Arbeitsmarkt weiter robust

Wirtschaft BY
Bayern
02.05.2015
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Es war ein vielversprechender Start ins neue Jahr - der Arbeitsmarkt präsentierte sich im ersten Quartal 2015 in glänzender Verfassung. Im Laufe des Jahres könnte er aber an Schwung verlieren, fürchten einige Ökonomen. Die Bundesagentur für Arbeit bleibt dennoch optimistisch.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) rechnet trotz erster skeptischer Stimmen weiterhin mit einem robusten Arbeitsmarkt in diesem Jahr. Er gehe gemäß der geltenden Jahresprognose von einem Rückgang der Erwerbslosen um 110 000 im Jahresschnitt 2015 aus, bestätigte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise am Donnerstag in Nürnberg. "Wenn wir die Entwicklung in den kommenden Monaten durchhalten, werden wir das Ziel erreichen." Bankenvolkswirte erwarten dagegen - auch als Folge des Mindestlohns - eine Abschwächung der bisherigen Dynamik.

Im April war die Zahl der Arbeitslosen um 89 000 auf 2,843 Millionen gesunken. Niedriger hatte die Erwerbslosigkeit in dem Frühjahrsmonat zuletzt im Jahr 1991 gelegen. Die Arbeitslosenquote ging um 0,3 Punkte auf 6,5 Prozent zurück. Im Vergleich zum Vorjahr gab es im April rund 100 000 Arbeitslose weniger, wie die BA berichtete.

Rückgang auch in Bayern

In Bayern sank die Zahl der Arbeitslosen im April um 7,7 Prozent auf 256 600. Die Arbeitslosenquote ging im Vergleich zum März 2015 um 0,3 Punkte auf 3,7 Prozent zurück. Im Jahresvergleich sank die Quote um 0,1 Punkte. "Der Frühjahrsaufschwung setzt sich am bayerischen Arbeitsmarkt erfreulicherweise fort", sagte Markus Schmitz, Chef der Regionaldirektion der BA.

Weise machte für die gute Entwicklung neben dem Frühjahrsaufschwung vor allem den anhaltenden konjunkturellen Schub verantwortlich. Konjunkturforscher rechnen für dieses Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von bis zu zwei Prozent. Dadurch entstünden in vier Fünftel aller Branchen neue Arbeitsplätze. "Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und die gemeldeten Stellen entwickeln sich weiterhin positiv", stellte Weise fest.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sieht den Arbeitsmarkt in Topform und hat erneut den Mindestlohn verteidigt. "Wir setzen alles daran, die Beschäftigung hoch zu halten. Und entgegen aller Schwarzmalerei, der Mindestlohn würde Arbeitsplätze vernichten, ergibt sich ein anderes Bild", teilte Nahles in Berlin mit.

Weniger Minijobs

Auch die BA verzeichnet beim Mindestlohn nach Angaben ihres Vorstandsmitglieds Heinrich Alt bislang noch keine spürbaren Auswirkungen. Zwar sei eine erste Bilanz frühestens im zweiten Halbjahr möglich. Die steigende Zahl sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze deute bislang aber nicht darauf hin, dass wegen des Mindestlohnes Arbeitsplätze verloren gegangen seien. Einen "etwas stärkeren Rückgang" habe es lediglich bei Minijobs gegeben, räumte Alt ein. Daraus zu schließen, dass die geringfügig bezahlten Jobs wegen des Mindestlohns weggefallen seien, halte er für vorschnell.

Ihren Optimismus begründet die BA-Spitze auch mit dem nahezu ungebremsten Zuwachs bei den Arbeitsplätzen. Allein in diesem Jahr rechnet die Bundesagentur mit rund 350 000 neuen Stellen - vor allem im Gesundheits- und Sozialbereich.

Nach den jüngsten verfügbaren Daten vom März legte die Zahl der Erwerbstätigen um 10 000 auf 42,47 Millionen zu - im Vergleich zum Vorjahresmonat ist dies ein Plus von 235 000. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stieg um 65 000 auf 30,32 Millionen. Damit legte die Zahl der regulär Beschäftigten binnen Jahresfrist um 533 000 zu (Stand Februar). Die stark gesunkenen Arbeitslosenzahlen machen sich inzwischen auch in der BA-Kasse positiv bemerkbar. Sollte sich die Entwicklung fortsetzen, dürfte das Finanzloch in diesem Jahr deutlich geringer ausfallen als ursprünglich erwartet. Bis Ende April verzeichnete die BA nur noch ein Minus von 480 Millionen Euro statt der zu diesem Zeitpunkt eingeplanten 1,59 Milliarden Euro. Einer der Gründe sind Einsparungen von rund 500 Millionen Euro bei den Ausgaben für die Aus- und Fortbildungen von Arbeitslosen.

Spanien und Griechenland

Die Euro-Länder kommen allerdings im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit nur langsam voran. Im März lag die Arbeitslosenquote wie schon im Vormonat bei 11,3 Prozent. Das teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg am Donnerstag mit. Insgesamt hatten in den 19 Ländern mit der Gemeinschaftswährung knapp 18,11 Millionen Männer und Frauen keinen Job. Besonders betroffen waren Spanien (23,0 Prozent) und Griechenland (25,7 Prozent im Januar), am besten stand Deutschland da (4,7 Prozent). Die Bundesagentur für Arbeit meldete eine Quote von 6,8 Prozent, allerdings unterscheiden sich die Rechenmethoden der BA und Eurostat.

Seit Jahresbeginn hat sich die Arbeitslosenquote in der Euro-Zone nicht mehr verändert. Nur auf längere Sicht verbesserte sich die Situation. Die Quote sank im Vergleich zum März 2014 um 0,4 Prozentpunkte. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich, wenn man alle 28 Staaten der Europäischen Union betrachtet: Die Quote lag dort im März mit 9,8 Prozent um 0,6 Punkte niedriger als im Vorjahresmonat. Über ein Jahr gesehen, ging die Arbeitslosenquote in 22 EU-Ländern zurück.
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