Arbeitsmarktdaten für August 2016
Allzeithoch bei Beschäftigung

Wirtschaft BY
Bayern
01.09.2016
49
0

Immer mehr Flüchtlinge suchen in Bayern einen Job. Trotzdem verzeichnet der Freistaat die niedrigste August-Arbeitslosenquote seit fast 20 Jahren. Denn die Beschäftigung erreicht ein neues Allzeithoch.

Nürnberg. Trotz zunehmender Flüchtlings-Arbeitslosigkeit und Sommerpause hat die Arbeitslosenquote in Bayern ein Rekordtief für einen August erreicht. Mit 3,5 Prozent registrierte die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit den niedrigsten je in diesem Monat gemessenen Wert seit dem Jahr 1997, wie die Behörde am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Im Vergleich zum Juli stieg die Quote zwar um 0,2 Punkte, im Vorjahresvergleich sank sie aber um 0,1 Zähler. Die Zahl der Jobsucher im Freistaat stieg auf knapp 250 000.

Saisonüblicher Anstieg


Das waren etwa 13 000 Erwerbslose mehr als im Juli, aber fast 4000 weniger als im Vorjahr. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat sei saisonüblich, sagte der Chef der Regionaldirektion, Markus Schmitz: "Dies ist vorwiegend durch den Anstieg der jungen Menschen begründet, die sich nach der Schulzeit oder der Ausbildung arbeitslos melden." Er sah daher "klare Signale für einen starken Arbeitsmarkt im August". Davon profitieren auch Langzeitarbeitslose.

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit falle im Vergleich zum Juli etwas stärker aus als in den beiden Vorjahren, sagte Schmitz. Ursache dafür sei die zunehmende Zahl von Flüchtlingen, die allmählich auf dem Arbeitsmarkt ankommen. Knapp 15 900 Flüchtlinge sind aktuell arbeitslos gemeldet. Das sind etwa 1400 mehr als im Juli. Der Großteil der Geflüchteten absolviert derzeit jedoch noch Integrationskurse oder eine Ausbildung. Dies sind aktuell etwa 28 000 Menschen, die damit als arbeitssuchend gelten.

Mit Hilfe eines speziellen Arbeitsmarktprogramms für Geflüchtete, das Regionaldirektion, Staatsregierung und Wirtschaft ins Leben gerufen haben, wurden seit Dezember 17 000 anerkannte Flüchtlinge, Asylbewerber und Geduldete in Arbeit gebracht. Hinzu kommen etwa 3000 Ausbildungen und rund 9000 Praktika. Ziel waren bis zum Jahresende 20 000 Geflüchtete zu vermitteln.

Da die Regionaldirektion Ausbildungen und Praktika nicht mitzählt, sieht sie inzwischen "85 Prozent des Paktziels erreicht". Für Alfred Gaffal ist das Ziel dagegen "bereits jetzt deutlich übertroffen".

Der Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft rechnet bis zum Jahresende mit mehr als 35 000 Geflüchteten, die in Praktika, Ausbildung oder Arbeit gebracht werden. Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres sind noch knapp 11 000 junge Menschen in Bayern auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Gleichzeitig sind noch rund 27 000 Lehrstellen unbesetzt. Erfahrungsgemäß herrsche aber noch bis in den Herbst hinein viel Bewegung auf dem Ausbildungsmarkt, sagte Schmitz.

Firmen einstellungsbereit


Die Zahl der Menschen mit regulärem Job erreichte ein neues Allzeithoch: Im Juni waren demnach 5,3 Millionen Menschen in Bayern sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Und die Firmen suchen weiter nach Mitarbeitern: Mehr als 34 000 offene Stellen wurden im August neu gemeldet. "Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen ist in Bayern weiterhin sehr hoch", sagte Schmitz. Der Bestand erreichte mit mehr als 110 000 Stellen im August einen Höchstwert.

Niedrigste Arbeitslosigkeit in der OberpfalzDie Arbeitslosenquoten sind im August in allen bayerischen Regierungsbezirken im Vergleich zum Vormonat gestiegen. Zum Vorjahr verbesserte sich die Situation dagegen in den meisten Regionen. Nur in Niederbayern und Unterfranken nahm die Quote um je 0,1 Punkte zu. Die Ursache ist nach Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit die zunehmende Zahl von Flüchtlingen auf Jobsuche.

An der Spitze der Bezirke stand im August mit einer Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent erneut die Oberpfalz. Die beste Entwicklung zeige sich jedoch erneut bei den Schlusslichtern: Oberfranken verbesserte sich zum Vorjahr um 0,2 Punkte auf 3,8 Prozent. Mittelfranken verzeichnete im August eine Quote von 4,2 Prozent - 0,3 Punkte weniger als im Vorjahr. (Die Quoten beziehen sich auf alle zivilen Erwerbspersonen)

Oberpfalz: 19 479, 3,1 Prozent (August 2015: 3,2 Prozent)

Oberbayern: 84 663, 3,3 Prozent (August 2015: 3,4 Prozent)

Niederbayern: 21 899, 3,2 Prozent (August 2015: 3,1 Prozent)

Oberfranken: 22 575, 3,8 Prozent (August 2015: 4,0 Prozent)

Mittelfranken: 41 521, 4,2 Prozent (August 2015: 4,5 Prozent)

Unterfranken: 25 697, 3,5 Prozent (August 2015: 3,4 Prozent)

Schwaben: 33 699, 3,3 Prozent (August 2015: 3,4 Prozent)

Bayern gesamt: 249 533 3,5 Prozent (August 2015: 3,6 Prozent) (dpa)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.