Schütze tötet neun Menschen und sich selbst
Schießerei in Einkaufszentrum in München - Aktualisierung

Vermischtes
Bayern
22.07.2016
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      München: Olympia-EInkaufszentrum |

Gegen 1.30 Uhr gibt die Münchner Polizei per Twitter "vorsichtige Entwarnung" nach den Schüssen im Olympia-Einkaufszentrum (OEZ). Eine Stunde später vermeldet Münchens Polizeipräsident, es waren wohl doch nicht drei, sondern nur ein Täter - und der ist tot. Sein Amoklauf kostete aber auch neun Unschuldigen das Leben.

Nach einem Abend der Angst zog Polizeipräsident Hubertus Andrä gegen 2.30 Uhr Bilanz: Zehn Menschen sind tot, darunter der mutmaßliche Attentäter. Bei ihm soll es sich um einen 18-jährigen Deutsch-Iraner handeln. Der Mann habe schon seit "mehr als zwei Jahren" in München gelebt, war der Polizei bisher nicht bekannt.

Er soll kurz vor 18 Uhr das Feuer in einer McDonalds-Filiale eröffnet haben, danach schoss er auf der Straße um sich, schließlich in dem Einkaufszentrum. Dort starben auch die Opfer. Zudem soll der Mann 21 Menschen verletzt haben, davon 3 schwer, 13 Leichtverletzte werden ebenfalls noch in Krankenhäusern behandelt. Der Täter beging laut Andrä Suizid. Sonst machte der Polizeichef zu dem Mann oder dessen Motiven keine Angaben. "Die Ermittlungen stehen am Anfang".

Dass die Polizei den ganzen Abend von "mindestens drei Tätern" ausging, lag laut Andrä an mehreren Augenzeugen. Diese hatten zwei Personen beschrieben, die in einem Auto sehr schnell vom Tatort wegfuhren. Laut Andrä sind diese beiden Menschen der Polizei inzwischen bekannt, mit der Tat habe das Duo jedoch nichts zu tun.

Der Anschlag hatte am Freitagabend die Landeshauptstadt stillstehen lassen. Die Polizei warnte vor einer «akuten Terrorlage». Drei Männer mit «Langwaffen» seien auf der Flucht. Die Stadt rief den «Sonderfall» wegen einer «Amoklage» aus. In Teilen der Stadt herrschte Panik.

Polizei informiert über Twitter


Die Polizei twitterte: «Meiden Sie öffentliche Plätze in München.» Auch die U-Bahn solle gemieden werden. Außerdem forderte die Polizei die Anwohner über den Kurznachrichtendienst auf, ihre Wohnungen nicht zu verlassen und vom Tatort fernzubleiben. Der U-Bahn-Verkehr wurde eingestellt.

Auch in der Münchner Innenstadt gab es einen Großeinsatz der Polizei, nachdem dort Menschen schreiend und in Panik geflohen waren. Dies stellte sich laut Polizei jedoch als Fehlalarm heraus.Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) machte sich auf den Weg in die Landeshauptstadt.

Hubschrauber über der Stadt


Von überall in der Stadt eilten Polizisten zu dem Einkaufszentrum. Vor dem OEZ waren zahlreiche Einsatzfahrzeuge der Polizei und auch ein Krankenwagen zu sehen. Die Gegend war abgeriegelt. Über der ganzen Stadt kreisten Hubschrauber.

Die Polizei forderte die Anti-Terror-Einheit GSG 9 des Bundes und Spezialeinheiten aus mehreren anderen Bundesländern an. In Teilen der Stadt herrschte Panik.

Die Polizei fand etwa einen Kilometer vom Einkaufszentrum entfernt einen neunten Toten. Die Ermittler prüfen, ob es sich um einen Täter handelt. Der Mann sei durch Gewalteinwirkung gestorben, hieß es.

Die Schießerei begann nach Angaben der Polizei bei einem Schnellrestaurant am Olympia-Einkaufszentrum. Es sei um 17.52 Uhr losgegangen, sagte Thomas Baumann, stellvertretender Sprecher des Polizeipräsidiums, am Freitag.

