Europas Jugend ohne Job

Die Zahl junger Menschen ohne Job in Deutschland ist dank des Booms auf dem Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Die Erwerbslosenquote der 15- bis 24-Jährigen war 2014 mit 7,7 Prozent die niedrigste in der EU. 330 000 Jugendliche waren auf der Suche nach einem Job, 2005 waren es noch 745 000 gewesen. Am höchsten war die Erwerbslosenquote junger Menschen in Spanien (53,2 Prozent) und Griechenland (52,4 Prozent). Grafik: dpa
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Bayern
12.08.2015
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Verglichen mit anderen europäischen Ländern könnten sich Deutschlands Politiker eigentlich zurücklehnen: Nirgendwo ist die Jugendarbeitslosigkeit so gering wie hierzulande. Probleme gibt es aber dennoch genug.

Auf den ersten Blick scheint alles im Lot: Deutschland hat im EU-weiten Vergleich seit Jahren die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit. Kein anderes EU-Land macht der Bundesrepublik den Titel des europäischen Musterknaben in Sachen Jugendarbeitslosigkeit streitig.

Dabei räumt der Arbeitsmarktforscher Hans Dietrich, der die Lage eher kritisch sieht, ein: Im Vergleich zu ihren Altersgenossen in vielen südeuropäischen Ländern haben deutsche Jugendliche und Heranwachsende vergleichsweise gute Startbedingungen. Die Schulabsolventen und Berufsstarter profitieren dabei auch von der seit Jahren guten Wirtschaftslage, berichtet der Spezialist für Jugendarbeitslosigkeit beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Lehre und Schule

Zudem erweise sich das duale Ausbildungssystem in Deutschland mit seiner Mischung aus betrieblicher Praxis und schulischer Theorie als eine Art Schmiermittel beim Berufsstart viele junger Leute. "Die Betriebe haben drei Jahre Zeit, sich die Auszubildenden anzuschauen. Das minimiert das Risiko für die Betriebe und erhöht die Chancen für die Jugendlichen, am Ende der Lehre eine Stelle zu finden", erläutert Dietrich. Aber längst ist auch hier die Welt in Sachen Jugendarbeitslosigkeit nicht so heil, wie es scheint. So räumten Bundesministerinnen Johanna Wanka (CDU, Bildung) und Andrea Nahles (SPD, Arbeit) im April ein: Trotz verbesserter Lage auf dem Lehrstellenmarkt seien immer noch 13,1 Prozent der jungen Menschen in Deutschland ohne Berufsabschluss. Dieser Anteil sei zwar in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Trotzdem sehen auch die beiden Ministerinnen Handlungsbedarf.

Zu jenen, die zu Maßnahmen drängen, gehört der DGB-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy. Er mahnte bereits 2013: "Der Verweis auf die im internationalen Vergleich insgesamt niedrige Arbeitslosigkeit bei jüngeren Menschen ist keinesfalls Rechtfertigung für bildungspolitische Enthaltsamkeit." Nach seinen Beobachtungen hat sich "die Chancenungleichheit auf dem Arbeitsmarkt bei einem Teil der jungen Erwachsenen deutlich verstärkt". Vor allem in den Jobcentern würden junge Leute zu wenig gefördert.

"Assistierte Ausbildung"

Bundesregierung und Bundesagentur (BA) haben reagiert. Große Hoffnungen verbindet die BA etwa mit ihrem Programm für eine "assistierte Ausbildung": Jugendliche mit Migrationshintergrund oder schwachem Schulabschluss sollen während der Lehre einen Betreuer zur Seite gestellt bekommen. Zudem will die BA mit Nachhilfe, Sprachunterricht und sozialpädagogischer Begleitung den Erfolg von Lehrlingen sicherstellen. Arbeitslose ab 25 Jahren sollen zudem eine zweite Chance im Rahmen einer späten Lehre erhalten.
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