Schachecke
Herausforderer Sergej Karjakin

Vermischtes
Bayern
08.04.2016
7
0
 

Vor wenigen Tagen ging in Moskau das Kandidatenturnier des Schachweltverbandes "Fide" zu Ende. Gesucht wurde derjenige Spieler, der das Recht erhält, Ende des Jahres den amtierenden Schachweltmeister Magnus Carlsen herauszufordern. Acht Spieler der Weltspitze, alle mit einer Elozahl zwischen 2760 und 2800, hatten sich für dieses Event qualifiziert.

Es waren dies der Inder Viswanathan Anand (Verlierer der Schach-WM 2014), die beiden Russen Sergej Karjakin und Pjotr Swidler (die beiden Besten des Schach-Weltpokals 2015), die beiden Amerikaner Fabiano Caruana und Hikaru Nakamura (die beiden besten des "Fide-Grand-Prix 2014-2015), der Bulgare Wesselin Topalow und der Niederländer Anish Giri (die beiden nicht schon qualifizieren Spieler mit der besten Elo-Zahl 2015) und der Armenier Lewon Aronjan (vom Organisator nominierter Spieler mit Wertungszahl über 2725).

Die Spieler hatten ein doppeltes Rundenturnier zu bestreiten, das im Zentralen Telegrafenamt ausgetragen wurde. An Bedenkzeit standen jedem Spieler 100 Minuten für die ersten 40 Züge, 50 Minuten für die nächsten 20 Züge und 15 Minuten für den Rest der Partie sowie zusätzlich 30 Sekunden für jeden gespielten Zug zur Verfügung.

Den Sieg trug letztlich verdient der Russe Sergej Karjakin davon, der es auf 8,5 Punkte aus 14 Partien brachte. Recht nah heran kam noch einmal Viswanathan Anand, der Herausforderer der letzten beiden WM-Zyklen und mit 46 Jahren Turnieroldie, der mit 7,5 Punkten Dritter wurde. Karjakin hält übrigens noch immer einen Rekord: Im Alter von 12 Jahren und 7 Monaten wurde er jüngster Großmeister der Schachgeschichte.

Die Dramaturgie des Spielplans wollte es, dass die beiden Führenden, Sergej Karjakin und Fabiano Caruana, in der letzten Runde gegeneinander anzutreten hatten. Vor diesem Endspiel war klar, dass dessen Sieger den amtierenden Weltmeister Magnus Carlsen herausfordern darf.

Weiß: Sergej Karjakin (Elo 2760)

Schwarz: Fabiano Caruana (Elo 2794)

1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 d6 6.Lg5 e6 7.Dd2 a6 8.0-0-0 Ld7 9.f4 h6 10.Lh4 b5 11.Lxf6 gxf6 12.f5 Db6 13.fxe6 fxe6 14.Sxc6 Dxc6 15.Ld3 h5 16.Kb1 b4 17.Se2 Dc5 18.Thf1 Lh6 19.De1 a5 20.b3 Tg8 21.g3 Ke7 22.Lc4 Le3 23.Tf3 Tg4 24.Df1 Tf8 25.Sf4 Lxf4 26.Txf4 a4 27.bxa4 Lxa4 28.Dd3 Lc6 29.Lb3 Tg5 30.e5 Txe5 31.Tc4 Td5 32.De2 Db6 33.Th4 Te5 34.Dd3 Lg2 35.Td4 d5 36.Dd2 Te4 37.Txd5!! exd5 38.Dxd5 Dc7 39.Df5 Tf7 40.Lxf7 De5 41.Td7+ Kf8 42.Td8+ 1-0

Tagesnotizen: Die Taktikaufgabe Nr. 119a stammt aus einer Partie, die der amerikanische Super-GM Hikaru Nakamura beim diesjährigen Gibraltar-Masters gegen den in London lebenden ungarischen GM Tamas Fodor spielte. Weiß hatte gerade mit 1.Sd6 den Turm c8 und den Bauern c4 doppelt angegriffen, dies in der Erwartung, den zwischenzeitlich verlorenen Bauern zurückzugewinnen. Dabei hatte er jedoch die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Sehen Sie, wie Schwarz am Zug auf die Gewinnstraße kommt?

