Japan in der Rezession

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Bayern
18.11.2014
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Damit hatte kaum ein Ökonom gerechnet: Das zweite Quartal in Folge ist Japans Wirtschaft geschrumpft. Eine geplante weitere Anhebung der Steuern dürfte Regierungschef Abe dem Volk wohl vorerst ersparen.

(dpa/jum) Japans Wirtschaft ist in eine Rezession gerutscht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt, das die Wirtschaftsleistung des Landes darstellt, schrumpfte zwischen Juli und September um eine hochgerechnete Jahresrate von real 1,6 Prozent. Das teilte die Regierung am Montag auf Basis vorläufiger Daten mit.

Eine Erhöhung der Verbrauchssteuer zum 1. April von 5 auf 8 Prozent hatte im Vorquartal einen Einbruch der Wirtschaft um 7,3 Prozent verursacht. Schrumpft eine Wirtschaft in zwei Quartalen in Folge, sprechen Volkswirte von einer Rezession. Die meisten Ökonomen hatten mit einem Wachstum gerechnet. Im Vergleich zum vorangegangen Quartal verringerte sich die wirtschaftliche Leistung um 0,4 Prozent.

Bereits vom zweiten Quartal zum Vorquartal waren es minus 1,8 Prozent. Die Auswirkungen der Steueranhebung seien größer als gedacht, erklärte der Minister für Wirtschafts- und Fiskalpolitik, Akira Amari. Die private Nachfrage, die in Japan zu rund 60 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes beiträgt, habe sich nicht so erholt wie erwartet. Auch der Hausbau und die Unternehmensinvestitionen waren rückläufig.

Deutschland: kein Schwung

In Deutschland wird die Wirtschaft wird nach Überzeugung der Bundesbank auch im Winter kaum vom Fleck kommen. Das erklärte die Notenbank in ihrem am Montag in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht. Erst allmählich dürften die Abwertung des Euro und die Talfahrt der Ölpreise die Konjunktur etwas beleben. Nach dem schwachen Frühjahr, als die deutsche Wirtschaft um 0,1 Prozent zum Vorjahr schrumpfte, ist das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,1 Prozent gewachsen. Das kleine Plus war vor allem der Konsumlust der Verbraucher zu verdanken.

Die Bundesbank erwartet, dass der private Konsum dank der guten Arbeitsmarktlage, der kräftigen Zuwanderung und spürbarer Lohnsteigerungen auch in naher Zukunft der einzige nennenswerte Wachstumstreiber in Deutschland bleibt. Denn während sich die Stimmung in den Unternehmen eingetrübt habe, zeigten sich die Verbraucher bisher unbeeindruckt von den schwächeren Konjunkturaussichten.

Auch die Konjunkturimpulse aus dem Ausland schätzen die Experten der Bundesbank weiter als schwach ein. Ein Grund seien die Folgen der Sanktionspolitik gegen Russland. Eine spürbare Erholung in wichtigen Euro-Ländern sei zudem noch immer nicht in Sicht. "Wir durchleben derzeit eine konjunkturelle Delle, die das Risiko einer längeren Abschwächung in sich birgt", erklärte der Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW), Alfred Gaffal, in München. Für 2014 erwartet die VBW nun nur noch ein Wachstum für Bayern von 1,7 Prozent statt wie bisher 2,2 Prozent. "Die Unternehmen haben ihre Produktions- und Investitionspläne daher nach unten korrigiert", sagte Gaffal.

Export eingebrochen

Gaffal warnte vor weiteren Sanktionen gegen Russland. Diese führten nur dazu, dass die Zustimmung zur Politik von Präsident Wladimir Putin steige. Die bayerischen Exporte nach Russland seien kräftig eingebrochen. Es bestehe die Gefahr, dass der durch die Sanktionen ausgelöste Abschwung in Russland auf die mittel- und osteuropäischen Staaten überschlage. "Diese Länder sind für uns wichtige Absatz-, aber auch Liefermärkte", betonte Gaffal.
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