"Es ist ein Unding"

In der Geschäftsstelle der Sparkasse Mehlmeisel (unten) sollen am 1. November die Lichter ausgehen. Im Sitzungszimmer des Gemeinderates (oben) herrschte deshalb am Montag dicke Luft. Bild: bkr
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Bayern
26.10.2016
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Ich sehe täglich, wie ältere Menschen mit Rollatoren zur Sparkasse kommen.Bürgermeister Franz Tauber

"Sie sollen Mehlmeisel nicht unterschätzen." Einen Schlägertrupp werde die Gemeinde nicht organisieren und Richtung Bayreuth losschicken, aber dennoch mit allen Mitteln für den Erhalt der Sparkassengeschäftsstelle kämpfen.

Mehlmeisel. Eine deutliche Antwort auf die angekündigte totale Schließung der Geschäftsstelle zum 1. November gaben Bürgermeister Franz Tauber und alle Gemeinderäte bei ihrer Sitzung am Montag. Von Bayreuth und dem Landkreis sieht sich Mehlmeisel als Randgemeinde im Stich gelassen. Landrat Hermann Hübner wurde vorgeworfen, Gesprächen bis dato aus dem Weg gegangen zu sein, den Eindruck erweckt zu haben, sich aus der Sache heraushalten zu wollen und erst am 9. November um 14 Uhr zu einem Gespräch ins Rathaus zu kommen. Dann dürfte es unter Umständen schon zu spät sein.

Auch die Position von Bayreuths Oberbürgermeisterin und Vorsitzender des Aufsichtsrats der Sparkasse, Brigitte Merk-Erbe, wurde mit den Worten kritisiert: "Sie interessiert das Land nicht." Nicht einmal mehr ein Geldautomat oder Kontoauszugsdrucker soll den Mehlmeiselern zur Verfügung stehen. Vier Kilometer nach Fichtelberg sollen sie fahren. Die Mehlmeiseler Geschäftsstelle hat Parkplätze und ist barrierefrei, Fichtelberg besitzt beides nicht. Besonders ältere Menschen standen am Montag im Blickpunkt. "Ich sehe täglich, wie ältere Menschen mit Rollatoren zur Sparkasse kommen", sagte Bürgermeister Tauber und ergänzte, von 1300 Einwohnern sind 400 über 60 Jahre alt.

Bus ist keine Lösung


"Es ist ein Unding", warf Alexander Pscherer als Seniorenbeauftragter der Gemeinde ein. Für manche Senioren wird es unmöglich Geld zu holen. 3,80 Euro kostet die Fahrt mit dem Bus nach Fichtelberg. Günther Daubner, ebenfalls CSU, ergänzte: "Sie müssen dann zwei bis drei Stunden warten, bis der Bus wieder zurückfährt".

Dieser Umgang mit den Senioren spotte jeder Beschreibung, betonte Alexander Pscherer. Festgestellt wurde auch, dass die Bayreuther Sparkasse nach der Gebietsreform erst 1991 nach Mehlmeisel kam, als sie die Kemnather Sparkasse "hinausgezwickt" hatte. Schon die Tagung des Aufsichtsrates am Tegernsee dokumentiere die Wertschätzung der eigenen Region, wenn dem reichen Oberbayern das Geld nachgetragen werde, erzürnte sich Alexander Pscherer.

Der Ruf zurück zu den Wurzeln, zur Sparkasse Kemnath, jetzt Oberpfalz-Nord, war nicht zu überhören. Alleine in den sozialen Medien wird dies heftig bei jungen Leuten diskutiert und gefordert. Diesen Gedanken trägt ebenfalls der Rathauschef in seinem zweiseitigen Protestbrief an die verantwortlichen Gremien. Darin vertritt er die Überlegung, die Konten der Gemeinde zur Sparkasse Oberpfalz Nord zu verlagern. Das Gemeinwohl der Bürger werde in Frage gestellt. Und er stellte auch fest, dass die Sparkasse Bayreuth, nach dem sie sich die Zweigstelle von der Kemnather Sparkasse geangelt hatte, nunmehr die Bürger auf dem Trockenen sitzen lasse.

Alleine die erhöhte Gewerbesteuer und 30 000 Zugriffe auf den Automaten in der Zweigstelle sprächen gegen eine Schließung. Tauber stellte zudem fest, dass die Gewinne in Mehlmeisel auf das ganze Sparkassengebiet umgelegt würden. Eine Rücklage von 93 Millionen zeigten, dass es der Bank gut gehe. Für Franz Tauber ist das von der Sparkasse angebotene Cash-Terminal in der Gemeindeverwaltung zur Abwicklung von Zahlungen kein Ersatz für die Geschäftsstelle, zumal das Terminal nur während der Dienststunden der Verwaltung zur Verfügung steht. Ein noch schwacher Punkt der Hoffnung für das Gemeindeoberhaupt ist: Die Räumlichkeiten der Geschäftsstelle gehören der Sparkasse.

Zusammenfassend und etwas frustriert stellte der Bürgermeister fest: "Die Gemeinde vermisst vernünftige Antworten und Begründungen." Gleichzeitig bedauerte er, von der Entscheidung der Sparkasse überrumpelt worden zu sein.

"Gute Geschäfte"


"Die Sparkasse machte jahrzehntelang gute Geschäfte", wandte Michael Ehlich, CSU, ein. Alexander Pscherer hätte sich eine bessere Informationspolitik gewünscht. Von der Entscheidung aus der Presse zu erfahren, war für Hans-Jürgen Hautmann, Freie Wähler, auch überraschend. Nach seiner Meinung hätte sich der Landrat gegen eine solche Entwicklung stemmen müssen.

Die Schließung widerspreche der Forderung, den ländlichen Raum zu stärken, war einhellige Meinung im Gremium. Verbunden wird dies mit der Befürchtung einer zusätzlichen Schwächung der Geschäfte im Ort, Denn wer nach Fichtelberg fahren müsse, um Geld zu holen, lasse es zum Einkaufen gleich dort.
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