Hoffnung auf Schadenersatz steigt

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Bayern
16.12.2014
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Für die ehemaligen Aktionäre der Hypo Real Estate (HRE) haben sich die Chancen auf Schadenersatz deutlich verbessert: In einem Musterprozess in München setzten sie sich durch. Ob sie ihr Geld je wiedersehen werden, bleibt trotzdem offen.

In ihrem Kampf um Schadenersatz haben ehemalige Aktionäre der Immobilienbank HRE einen klaren Erfolg errungen. In einem Musterprozess vor dem Oberlandesgericht München kamen die Richter nach zehn Monaten Verhandlungsdauer zu dem Schluss, dass die Bank ihre Lage im Krisenjahr 2007 falsch dargestellt und die Aktionäre zu spät auf ihre Probleme hingewiesen hatte.

Beschwerde angekündigt

Der Vorsitzende Richter Guido Kotschy warf der HRE in der Begründung der Entscheidung am Montag unwahre Darstellungen und Bilanzmanipulationen vor. Anleger, die ihre Aktien zwischen dem 3. August 2007 und dem 15. Januar 2008 gekauft haben, haben mit der Musterentscheidung eine wichtige Grundlage für Schadenersatzforderungen. Den Bund als Eigentümer der HRE könnte das viel Geld kosten: Der Anwalt der Kläger, Andreas Tilp, rechnet mit einer Schadenersatzsumme von mehr als einer halben Milliarde Euro.

Die HRE will die Entscheidung allerdings nicht hinnehmen und vor dem Bundesgerichtshof (BGH) Rechtsbeschwerde einlegen. Ob am Ende tatsächlich Geld fließt, ist daher offen. Da die Bank seit der Notverstaatlichung vor fünf Jahren dem Bund gehört, würde der Schadenersatz letztlich die Steuerzahler treffen.

Gefordert hatten die Kläger ursprünglich sogar mehr als eine Milliarde Euro Schadenersatz. Das Gericht grenzte die Ansprüche aber zeitlich bis Mitte Januar 2008 ein, da die Bank an dem Tag per Pflichtmitteilung über ihre Probleme informiert hatte. Daraufhin stürzte der Kurs der Aktie binnen Stunden um fast 40 Prozent ab. Etliche Aktionäre verloren ein Vermögen. Beim Landgericht München gingen zahllose Schadenersatzklagen von Aktionären ein. Um zentrale Fragen der Beweisaufnahme für alle Fälle zu klären, kam es zu dem Musterprozess. Der sogenannte Musterentscheid hat damit auch für viele andere Klagen Bedeutung.

"Unwahr, unvollständig"

Nach Auffassung der Richter wusste die HRE bereits im Spätsommer 2007 von ihren Belastungen aus der US-Krise. In einer Pressemitteilung im August 2007 habe die Bank der Öffentlichkeit dies aber verschwiegen. In der Veröffentlichung hatte die HRE erklärt, sie erwarte keine negativen Belastungen aus der US-Immobilien-Krise. Viele Anleger hielten die HRE dadurch nach Ansicht der Kläger für krisensicher und steckten ihr Geld in die Aktie.

Die ehemaligen Vorstände der HRE um Ex-Konzernchef Georg Funke müssen sich voraussichtlich im kommenden Jahr wegen unrichtiger Darstellung der Unternehmensverhältnisse auch in einem Strafprozess vor dem Landgericht München verantworten.
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