Das Olympia-Einkaufszentrum liegt mitten in einem Wohngebiet, zwei U-Bahn-Stationen vom Olympiastadion entfernt. Mit 135 Geschäften ist es eine der größten Shopping-Meilen in München.

Die Polizei rief dazu auf, keine Bilder vom Tatort zu veröffentlichen. «Bitte keine Fotos/Filme von polizeilichen Maßnahmen online stellen. Unterstützt nicht die Täter!», twitterte sie.

Hauptbahnhof evakuiert - «Sonderfall» ausgerufen


Nach den Schüssen ist auch der Hauptbahnhof in München evakuiert worden. Die Räumung erfolge wegen eines Polizeieinsatzes, teilte die Deutsche Bahn mit. «Der Zugverkehr wurde komplett eingestellt.» Die Züge aus allen Richtungen würden vorzeitig an Bahnhöfen im Umland gestoppt.

Die Landeshauptstadt hat den «Sonderfall» wegen einer «Amoklage» ausgerufen. Die Bürger wurden über das Smartphone-Warnsystem Katwarn aufgefordert, ihre Wohnungen nicht zu verlassen. «Zu Ihrer Sicherheit Plätze & Straßen meiden; Täter flüchtig; Bahn & Busverkehr eingestellt; Radio und Fernseher einschalten», hieß es in der Mitteilung des behördlichen Warnsystems.

Die Berliner Polizei hat sich mittlerweile solidarisch mit ihren Kollegen in München gezeigt. «Ihr macht einen super Job! Passt gut auf euch auf», twitterte die Polizei der Hauptstadt am Abend.






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Safety CheckSeit etwa 19.30 gibt es bei Facebook den Safety Check für München. Dort können Nutzer Freunde im Gefahrengebiet markieren, sich nach ihrem Zustand erkundigen und als „In Sicherheit“ markieren, wenn es ihnen gut geht.

Zudem twitterten etliche Bewohner der Stadt den Hashtag #OffeneTür im Kurznachrichtendienst Twitter, um Menschen in München Unterschlupf zu gewähren oder zu suchen.

Stimmen von Betroffenen aus der Region


Katharina Gerner (27, aus Pfaffenreuth/Marktredwitz) arbeitet bei einer Werbeagentur in München nahe des Sendlinger Tors: "Ganz schrecklich. Wir sind in unserer Firma eingeschlossen und dürfen nicht raus, das ist vermutlich auch sicherer. Alle meine Kollegen haben Angst, auch um ihre Angehörigen, von denen sie noch nichts gehört haben."

Manfred Ließ (26, aus Neusorg) arbeitet bei der Deutschen Post in München und wohnt in Untergießing: "Zum Zeitpunkt als es passiert ist, war ich in den Pasinger Arcaden. Ich bin mit dem Fahrrad in meine Wohnung gefahren und mir fielen sofort die wahnsinnig vielen Polizeifahrzeuge auf, die aus allen Richtungen (auch in Zivil) in Richtung des Olympiageländes gefahren sind. Als ich zu Hause angekommen bin, habe ich das Ausmaß im Fernsehen gesehen. Seit zwei Stunden höre ich permanent Sirenen und Hubschrauber fliegen regelmäßig über das Viertel. Passanten sehe ich derzeit keine auf den Straßen. Für mich persönlich ist das gerade schockierend und unbegreiflich. Muss sagen, dass ich mich ein Stück weit unsicher fühle, da die Täter noch auf der Flucht sind. Ich werde die Wohnung ganz sicher nicht mehr. Die Stimmung vor Ort nehme ich als ängstlich und unsicher auf. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich keine Menschenseele."

Julia Lindner (30, aus Fuchsmühl) arbeitet bei BMW:"Ich war zum Glück frühzeitig zu Hause, ich wohne im Nordosten Münchens, und habe die Geschehnisse nur über die Nachrichten und Facebook mitverfolgt. Es ist wirklich schockierend, weil man sich in München immer so sicher wähnt. Ich werde mir den Abend dennoch nicht ganz verderben lassen und zu einer privaten Abschiedsfeier in die Innenstadt fahren. Wirklich große Feierstimmung wird wohl nicht aufkommen."

