Bloß noch die "Schwarze Null"

Bausparen ist gefragt wie nie.
Wirtschaft BY
Bayern
08.12.2015
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Die Landesbausparkasse LBS wird heuer einen neuen Rekord bei den Vertragsabschlüssen erzielen - aber kaum noch Geld verdienen. Ursache für diese paradoxe Entwicklung ist die Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Diese Politik sorgt auf der einen Seite dafür, dass sich immer mehr Bausparer die aktuell niedrigen Darlehenszinsen für die kommenden Jahre sichern. Auf der anderen Seite kann die LBS das viele eingesammelte Geld nicht gewinnbringend anlegen. Zudem nehmen die Inhaber von Altverträgen zuteilungsreife Darlehen nur noch selten in Anspruch, weil die dafür vor Jahren vereinbarten Zinsen im heutigen Marktumfeld unattraktiv sind.

In Zahlen drückt sich das für die LBS so aus: Nach Angaben ihres Vorstandschefs Franz Wirnhier wird die Bausparkasse heuer voraussichtlich Neuverträge im Rekordwert von 8,7 Milliarden Euro verkaufen. "Bausparen ist gefragt wie nie", urteilte Wirnhier. Gleichzeitig wird die Summe der ausgezahlten Bauspardarlehen bei nur noch 290 Millionen Euro liegen - das sind rund 130 Millionen weniger als im Vorjahr und nicht einmal 50 Prozent des Spitzenjahres 2011. Noch weniger wäre es geworden, hätte die LBS ihren Kunden mit Altverträgen nicht den Umstieg auf das aktuelle Tarifwerk angeboten.

Keine Änderung erwartet

Gewinne sind für das Unternehmen in diesem Umfeld kaum noch zu machen. Das Betriebsergebnis vor Risikovorsorge wird deshalb heuer auf rund 10 Millionen Euro sinken, nach gut 20 Millionen im Vorjahr. Vor sechs Jahren lag das Plus noch bei 75 Millionen Euro. Wirnhier rechnete nicht mit einer baldigen Änderung der EZB-Zinspolitik. Realistisches Ergebnisziel für die kommenden Jahre sei deshalb die "schwarze Null". Mit einer besseren Lage sei erst zu rechnen, wenn die jetzt geschlossenen Verträge in die Auszahlungsphase kämen, meinte Wirnhier. Die LBS will der Nullzins-Phase mit einer Vier-Säulen-Strategie begegnen. Neben weiteren Zinsanpassungen und der Ausweitung des klassischen Bauspargeschäfts will die LBS verstärkt Sofortfinanzierungen für Häuslebauer und - nach einer Rechtsänderung im kommenden Jahr - auch normale Annuitätendarlehen anbieten. Zudem hat sich die LBS ein Sparprogramm auferlegt: Bis Ende 2017 sollen 90 der 630 Vollzeitstellen in der Verwaltung wegfallen, dazu sollen die jährlichen Sachkosten um acht Millionen Euro sinken.

Erstmals Stellenabbau

Als Konsequenz aus dem schwierigen Marktumfeld hatte die LBS Bayern vor einem Jahr erstmals in ihrer mehr als 80-jährigen Geschichte einen Stellenabbau angekündigt. Bereits jetzt seien 66 Stellen gestrichen worden, hieß es. Insgesamt sollen etwa durch Vorruhestandsangebote und Fluktuation 90 von 630 Vollzeitstellen abgebaut werden.
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