Das Geld sitzt locker

Wirtschaft BY
Bayern
29.01.2015
7
0

Kaufen ist angesagt. Sparen verschieben viele auf später. Dazu trägt nicht zuletzt der niedrige Ölpreis bei. Der schafft neue finanzielle Spielräume. Konsumforscher sehen das mit gemischten Gefühlen.

Billiges Öl und extrem niedrige Sparzinsen haben die Verbraucherstimmung in Deutschland zum Jahresbeginn auf ein neues Rekordniveau steigen lassen. Das Konsumklima sei im Januar so gut gewesen wie zuletzt vor 13 Jahren, berichtete das Marktforschungsunternehmen GFK am Mittwoch in Nürnberg. Die Bereitschaft der deutschen Haushalte zu größeren Anschaffungen habe ebenso wie die Einkommenserwartung im Januar kräftig zugelegt. Für Februar prognostizierte die GFK einen Konsumklimaindikator von 9,3 Punkten nach 9,0 Punkten im Januar.

Inzwischen sehen die Konsumenten auch die deutsche Wirtschaft wieder im Aufwind. Nach wachsender Konjunktur-Skepsis im vergangenen Jahr mache sich unter den Befragten zunehmend Zuversicht breit. Zum zweiten Mal in Folge habe sich der Indikator für die Konjunktur- erwartung spürbar verbessert - und zwar um 8 Punkte auf nun 22,5 Punkte im Monatsvergleich, berichtete die GFK. Auch bei ihrem Einkommen sind die Bundesbürger wieder zuversichtlicher. Mit 47,8 Punkten sei der Einbruch vom Dezember wieder nahezu wettgemacht worden.

Lust auf Kaufen

Die Kauflust der Deutschen ist anscheinend nicht zu bremsen. Zum vierten Mal in Folge legte im Januar die sogenannte Anschaffungsneigung zu, der entsprechende Indikator stieg mit einem Plus von 8,3 Zählern auf 57,4 Punkte. Zuletzt hatte der Wert im Jahr 2006 ein ähnlich hohes Niveau erreicht, betonte die GFK. Damals hatte die bevorstehende Mehrwertsteuererhöhung viele Verbraucher zu vorgezogenen Anschaffungen veranlasst. Die Ergebnisse der GfK basieren auf monatlich rund 2000 Verbraucherinterviews.

Trotzdem warnt die GfK vor zu großem Optimismus: Es gebe nach wie vor Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung und damit auch für den Konsum, geben die Experten zu bedenken. Dazu zählten nach wie vor die internationalen Krisenherde wie in der Ukraine und im Nahen Osten, die bislang noch weit von einer Lösung entfernt seien. Besorgt zeigt sich GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl auch über die rapide sinkende Sparneigung. "Für den Konsum ist das kurz- und mittelfristig positiv. Aber Geld, das jetzt ausgegeben wird, statt es anzusparen, ist Geld, das später für den Konsum fehlt", sagte Bürkl.

Mehr Investitionen

Auch die Bundesregierung setzt angesichts niedriger Preise, höherer Einkommen und neuer Beschäftigungsrekorde auf mehr Privatkonsum und damit eine starke Konjunktur. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) warnte bei der Vorlage des neuen Jahreswirtschaftsberichts vor Zufriedenheit. "Die deutsche Wirtschaft ist in guter Verfassung." Es gebe aber einige Herausforderungen sowie Risiken durch internationale Konflikte. Die Koalition will die gute Konjunktur und hohen Steuereinnahmen für mehr Investitionen in Straßen, schnelles Internet und Bildung nutzen. So sollen zusätzlich zehn Milliarden Euro zwischen 2016 und 2018 ausgegeben werden.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.