In der Wirtschaft wächst die Zuversicht

Die Russland-Ukraine-Krise ist ungelöst. Hier müssen wir uns auf weitere Rückgänge einstellen.
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Bayern
19.12.2014
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Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Dezember erneut verbessert: Der Ifo-Index legte zum zweiten Mal zu. Ökonomen geben aber keine Entwarnung.

In den Chefetagen der deutschen Wirtschaft blicken die Manager kurz vor Weihnachten zuversichtlicher ins neue Jahr als noch im Herbst. Der Ifo-Geschäftsklimaindex als wichtiges Stimmungsbarometer für die Entwicklung der Wirtschaft verbesserte sich im Dezember zum zweiten Mal in Folge. Nach 104,7 Punkten im Vormonat stieg der Index auf 105,5 Punkte. Das teilte e das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung am Donnerstag in München mit. "Fallende Ölpreise und ein sinkender Euro-Kurs bescheren die deutsche Wirtschaft zur Weihnachtszeit", sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

Ihre Lage beurteilten die befragten Unternehmer zwar im Dezember genauso wie im Vormonat. Der Blick in die kommenden Monate fiel aber besser aus: Der Erwartungsindex stieg von 99,7 Punkten auf 101,1 Punkte. Skeptischer als die Industrie zeigte sich allerdings der Einzelhandel. "Die Einzelhändler waren mit ihrer aktuellen Lage zufriedener, allerdings blicken sie merklich pessimistischer auf die kommenden Monate", sagte Sinn. Firmen der Bauwirtschaft zeigten sich zwar etwas vorsichtiger, blieben mit ihren Einschätzungen aber auf einem hohen Niveau.

Krise in Russland

Ökonomen bleiben aber trotz der erneuten Stimmungsverbesserung vorsichtig. Fraglich ist vor allem, wie stark der Währungsverfall in Russland die deutsche Wirtschaft belastet. So sagte der Chefvolkswirt der KfW-Bank, Jörg Zeuner: "Die sich in den letzten Tagen verschärfende Krise in Russland dürfte leider für weitere Verunsicherung bei den deutschen Unternehmen sorgen."

Der Sturzflug des Rubel in den vergangenen Tagen ist wegen des zeitlichen Vorlaufs der Befragung in dem aktuellen Ifo-Index nicht abgebildet. Die Commerzbank sieht die deutsche Wirtschaft aber gewappnet, da sinkende Russland-Exporte den Ifo-Index auch in den vergangenen beiden Jahren nicht gebremst hätten.

Rekordjahr möglich

Der Maschinenbau steuert trotz des schwachen Russland-Geschäfts auf ein Rekordjahr zu. "Unterm Strich konnten wir 2014 sowohl beim Umsatz mit 212 Milliarden Euro als auch in der Produktion mit 199 Milliarden Euro die bisherigen Rekordmarken von 2008 übertreffen", sagte der Präsident des Branchenverbands VDMA, Reinhold Festge. 2015 dürfte die Branche abermals wachsen. Er warnte aber vor Risiken: "Die Russland-Ukraine-Krise ist ungelöst. Hier müssen wir uns auf weitere Rückgänge einstellen." Wegen der Sanktionen, des gefallenen Rubel-Kurses und der gesunkenen Erdöl-Erlöse seien die deutschen Maschinenexporte in den ersten neun Monaten 2014 um 16 Prozent gesunken. Trotz ernsthafter Sorgen stellte Festge aber klar: "Russland hat nicht die Kraft, den deutschen Maschinenbau umzuwerfen."

Höhere Nettoeinkommen

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) erwartet in Deutschland Konjunkturimpulse durch mehr Konsum und höhere Unternehmensinvestitionen. Daher hob das IfW seine Prognose für die Wirtschaftsleistung leicht auf 1,5 Prozent für 2014 an, nachdem im September noch 1,4 Prozent erwartet worden waren. Für 2015 blieb das IfW zurückhaltend mit einer Wachstumsprognose von 1,7 Prozent nach zuvor genannten 1,9 Prozent. Die Kaufkraft steige durch höhere Nettoeinkommen und den drastischen Ölpreisverfall, so die Ökonomen. Das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) rechnet 2015 mit einem Wachstum von 1,3 Prozent. Mit seiner Prognose liegt es leicht unter der des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (Berlin), das mit einem Wachstum von 1,4 Prozent rechnet.
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