Immer mehr Attacken mit Lösegeldsoftware
Erpressungen boomen

Die Dunkelziffer der Verbrechen mit Lösegeldsoftware ist hoch. Bild: dpa
Wirtschaft BY
Bayern
19.10.2016
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Erpressung ist eines der ältesten kriminellen Geschäfte, das schon den Gangstern der Antike im alten Griechenland vertraut war. Derzeit machen Erpresser offenbar glänzende Geschäfte - dank Digitalisierung.

Nürnberg. Digitale Erpressung hat sich zum Boomgeschäft für Cyberkriminelle entwickelt. Nach einer Umfrage der Allianz für Cybersicherheit hat jedes dritte Unternehmen in Deutschland bereits Erfahrungen mit Lösegeldsoftware (Ransomware) gemacht. "Das Gefährdungspotenzial nimmt zu", sagte der Chef des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, Arne Schönbohm, am Dienstag in Nürnberg. Am 9. November will die Bundesregierung ihre neue Cybersicherheitsstrategie vorstellen.

Ransomware ist Verschlüsselungs-Software, die Kriminelle im Netzwerk ihrer Opfer installieren. Die Rechner werden verschlüsselt - wer wieder Zugriff auf seine Daten bekommen will, muss zahlen. Die Höhe der Schäden ist unbekannt, da viele Unternehmen sich nicht an die Behörden wenden. Dass sich das Geschäft lohnt, ist nach Schönbohms Worten offensichtlich: "Wir erkennen immer mehr unmittelbare Geldflüsse, die in Zusammenhang mit Ransomware stehen", sagte er auf der Nürnberger Messe IT-SA. Hier stellen bis Donnerstag mehr als 400 Sicherheitsfirmen ihre Produkte vor, die Hacker-Angriffen abwehren und den Schaden begrenzen sollen.

Die Sorgen der Sicherheitsbehörden nehmen zu, weil die Angriffe sich mittlerweile nicht mehr nur gegen Unternehmen und private Internetnutzer richten, sondern auch gegen öffentliche Einrichtungen. Anfang des Jahres hatte die Erpressung mehrerer Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen Schlagzeilen gemacht. Laut Schönbohm war das Ausmaß der Angriffe wesentlich größer als bisher bekannt: Insgesamt 60 Krankenhäuser seien betroffen gewesen, sagte der Behördenchef.

"Krypto-Ransomware ist so erfolgreich, weil das Geschäftsmodell so gut geht", sagte der Leiter des Cyber-Allianz-Zentrums-Bayern, Michael George, bei einem Vortrag auf der Messe. "Es vergeht keine Woche, in der nicht ein Krypto-Trojaner neu geschrieben wird." So sind Fälle bekannt, in denen das Erpresser-Virus die angegriffenen Netzwerke erst mit Wochen Verzögerung lahmlegte. So hatten die Firmen ihre Dateien mehrfach gesichert, so dass auch die Backup-Systeme infiziert wurden. "Dann hat man überhaupt keinen Zugriff mehr auf die Daten", sagte Torsten Valentin, der Geschäftsführer des IT-Sicherheitsunternehmens SecuLution. "Da steht eine richtige Industrie dahinter, die die (technische) Entwicklung vorantreiben kann."
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