Es darf ein bisschen mehr sein

Nicht zu lang und nicht zu weit: Bei den Männern sind die Badeshorts körperbetonter. Bild: Jockey
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Bayern
08.05.2015
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Es gab Zeiten, als Bikini und Co. gerade einmal das Nötigste bedeckten. Diese Zeiten sind jetzt vorbei: In dieser Saison trägt man am Meer wieder mehr.

Wem die Bademode der vergangenen Jahre zu freizügig war, kann sich auf die Strandsaison 2015 freuen. "Knappe Bikinis oder gar Strings sind out", sagt Cornelia Gumm, Stilberaterin aus München. Abgelöst werden sie von eleganten Modellen, die angezogener wirken. Zwar sei noch eine kleine Nachwehe der Fußball-WM zu spüren: "Der Brazil-Schnitt, bei dem der Po ein Stück zu sehen ist, ist noch nicht ganz verschwunden", erklärt Alexandra von Richthofen, Modeexpertin bei der Fachzeitschrift "Textilwirtschaft". Aber alles in allem ist in diesem Jahr mehr einfach mehr.

"Im Mittelpunkt steht der Einteiler", sagt Gumm. "Er hat Cut-outs an der Taille, oft farblich abgesetzt oder als Netzpartien." Spaghettiträger, feine Bändchen oder Knoten zieren den modernen Badeanzug. "Auch hochgeschnittene Neckholder-Varianten mit extrem breiten Reißverschlüssen vom Dekolleté abwärts sind zu sehen." Eine etwas freizügigere Variante des Einteils ist der Monokini, bei dem die Taille frei liegt und das Unterteil durch einen schmalen Stoffteil mit dem bandeau-förmigen Oberteil verbunden ist.

Bustierförmige Oberteile

Beim Bikini wird ebenfalls mehr Stoff gezeigt. "Das Höschen reicht bis an die Taille, wie wir es aus den 50ern kennen", sagt Gumm. "Kombiniert werden sie mit bustierförmigen Oberteilen." Alternativen sind Bandeaus, deren Schnittform an ein breites Band erinnert. "Sie haben in diesem Jahr einen stabilen V-Bügel eingearbeitet, der Halt gibt und somit perfekt für große Cups ist", ergänzt von Richthofen. "Ein Hingucker sind Bandeaus mit Butterfly-Trägern." Sie haben zumeist vier Träger: abnehmbare Spaghetti-Träger sowie Neckholder, die im Nacken geöffnet und wie Schmetterlingsflügel seitlich weggeklappt werden können, um das Dekolleté streifenlos zu bräunen.

Für Gerd Müller-Thomkins vom Deutschen Mode-Institut in Köln spiegeln die dezenten Formen die gegenwärtige Hipster-Bewegung wider. "Während die Schnitte konservativ sind, sind die Farben und Muster außergewöhnlich", sagt er. "Wir sehen Schmetterlinge, Urwälder, Palmenblätter oder Berglandschaften." Neben Naturmotiven dominieren fotorealistische Drucke. "Da sehen wir beispielsweise ein Gemälde auf einem Einteiler abgebildet, das über einem Kaminsims hängt."

Oft werden in der Bademode 2015 verschiedene Prints vermischt: "Es zeichnet sich ein Patchwork-Trend ab, bei dem nicht verschiedene Stoffteile zusammengenäht, sondern unterschiedliche Motive, etwa Tiere mit Blüten oder Punkte mit Streifen, miteinander auf einem Druck kombiniert werden", sagt von Richthofen. "Auch aus den 50er-Jahren inspirierte Früchteprints werden wir sehen und Ethno-Muster oder Kachel-Motive, die an den marokkanischen Raum erinnern."

Vielfarbig

Farblich steht die Bademode 2015 den auffälligen Musterungen in nichts nach. "Man könnte sagen, die Vielfarbigkeit dominiert", fasst Müller-Thomkins zusammen. Pastelliges Blau-Grün, zartes Rosa und Spearmint stehen im Mittelpunkt. "Als Gegenstück zu den Natur-Prints haben wir Metallic-Effekte", so von Richthofen. Gold und Silber, die die gesamte Sommermode prägen, zeigen sich bei der Bademode in Form von Schnallen und Perlen. Verzierungen wie Rüschen sind für schlanke Frauen perfekt, bei großen Cups hingegen unvorteilhaft.

Ob Frau am Ende zum Einteiler, Monokini oder Bikini greift, sollte auch anhand der Körperform entschieden werden. "A-Typ-Frauen gleichen ihre Hüften am besten mit einem Bustier-Oberteil aus, das oben etwas mehr Breite betont, oder wählen ein auffälliges Oberteil mit Rüschen", so Gumm. Auch können sie ihre schmale Taille mit Einteilern betonen, die mit Cut-outs über der Hüfte gearbeitet sind.

Athletische Passform

"V-Typ-Frauen greifen zu Bikinis mit hohen Unterteilen bis zur Taille. Das gleicht den breiteren Schulterbereich aus", erklärt Gumm. Auch Neckholder-Varianten seien eine gute Wahl für sie. X-Typ-Frauen betonen am besten ihre schmale Taille. "Hier eignen sich Monokinis", so die Stilberaterin. O-Typ-Frauen schließlich könnten ihre Figur optisch gut mit Badeanzügen gestalten, die diagonale Ausschnitte haben. Die schrägen Linien setzen vorteilhafte Akzente. "Anders als bei den Frauen sind die Badeshorts der Männer 2015 knapper geschnitten und bekommen einen bogenförmigen Saum", beschreibt Gumm. Wie allgemein bei der Männermode liege Slim Fit im Trend, die Shorts sind nicht mehr so weit, sondern haben eine athletische Passform. Die Farben seien pastellig bis schlicht einfarbig. "Die Betonung liegt auf Details wie Canvas-Gürteln mit Querstreifen, Bändern und partiellen Stickereien", sagt Gumm. All-over-Prints findem sich aber auch bei den Männern. "Diese sind aber toniger und haben weniger Kontraste als bei den Damen." Beliebt sind Meerestiere wie Haie, Orcas und Quallen, ergänzt von Richthofen. "Die klassische Hawaiblume gerät ins Hintertreffen."
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