Zähneknirschen im Schlaf
Vom nächtlichen Sägewerk im Mund

(Foto: Fotolia)
Vermischtes
Bayern
20.01.2016
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Es will einfach keine Ruhe einkehren: Der liebe Partner neben einem schnarcht zwar nicht, dafür knirscht und knirscht er unaufhörlich mit seinen Zähnen – während die bessere Hälfte vermeintlich erholsam schläft, kann man selbst kein Auge zumachen. Bruxismus heißt der medizinische Fachausdruck für Zähneknirschen. Eine alles andere als harmlose Angelegenheit.

Fast jeder Fünfte knirscht nachts mit den Zähnen und schleift durch das immerwährende Malmen sein Gebiss ab, außerdem werden die Kiefergelenke stark überlastet. Neben der Schädigung der Zähne kann Bruxismus auch zu Schmerzen in Kopf und Rücken führen. Wie so oft ist auch beim nächtlichen Zähneknirschen mitunter Stress ein möglicher Auslösefaktor. Das Malmen mit den Zähnen sollte alles andere als verharmlost werden, denn beim Zähneknirschen kommt es nicht selten zu einem Druck von bis zu 150 Kilogramm, der aufgebaut wird. Ein Druck, dem weder Zähne, Kiefergelenke noch Muskeln auf Dauer ohne Schäden standhalten können. Sogar harter Zahnschmelz kann in Mitleidenschaft gezogen werden.

Die gute Nachricht: Zähneknirschen lässt sich für einen Zahnarzt relativ leicht diagnostizieren, denn die fein geschmirgelten Flächen glänzen viel stärker als der Rest des Zahns. Betroffene selbst können auch Warnhinweise erkennen. Wenn die Zähne beispielsweise sehr sensibel auf Heißes, Kaltes, Süßes oder Saures reagieren, kann das die Folge von dauerhaftem Zähneknirschen sein, dann nämlich, wenn der Schmelz komplett abgerieben worden ist. Feinste Nerven-Enden im Zahnbein leiten den Reiz folglich unmittelbar an den Zahnnerv im Inneren des Zahns weiter, der wiederum mit einem Schmerz-Signal reagiert.

Wer tagsüber unter Kopf- oder Rückenschmerzen leidet, hat selten nächtliches Zähneknirschen auf seiner Ursachenliste. Dennoch lohnt sich ein genauer Blick, denn wenn über mehrere Stunden die Kaumuskeln angespannt sind, können sich auch die Muskeln im Nacken und in der Schulter verhärten. Mit der Folge von Schmerzen in diesen Bereichen.

Gegen Bruxismus kann Einiges getan werden. Zunächst ist es wichtig, rechtzeitig auf die Problematik des Zähneknirschens aufmerksam zu werden. Eine sogenannte Aufbiss-Schiene kann dann Hilfe leisten – dabei handelt es sich um einen durchsichtigen Überzug aus Kunststoff, der entweder industriell vorgefertigt ist oder vom Zahnarzt individuell angepasst wird. Das Prinzip ist denkbar einfach: Die Schiene wird nachts über die Zähne gelegt, der Druck verringert sich, die Kieferbewegungen somit gebremst – bedingt durch den Widerstand, den die Schiene ausübt.

Der Nachteil an einer Aufbiss-Schiene: zum Abgewöhnen eignet sich die Konstruktion nicht. Viele Mediziner und Wissenschaftler gehen inzwischen davon aus, dass das Zähneknirschen psychische beziehungsweise stressrelevante Ursachen hat. Entsprechend sind Entspannungsmethoden wie Biofeedback und Autogenes Training von nachhaltigem Erfolg. Untersuchungen von Probanden haben belegt, dass nach rund zwölf Wochen mit Entspannungsübungen das Knirschen weniger geworden oder ganz ausgeblieben ist.