Mit dem Dreizüger in Aufgabe Nr. 119b präsentiert uns der oberbayerische Problemschachkomponist Werner Höller abermals eine sehenswerte Miniatur. Zwar ist das Figurenmaterial überschaubar, doch hat der Autor die Lösungsfindung insofern erschwert, als er einige Verführungen eingebaut hat. Erkennen Sie den rechten Weg, um den schwarzen König in drei Zügen matt zu setzen?

Lösungen: Zum Andenken an den Begründer der modernen Schachkomposition Alexei Troizki boten wir eine seiner Endspielstudien (W: Kg6, Sb4, Sg7, Be2, f2 [5], S: Ke4, Dc7, Bd4, e6 [4]) als Aufgabe Nr. 118a mit der Forderung "Weiß zieht und gewinnt" zum Lösen an.

Eigentlich sollte es die Dame ohne weiteres mit den beiden Springern aufnehmen. Doch dass Weiß den Sieg perfekt macht und dies mit nur einem Zug, ist schon mehr als verblüffend. 1.Se8! gewinnt. Schwarz kann den Verlust seiner Dame nicht verhindern, wohin sie auch zieht. Zwar verfügt diese über 24 Felder. Auf acht Felder darf sie nicht ziehen (beziehungsweise dort nicht stehen bleiben), da sie sofort geschlagen würde: Diese sind die Felder c2, c6, c7, d6, f7, g3, g7 und h7.

Auf den Feldern b7, c4, d7 und c8 geht sie wegen den Springergabeln auf d6 oder f6 verloren. Auf den Feldern a5, a7, b6, b8, c1, c5, d8, e7, f4 und h2 führt nach 2.Sf6+! der erzwungene Zug 2...Ke5 (2...Kf4? 3.Sd3#) zum Damenverlust. Geht die Dame nach e5, so folgt 2.Sf6+ Kf4 3.Sd3#.

Noch am besten geschieht 1...Dc3, doch auch danach gibt es für die Dame keine Rettung: 2.Sf6+ Ke5 3.Sd3+ Kd6 4.Se4+ oder 2...Kf4 3.Sd3+ Dxd3 4.exd3, beides mit Gewinn für Weiß.

Eine gigantische Studie, die die gewaltige Springerpower einerseits und zum anderen die nicht für möglich gehaltene Ohnmacht der Dame demonstriert!

In dem Dreizüger der Aufgabe Nr. 118b aus eigener Werkstatt (W: Kf5, Df1, La2, La7, Sd4, Ba3, b2, c3, e2, e5, f4 [11], S: Kc5, Sb6, Ba4, b7, c6, e4 [6]) hatte der Osterhase ein Osterei in Form eines Schlüsselzuges ins Nest gelegt. Sicher haben Sie erkannt, wohin er es versteckt hat.

Doch zunächst analysieren wir die Ausgangsstellung. Schwarz hat nur einen Zug mit dem e-Bauern, dann steht er auf Patt. Der schwarze König kann sich nicht bewegen. Dennoch scheint es nicht einfach, an ihn heranzukommen. 1.e3? mit der Idee des Fesselmatts 2.Dc4# scheitert an Patt und 1.b4+? an 1...axb3 i.V.. Für die Lösung muss der Zugzwang zu Hilfe kommen. Es löst die Hinterstellung 1.Da1! , mit der Zugzwang eintritt. Von Feld a1 aus kontrolliert die Dame indirekt die Felder auf der Diagonale a1/h8.

Nach dem erzwungenen 1...e3 steht Schwarz auf Patt. Die Pattstellung hebt Weiß mit dem Hineinziehungsopfer 2.c4 auf. Nach dem abermals erzwungenen 2...Kxd4 setzt der Doppelschritt 3.b4# den Schlusspunkt, nachdem der zweite weiße Zug den schwarzen König in die Dame/Bauer-Batterie auf der Diagonale a1/h8 gezwungen hatte.

Auf Feld a1 also, ins linke untere Bretteck, hatte der Osterhase das Osterei versteckt!
Weitere Beiträge zu den Themen: Schach (66)Schachecke (4)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.