"In Richtung Vollbeschäftigung"

Wirtschaft BY
Bayern
03.06.2015
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Die Erwerbslosigkeit im Freistaat ist dank der jährlichen Frühjahrsbelebung weiter gesunken - auf den niedrigsten Wert seit 2012. Bayern steht damit erneut an der Spitze der deutschen Bundesländer. Die Wirtschaft warnt vor zu viel Euphorie.

Die Frühjahrsbelebung hat die Zahl der Arbeitslosen in Bayern im Mai sinken lassen. Mit 246 300 waren es fast 13 300 oder 5,1 Prozent Jobsucher weniger als im April, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote ging um 0,2 Punkte auf 3,5 Prozent zurück.

Arbeitsministerin Emilia Müller und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (beide CSU) sehen das Land "auf Kurs in Richtung Vollbeschäftigung". Hauptgrund für den Rückgang war der Frühjahrsaufschwung. Mit Ende des Winters stellen Betriebe etwa auf dem Bau, in der Landwirtschaft und Gastronomie verstärkt Mitarbeiter ein. "Das milde Wetter hat sich bereits in den vorherigen Monaten positiv auf die Entwicklung des bayerischen Arbeitsmarktes ausgewirkt", sagte Klaus Beier, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion.

Warnung vor Euphorie

Nach Angaben Beiers blicken die Firmen auch optimistisch auf das nächste halbe Jahr. Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgebervereinigung VBW, warnte aber vor Euphorie: "Wie lange der exportorientierten bayerischen Wirtschaft der schwache Euro-Kurs, die niedrigen Zinsen und der gesunkene Ölpreis noch helfen werden, ist schwer abzuschätzen." Im Mai 2014 waren in Bayern noch 8800 Menschen (3,4 Prozent) mehr ohne Beschäftigung als jetzt. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Freistaat nahm weiter zu. Sie lag nach den jüngsten Daten vom März auf dem Rekordwert von 5,12 Millionen und stieg binnen Jahresfrist um 2,1 Prozent. "Jetzt gilt es, die gute Ausgangslage zu nutzen und vor allem Langzeitarbeitslose noch besser und nachhaltiger zu unterstützen", sagte Arbeitsministerin Müller.

Der Aufwärtstrend bei den freien Stellen in Bayern scheint dagegen gestoppt. Im Mai wurden den Arbeitsagenturen 27 200 Stellen neu zur Vermittlung gemeldet, 6,8 Prozent weniger als im April. "Hier dürfte ein Vorzieh-Effekt ursächlich sein, da viele Stellen in witterungsabhängigen Branchen aufgrund des milden Wetters schon in den vorherigen Monaten gemeldet worden sind", sagte Beier. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl der offenen Stellen jedoch um mehr als elf Prozent gewachsen.

Bundesweit 6,3 Prozent

Bundesweit sank die Zahl der Arbeitslosen dank des Frühjahrsaufschwungs auf den niedrigsten Mai-Wert seit 24 Jahren. Die Bundesagentur für Arbeit verzeichnete 2,762 Millionen Erwerbslose. Das waren 81 000 Jobsucher weniger als im April und 120 000 weniger als vor einem Jahr, wie BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise in Nürnberg berichtete. Dadurch sank die Arbeitslosenquote um 0,2 Punkte auf 6,3 Prozent. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg nach den jüngsten Daten vom April um 21 000 auf 42,65 Millionen zu, im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 208 000. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stieg um 78 000 auf 30,47 Millionen. Damit legte die Zahl der regulär Beschäftigten binnen Jahresfrist um 537 000 zu (März-Daten).
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