Deutsche Anklagebank

Reihenweise vor Gericht in München: der amtierende Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen (hinten, Zweiter von rechts), und seine Vorgänger Josef Ackermann (zweite Reihe, Zweiter von rechts) und Rolf Breuer (vorne rechts). Der Prozess gegen die Manager hat am Dienstag begonnen. Bild: dpa
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Bayern
29.04.2015
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Hat die Führungsriege der Deutschen Bank im Kirch-Verfahren betrogen? Der amtierende Co-Chef Jürgen Fitschen und seine beiden Vorgänger kämpfen vor Gericht um ihren Ruf. Die Anklage wirft ihnen einen gemeinsamen Tatplan vor.

Auftakt in einem der spektakulärsten Wirtschaftsprozesse seit Jahren: Fitschen und vier Ex-Manager des Geldhauses sollen versucht haben, Richter im Kirch-Verfahren zu täuschen. Fitschen selbst war nach Auffassung der Staatsanwaltschaft dabei aber keine treibende Kraft. Er habe im Gegensatz zu den anderen Angeklagten nicht aktiv falsch ausgesagt. Allerdings habe er von falschen Angaben seiner Kollegen gewusst und nichts dagegen unternommen, erklärte die Staatsanwaltschaft: "Der Angeschuldigte Fitschen machte bei seiner Anhörung vage und in sich nicht schlüssige Angaben."

627 Seiten Anklage

Die Behörde wirft dem 66-Jährigen, seinen Vorgängern Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie Ex-Aufsichtsratschef Clemens Börsig und Ex-Personalvorstand Tessen von Heydebreck versuchten Prozessbetrug in einem besonders schweren Fall vor. Die Angeklagten haben die Vorwürfe vor Prozessbeginn zurückgewiesen.

Alle fünf sollen sich für ihre Aussagen in einem Zivilprozess vor dem Oberlandesgericht München vor vier Jahren auf eine Version der Geschehnisse in der Zeit vor der Pleite der Kirch-Gruppe im Jahr 2002 geeinigt haben, um damit Schadenersatzforderungen der Erben des Medienunternehmers Leo Kirch abzuwenden. Fitschen habe selbst nach einer Razzia in den Räumen der Deutschen Bank die Aussagen seiner Kollegen nicht richtiggestellt, so die Staatsanwaltschaft. Damit wirkte er aus Sicht der Anklage an dem zuvor vereinbarten Tatplan mit.

In der 627 Seiten umfassenden Anklageschrift ist von einem Plan die Rede, den die Top-Banker mit Hilfe der Rechtsabteilung der Deutschen Bank und Prozessanwälten verfolgt haben sollen. "Der Plan der Angeschuldigten war, durch eine wahrheitswidrige Darstellung der tatsächlichen Geschehnisse in den Jahren 2001 und 2002 das Oberlandesgericht München zu täuschen und so dazu zu veranlassen, die im Raume stehenden Ansprüche schon dem Grunde nach zurückzuweisen."

Kirch "erschossen"

Weil ihnen das aber nicht gelungen sei und die Deutsche Bank letztlich doch zur Zahlung von Schadenersatz verurteilt wurde, geht die Anklage von versuchtem Prozessbetrug aus. Leo Kirch hatte bis zu seinem Tod 2011 stets den früheren Bank-Chef Breuer und die Deutsche Bank für die Pleite seines Konzerns verantwortlich gemacht. Breuer habe ihn mit einer öffentlichen Äußerung über die mangelnde Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe "erschossen".

Fitschens Anwalt erklärte, die These der Staatsanwaltschaft sei "schlichtweg falsch". An der Objektivität der Anklagebehörde bestünden "massive Zweifel". Fitschen werde deshalb zwar die Fragen des Gerichts beantworten, aber "unter keinen Umständen die Fragen der Staatsanwaltschaft". Für den Prozess vor der fünften Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Peter Noll sind zunächst 16 Termine bis einschließlich 22. September angesetzt. Die amtierenden und ehemaligen Top-Manager müssen als Angeklagte in dem Strafprozess jeweils persönlich erscheinen.
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