Bundesnetzagentur: Bau neuer Stromtrassen
Nur noch sieben Jahre

Der Bau neuer Stromtrassen im Freistaat drängt, sagt die Bundesnetzagentur. Bild: Götz
Wirtschaft BY
Bayern
22.04.2015
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Die Zeit drängt: Die Bundesnetzagentur fordert den zügigen Bau neuer Stromtrassen. Bis 2022 muss alles auf den Weg gebracht sein.

Wegen zu geringer Leitungskapazität für den Stromtransport aus Norddeutschland in die industriellen Verbrauchszentren in Bayern und Baden-Württemberg hat es auch heuer bereits wieder einiger Eingriffe zur Stabilisierung der Stromnetze bedurft. Das berichtete der Präsident der Bundesnetzagentur (BNA), Jochen Homann, am Montag in München.

Verbraucher zahlt Zeche

Ausgerechnet an Starkwindtagen hätten norddeutsche Windräder abgeschaltet werden müssen, wofür den Betreibern Ausgleichszahlungen zustünden. Gleichzeitig hätten die Netzbetreiber zusätzliche Kapazitäten in Österreich einkaufen müssen, um die Netze stabil zu halten. Für beide Maßnahmen müssten am Ende die Verbraucher aufkommen, so Homann.

Der BNA-Präsident sah in den Vorgängen einen Beleg für die Notwendigkeit neuer Stromtrassen von Nord nach Süd. Für den von der Staatsregierung favorisierten Weg des Baus neuer Gaskraftwerke in Bayern sah Homann dagegen kaum Realisierungschancen. Gas-Strom sei auf absehbare Zeit nicht wettbewerbsfähig, weshalb sich für den Bau neuer Turbinen auch kein Investor finde. "Bayern müsste die Frage beantworten, wo das Geld für die Gaskraftwerke herkommt, die privatwirtschaftlich nicht rentabel betrieben werden können", erklärte Homann.

Aus seiner Sicht sei es sinnvoller, bereits vorhandenen Strom durch einen Netzausbau besser zu verteilen. Auf die Frage, was passieren würde, wenn die neuen Stromtrassen nicht gebaut würden, sagte Homann: "Dann wird es in Bayern an Strom fehlen." Die von Wirtschaftsministerin Ilse Aigner ausgegebene Gleichung "Zwei Stromtrassen minus X" könne nur aufgehen, "wenn das X null ist".

"Schon extrem eng"

Im Gegensatz zum Ministerpräsident Horst Seehofer drängte Homann auf eine rasche politische Entscheidung über das weitere Vorgehen. Mit Blick auf die Abschaltung der Kernkraftwerke bis 2022 werde die Zeit für Planung, Genehmigung und Bau der neuen Trassen "schon extrem eng". Es verblieben dafür nur noch sieben Jahre. Genauso lange werde es von Planungsbeginn 2009 bis Inbetriebnahme der vergleichsweise kurzen Thüringer Strombrücke ins unterfränkische Grafenrheinfeld 2016 gedauert haben. Die Südost-Passage sei aber erheblich länger und umstrittener. Wegen des fixen Atomausstiegsdatums 2022 müssten beide in Bayern geplanten Trassen - der Südlink im Westen und die Südost-Passage im Osten - gleichzeitig auf den Weg gebracht werden.
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