Tollwood abgebrochenAuf der Internetseite meldet der Veranstalter, dass das Festival-Gelände im Olympiapark evakuiert wurde. "Um auch hier Panik zu vermeiden, wurde das Publikum über die Lage informiert."
Alexander Ließ (29, aus Neusorg) arbeitet in einer Druckerei in München und wohnt bei der Donnersberger Brücke: "Ich habe gerade Freunde vom Tollwood-Festival abgeholt. Dort spielte Mark Forster, er hat sich entschieden, das Konzert zu starten und auch durchzuziehen, nachdem kommuniziert wurde, dass alle auf dem Gelände "safe" wären. Aber immer mehr Menschen haben dann das Gelände verlassen. Nicht allen war sofort klar, dass es sich um eine reelle Bedrohung handelt und dachten zunächst an einen schlechten Scherz. Die Lage ist sehr angespannt, es sind kaum Autos auf den Straßen. Wir sind alle sehr verunsichert, weil die Täter ja noch irgendwo in München unterwegs sind. Deswegen gehen wir heute auch nicht mehr raus."

Linktipps:


Eine Stadt in Todesangst
Ein Minutenprotokoll
Kommentar von Frank Werner zu den Schüssen von München
Dann bin ich losgerannt“

Telefon-Hotlines für AngehörigeDie Münchner Uni-Klinik Großhadern hat nach dem Anschlag in der Landeshauptstadt eine Hotline für Angehörige freigeschaltet. Die Nummern lauten 089 4400-15555 und 089 4400-15556.

Zudem können sich besorgte Menschen noch bei der zentralen Auskunfts-
und Vermisstenstelle für Angehörige unter der Nummer 0800 7766350 informieren. Diese wird unter anderem von der bayerischen Polizei betrieben.

Sein Haus allein halte 16 Intensivbetten und vier Operationssäle bereit, sagte ein Sprecher des Klinikums Großhadern der Deutschen Presse-Agentur am Freitagabend. Bislang seien weniger als fünf bei dem Anschlag Verletzte in diese Klinik gebracht worden. Zu der Schwere der Verletzungen machte der Sprecher keine Angaben.


Was wir wissen und was nicht


Was wir wissen:

  • Am Freitagabend gab es am Olympia-Einkaufszentrum in München bei Schüssen Verletzte und womöglich auch Tote. Nach Angaben der Polizei wurde an einem Schnellrestaurant geschossen.

  • Die Münchner Polizei spricht von einer «akuten Terrorlage» in der Stadt.

  • DieTäter sind nach Angaben der Polizei mit «Langwaffen» auf der Flucht.

  • Die Bürger wurden über das Smartphone-Warnsystem Katwarn aufgefordert, ihre Wohnungen nicht zu verlassen: «Zu Ihrer Sicherheit Plätze & Straßen meiden; Täter flüchtig; Bahn & Busverkehr eingestellt; Radio und Fernseher einschalten». Auch sollten keine Menschen aus dem Umland mehr in die bayerische Landeshauptstadt fahren.

  • Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) setzten ein Krisentreffen in der Staatskanzlei in München an.

  • Ärzte und Schwestern wurden zu Münchner Krankenhäusern gerufen. «Es wurde der Alarm Massenanfall Verletzte ausgelöst», sagte der Sprecher des Universitäts-Klinikums Großhadern, Philipp Kressirer. Das sei vor allem zur Vorsorge geschehen.



Was wir nicht wissen:

  • Die Zahl der Opfer war zunächst völlig unklar. Die Polizei konnte zunächst keine konkreten Angaben machen, wie viele Menschen verletzt wurden. Auch genaue Angaben zu Todesopfern machte sie nicht.

  • Auch die Hintergründe der Tat waren zunächst nicht bekannt, Sicherheitskreise schließen einen Terroranschlag nicht aus.

  • Wo sich die Täter aufhalten, war völlig unklar.


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