Insolvente Modehauskette
Wöhrl hofft auf starken Investor

Im Zuge der Neuausrichtung der Modehauskette will Wöhrl neben Schließungen auch einige Filialen sanieren, darunter die in Weiden (Bild) und Regensburg. Bild: David-Wolfgang Ebener/dpa
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Bayern
29.11.2016
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Die Zeit drängt - die in den roten Zahlen steckende Modehauskette Wöhrl braucht dringend Geld. Das soll jetzt ein Investor mitbringen. Der Vorstand verspricht den Gläubigern ein schnelles Ergebnis.

Nürnberg. Die wirtschaftlich angeschlagene Modehauskette Wöhrl hofft nach dem Gang zum Insolvenzrichter Anfang Dezember auf einen finanzstarken Investor. Der Vorstand der Unternehmensgruppe lehnte zwar konkreten Angaben zum benötigten Kapital ab, machte aber am Montag in einer Telefonkonferenz deutlich: "Mit einem kleinen Betrag wird es nicht abgehen." Der Vorstand sei mit einer Handvoll Interessenten im Gespräch. Man sei optimistisch, spätestens im Januar zu einer Investorenvereinbarung zu kommen.

Wöhrl-Familie steckt zurück


Um die Modehauskette mit künftig 30 Filialen und rund 2000 Mitarbeitern wieder flott zu machen, sei der Einstieg eines Investors unabdingbar, machte der Restrukturierungsvorstand Christian Gerloff klar. Notfalls würde die Familie Wöhrl sogar eine Minderheitsbeteiligung akzeptieren. Damit würde die Familie der traditionsreichen Modehauskette spürbar an Einfluss verlieren.

Der Wöhrl-Vorstand will nach dem Auslaufen des sogenannten Schutzschirmverfahrens Ende November zum 1. Dezember die Insolvenz in Eigenverwaltung beantragen. Damit solle die in den vergangenen drei Monaten angeschobene Neuausrichtung der Wöhrl-Gruppe fortgesetzt werden, kündigte Wöhrl-Vorstandsmitglied Andreas Mach an.

Zu den Sanierungsmaßnahmen gehört neben der Verschlankung der Firmenzentrale die Schließung von vier der 34 Filialen.Das Stammhaus in der Nürnberger Altstadt sowie die Filialen in Würzburg, Passau, Weiden, Straubing, Landshut, Schweinfurt und Regensburg sollen saniert werden. 146 der 2000 Stellen sollen gestrichen werden. In 77 Fällen seien Kündigungen unausweichlich. Auch die drei Factory-Outlets, sollen geschlossen werden.

Zwischen teuer und billig


Nach Machs Angaben will die Modehauskette mit einer stärkeren Ausrichtung ihres Sortiments an den Bedürfnissen der Kundschaft gegen die wachsende Konkurrenz von Online-Anbietern und Luxusmarken bestehen. Wöhrl habe dabei die Mitte der Gesellschaft im Auge - "Menschen, die Qualitätsgarderobe für bestimmte Anlässe suchen, die sie weder bei Billiganbietern noch bei Luxusanbietern finden", sagte Mach.

Bei den Beschäftigten wachsen die Zweifel am Erfolg des Sanierungskurses. "Die Geschäftsführung hat dem Betriebsrat bisher noch kein tragfähiges Konzept vorgelegt, wie es mit dem Unternehmen weitergehen soll", sagte Verdi-Gewerkschaftssekretärin Gabriele Ziegler. "Auch der Wöhrl-Betriebsrat hat nicht den Eindruck, dass bereits ein Konzept vorliegt, das etwa die Kundenpräsenz stärkt und den Umsatz erhöht."

Harte Zeiten für den TextilhandelDie Konjunktur läuft rund, die Zinsen sind niedrig - die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland sinkt laut Wirtschaftsauskunftei Creditreform 2016 mit 21 700 Fällen auf den tiefsten Stand seit 1999. Prognose 2017: 20 000 bis 21 000 Fälle. "Die gute Entwicklung wird sich fortsetzen", sagt Hauptgeschäftsführer Volker Ulbricht Ulbricht. "2017 wird ein gutes Jahr werden." Doch die Textil- und Bekleidungsbranche trifft es hart. Neben Wöhrl müssen auch Steilmann, Zero oder SinnLeffers den Gang zum Amtsgericht antreten. Dabei ist die Kauflust der Verbraucher groß. Doch die Konkurrenz durch den Onlinehandel wächst und die Markentreue der Kunden sinke. Der Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels schätzt, dass 2015 acht Prozent mehr Bekleidung und Textilien über das Internet verkauft wurden als im Jahr davor. Den Online-Anteil am Gesamtumsatz von 62 Milliarden Euro mit Bekleidung sowie Haus- und Heimtextilien beziffert der Verband mittlerweile auf knapp 20 Prozent. (dpa)
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