Ingolstadt muss sparen
Skandal belastet Stadtsäckel

Audi beschäftigt in Ingolstadt rund 44 000 Menschen. Die Gewerbesteuer für die Stadt wird von der Konzernmutter VW überwiesen, deren Gewinn wegen des Dieselskandals eingebrochen ist. Bild: dpa
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Bayern
30.08.2016
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Die belegten Brötchen bei den Stadtratssitzungen in Ingolstadt sind gestrichen. Und auch sonst muss die Stadt plötzlich sparen. Auf den zweiten Blick ist es aber nicht ganz so dramatisch.

Ingolstadt. Der Dieselskandal bei VW und Audi bedeutet für die Stadt Ingolstadt das Ende der fetten Jahre - jetzt heißt es, den Gürtel etwas enger schnallen. "Wir gehen davon aus, dass wir bis 2020 weniger Gewerbesteuer bekommen", sagte der Leiter der Kämmerei, Franz Fleckinger: In den nächsten Jahren rechne er nur noch mit 60 Prozent des langjährigen Durchschnitts. "Aber wir kommen mit 60, 70 Millionen Euro nicht hin". Deshalb werde die fast schuldenfreie Stadt wohl bald ihr fast 300 Millionen Euro dickes Finanzpolster angreifen müssen.

Gelassenheit in München


Weniger sind die Auswirkungen in Augsburg, Nürnberg und München zu spüren, wo der zu VW gehörende Lastwagen- und Maschinenbauer MAN 17 000 Mitarbeiter beschäftigt. Anders als in Ingolstadt gibt es in den größten bayerischen Städten keine Haushaltssperre - sie rechnen mit mehr Gewerbesteuern als 2015. Die Gewerbesteuer wird vom VW-Konzern überwiesen, dessen Gewinn wegen des Dieselskandals eingebrochen ist. Die Vorauszahlungen habe VW schon Ende 2015 auf Null gestellt, sagte der Ingolstädter Stadtrat Hans-Joachim Werner. Audi beschäftigt in der 133 000 Einwohner zählenden Stadt rund 44 000 Menschen.

Nach 111 Millionen Euro Gewerbesteuer im vergangenen Jahr habe Ingolstadt heuer mit nur noch 68 Millionen gerechnet, "aber wegen Nachzahlungen kommen wir auf 105 Millionen. Der Haushalt 2016 läuft."

Jammern auf hohem Niveau


Vorsorglich hat die Stadt eine Haushaltssperre von 15 Prozent für bestimmte Ausgaben erlassen, Bauinvestitionen, Straßenbau, Personal- und Sachausgaben sind gedeckelt, einzelne Vorhaben werden verschoben. "Wo man echt spart, sind Schul-Ausbauten", beklagt SPD-Fraktionschef Werner. Es gibt keinen Einstellungsstopp, das neue Kunstmuseum soll wie geplant gebaut werden. Wir jammern schon auf hohem Niveau", sagte Werner. Vorsichtshalber werde aber auch im Kleinen gespart: Bei Stadtratssitzungen gibt's statt belegten Brötchen nur noch Brezen.

Abgefedert wird der Einbruch der Gewerbesteuer durch die hohe Einkommenssteuer-Umlage. Neben 44 000 Audianern sind in Ingolstadt etwa 8000 Menschen bei Zulieferern beschäftigt, die Kaufkraft der Einwohner liegt über dem bayerischen Durchschnitt. "Natürlich verdanken wir Audi fette Jahre. Wenn Audi brummt, schwimmt die Stadt im Geld", sagte Werner.
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