Todesschuss auf Elfjährige
Genervter Anwohner in Untersuchungshaft

Grablichter und Kerzen stehen in der Nähe des Ortes, an dem in der Silvesternacht ein elfjähriges Mädchen durch einen Kopfschuss getötet worden war. Bild: dpa
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Bayern
12.01.2016
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Endlich Gewissheit: Nach den tödlichen Schüssen auf eine Elfjährige in Unterfranken sitzt der mutmaßliche Schütze in Untersuchungshaft. Seine Erklärung für die Tat macht fassungslos.

Oberaurach. (dpa) Aus Ärger über die Silvesterböllerei und aus persönlichem Frust soll ein Anwohner in der Neujahrsnacht eine Elfjährige in Unterfranken erschossen haben. Bei dem Mann handele es sich um einen Bewohner von Unterschleichach, dem Ortsteil von Oberaurach, in dem das Kind erschossen wurde, sagte der Bamberger Oberstaatsanwalt Erik Ohlenschlager am Mittwoch. Gegen den Ex-Sportschützen wurde Haftbefehl wegen Mordes erlassen, er sitzt nun in Untersuchungshaft.

Der Mann habe eingeräumt, in der Silvesternacht auf eine Menschengruppe geschossen zu haben. Eine Tötungsabsicht habe er zwar bestritten. Die Staatsanwaltschaft gehe aber dennoch davon aus, «dass der Beschuldigte bewusst in Richtung der Personengruppe geschossen hat», sagte Ohlenschlager.
Der Beschuldigte wohnt nur wenige Meter vom Tatort entfernt. Er sei in der Silvesternacht allein in seinem Haus und aufgrund einer Trennung von seiner Familie psychisch angeschlagen gewesen. Weil er gegen 1 Uhr durch Böller aufgeweckt worden sei, habe er «aus Wut und Ärger über diese Störung und Ärger über seine persönliche Situation» aus seinem Keller eine seiner Kleinkaliberwaffen geholt und aus dem Garten heraus drei- bis viermal in Richtung einer Menschengruppe geschossen. Dabei traf er das elfjährige Mädchen, das kurze Zeit später starb.

Bereits am 1. Januar stellte die Polizei in dem etwa 450 Einwohner zählenden Ort rund 60 Kleinkaliberwaffen sicher und überprüfte alle Waffenbesitzer in der Nähe des Tatorts. Bei seinen Vernehmungen - damals noch als Zeuge - machte der Mann dann Angaben, die sich später durch andere Zeugenaussagen als falsch herausstellten.

«Dass seine Angaben in wesentlichen Dingen nicht stimmten, hat den Fokus auf ihn gelegt», sagte Ohlenschlager. Außerdem passe eine seiner Waffen zu einem gefundenen Projektil. Der Mann habe auch angegeben, mit dieser Waffe in der Silvesternacht geschossen zu haben. Das Ergebnis der ballistischen Untersuchung der Waffe steht noch aus.

Der nicht verheiratete Vater eines Kindes habe sich nicht selbst gestellt, sondern sei an seinem Arbeitsplatz festgenommen worden, betonte Ohlenschlager. «Er stand deutlich unter psychischem Druck und war sichtlich erleichtert, dass man ihm auf die Spur kam», sagte Oberstaatsanwalt Christopher Rosenbusch. Wegen seiner psychischen Probleme sei der Mann seit längerem in Behandlung gewesen. Betrunken war er nach eigener Aussage zur Tatzeit nicht.

Der 53-Jährige sei Kraftfahrer in der Justizvollzugsanstalt im oberfränkischen Ebrach (Landkreis Bamberg) und habe die Waffe aufgrund einer früheren Mitgliedschaft im Schützenverein legal besessen, sagte Ohlenschlager. Insgesamt habe er vier Waffen besessen, zwei davon Kleinkaliberwaffen.
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