Günstig zum intakten Display

Komplett zerlegt: Für bestimmte Smartphone-Reparaturen, etwa am Display, müssen Bastler die Geräte vollständig auseinandernehmen. Bild: hfz
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Bayern
29.04.2015
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Display gesprungen, Akku leer, Gehäuse verkratzt: Ist das Smartphone defekt, ist guter Rat oft teuer. Doch einige Macken können Bastler mit Mut und Mühe selbst reparieren. Die Anleitungen und das Werkzeug dafür gibt es im Netz - oder im Repair-Café.

Smartphone und Schlüssel in derselben Tasche - das gibt schnell einen Kratzer im Display. Und andere Defekte passieren auch ohne Zutun des Besitzers, etwa wenn der Akku im Tablet streikt und sich nicht ohne weiteres wechseln lässt. In solchen Fällen geht es nicht ohne Reparatur, im Idealfall mit Hilfe von Garantie und Gewährleistung. Doch was, wenn Hersteller und Händler nicht mehr helfen?

"Einige Reparaturen am Smartphone oder Tablet können Verbraucher auch selbst durchführen", sagt Sarah Raymaekers vom Telekommunikationsportal "Teltarif.de". Neben Fingerspitzengefühl brauchen Bastler dafür passendes Werkzeug, eine gute Anleitung und ein wenig Geduld. Hektikern empfiehlt die Expertin, eine Fachwerkstatt zu besuchen.

Austausch möglich?

In Eigenregie lassen sich zum Beispiel beschädigte Backcover, Displays oder Akkus austauschen. Das gilt aber nicht für jedes Gerät. "Es ist prinzipiell vom Modell abhängig, ob man das Gerät selbst reparieren kann", erklärt Stephan Hartmann von der Zeitschrift "Chip". Sind die Gehäuse nur verschraubt, ist der Austausch für Bastler meistens kein großer Akt. "Ist das Gehäuse aus einem Stück - Unibody genannt - oder sind Komponenten fest verlötet, wird es deutlich schwieriger", so Hartmann, der im Testlabor der "Chip" als Messtechniker arbeitet.

Sarah Raymaekers von "Teltarif.de" empfiehlt, vorab in Internetforen anhand von Erfahrungsberichten zu prüfen, ob sich das defekte Geräteteil mit einfachen Handgriffen austauschen lässt. Für passende Bauteile ist das Internet die beste Anlaufstelle. "Ersatzteile findet man auf diversen Webseiten oder direkt bei E-Bay", sagt Stephan Hartmann. Hierfür müssen Nutzer nur das Modell und den Begriff "Ersatzteile" in der jeweiligen Suche eingeben. "Manchmal lassen sich auch identische Modelle mit einem kleinen Schaden als Ersatzteillager verwenden", so der Tipp des Experten.

Warnhinweise beachten

Das passende Werkzeug, etwa spezielle Schraubendreher zum Öffnen der Geräte, gibt es in sogenannten Reparatursets. Die können Bastler bei Anbietern wie Ifixit oder Fixxoo im Netz bestellen. "Für eine Einmal-Reparatur reicht das in der Regel aus", sagt Hartmann. "Wer öfter Reparaturen vornimmt, sollte aber in ein Werkzeug-Set für Feinelektronik investieren."

Selbst mit Werkzeug und Ersatzteilen sollten Verbraucher aber auf keinen Fall ziellos drauflos schrauben. "Vor der Reparatur sollten Bastler Schritt für Schritt die Anleitung für jedes Modell ansehen und unbedingt die Warnhinweise befolgen", erklärt Stephan Hartmann. Genaue Anweisungen mit Bildern und Videos gibt es zum Beispiel bei Plattformen wie Ifixit, Fixxoo oder bei Youtube.

Besonders kompliziert für Anfänger ist oft der Austausch von Displays. "Dazu gibt es zwar eine Menge Anleitungen und Reparaturvideos im Netz, aber man benötigt Zeit und Geduld", sagt Sarah Raymaekers von "Teltarif.de". Denn um ans Display zu gelangen, muss häufig das gesamte Gerät zerlegt werden: "Viele kleine, zum Teil spezielle Schrauben, Kabelverbindungen und Kleinteile muss der Bastler sorgfältig lösen und wieder zusammensetzten."

Wer sich von so viel Bastelei überfordert fühlt, kann Hilfe in sogenannten Reparatur-Cafés suchen. "Das Repair Café ist ein Hilfe-zur-Selbsthilfe-Konzept", sagt Elisa Gasch vom Repair Café Kunst-Stoffe in Berlin. "Ehrenamtliche Helfer und Experten unterstützen Besucher dabei, so viel wie möglich an kaputten Geräten und Gegenständen selbst reparieren zu können." Kosten fallen dabei nur für die Ersatzteile an, viele Teilnehmer der Treffen geben den Angaben nach außerdem eine kleine Spende.

Kosten vergleichen

Die Skepsis vor der Technik ist bei vielen Besuchern schnell überwunden: "Die Praxis hat zeigt, dass nach den ersten Schrauben am Gehäuse die Hemmungen fallen und die Gäste danach sogar gerne den Schraubendreher in die Hand nehmen", erklärt Elisa Gasch. Eine Übersicht von Reparatur-Cafés findet sich im Internet beispielsweise auf der Seite "Anstiftung.de", die sich auf offene Werkstätten, Reparaturinitiativen und Gemeinschaftsgärten spezialisiert hat.

Wer im Café oder zu Hause schraubt, kann damit Geld sparen. Neben der investierten Zeit, fallen nur Kosten für Ersatzteile und Werkzeug an. "Dennoch gibt es im Netz viele günstige Reparaturdienste. Sich einen Kostenvoranschlag einzuholen, kann nicht schaden", erklärt Sarah Raymaekers. Generell empfiehlt sie Nutzern, Reparaturdienste und Ersatzteilkosten zu vergleichen.
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