpfungen, dieser muss aber durch die dritte Teilimpfung gefestigt werden. FSME-Viren können sofort nach Beginn des Blutsaugens übertragen werden. Das Entfernen einer Zecke bietet also keinen Schutz vor einer FSME. Das Risiko mit FSME infiziert zu werden, besteht bei etwa jedem 10.000 Zeckenbiss – mit Borreliose infiziert zu werden, bei jedem 300. Zeckenbiss. Laut Statistik der Krankenkassen gibt es rund 50.000 bis 70.000 Neuerkrankungen an Borreliose pro Jahr in Deutschland.

Antibiotika gegen Borrelieninfektion


Im Gegensatz zu FSME gibt es gegen die Borreliose keine Schutzimpfung. Deshalb ist es wichtig, eine Zecke rasch zu entfernen und die Einstichstelle noch für rund vier Wochen zu beobachten. Die Übertragungswahrscheinlichkeit für Borrelien nimmt mit zunehmender Dauer des Saugaktes zu. Zur Therapie der Borrelieninfektion werden verschiedene Antibiotika eingesetzt, die üblicherweise über einen Zeitraum von 14 bis 30 Tagen eingenommen werden. Je länger allerdings die Infektion zurückliegt, um so schwieriger ist die Therapie.

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Zeckengefahr – wie schützen?

Um die Gefahr eines Zeckenstiches so gering wie möglich zu halten, sollten beim Aufenthalt in der freien Natur Regeln befolgt werden:
• Wandern Sie auf breiten Wegen, nicht durch unwegsames Gelände oder Unterholz
• Tragen Sie geschlossene, möglichst helle Kleidung (lange Hose und langärmliges Hemd oder Jacke), eine Kopfbedeckung und geschlossene Schuhe
• Zecken lauern im Unterholz – deshalb: Die Socken sollten über die Hosenbeine gezogen werden, damit die Zecke nicht so leicht unter die Kleidung krabbeln kann
• Suchen Sie Ihren Körper nach einem Aufenthalt in der Natur immer nach Zecken ab. Dies sollte vor allem auch bei Kindern geschehen
• Insektenabweisende Mittel haben nur eine zeitlich begrenzte Wirkung

Zeckenstich – und jetzt?

Zecken sollten möglichst rasch entfernt werden, da mit zunehmender Saugdauer die Gefahr einer Übertragung von Erregern der Borreliose steigt. Die Zecken sollten dabei möglichst nahe an der Einstichstelle mit einer Pinzette oder den Fingernägeln durch vorsichtiges Ziehen entfernt werden. Ein Quetschen oder Zerdrücken der Zecke sollte unbedingt vermieden werden, da dadurch die Gefahr besteht, erregerhaltiges Material in die Stichwunde zu drücken. Die Verwendung von Öl, Klebstoffen, Nagellack oder Hitze sollte unterbleiben, da das eher nachteilige Wirkungen hat. Nach Entfernen der Zecke sollte die Stichstelle gründlich desinfiziert und noch einige Zeit beobachtet werden. Bei Auftreten irgendwelcher Veränderungen sollte man den Hausarzt konsultieren.Tritt ein Erythema migrans (kreisrunder Felck mit hellem Hof) auf, gilt dies als Infektionsbeweis und muss medizinisch behandelt werden. Diese Wanderröte tritt aber nur in 60 Prozent der Fälle auf. Seit 2013 gibt es in Bayern eine Meldepflicht der Borreliose an das Gesundheitsamt. Zecken können im Labor auf FSME und Borrelien untersucht werden, eine Laboruntersuchung ist allerdings erst nach einigen Wochen aussagefähig.
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