Kein fairer Wettbewerb

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Bayern
14.09.2015
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Eigentlich sollen Fernbusse nur Fernstrecken bedienen. Doch inzwischen sind sie auch Konkurrenz für Nahverkehrszüge. Die Deutsche Bahn befürchtet weitreichende Folgen.

Die neuen Fernbusse machen auch dem Regionalverkehr der Bahn zu schaffen. Nach einer Forsa-Studie hat der Schienennahverkehr etwa 15 Prozent seiner Fahrgäste an die Fernbusse verloren, obwohl diese eigentlich nur Fernverbindungen bedienen dürfen. "Das macht uns schon Sorgen", erklärte der Chef von DB Regio Bayern, Hansrüdiger Fritz, in München. Er bezifferte die Verluste im bayerischen Regionalverkehr im Jahr 2014 auf 13 Millionen Euro, bei steigender Tendenz. "13 Millionen - das sind keine Peanuts mehr", sagte Fritz. Werde die Entwicklung nicht gestoppt, stehe zu befürchten, dass manche Angebote auf der Schiene nicht mehr zu halten seien. Die Konkurrenz der Fernbusse bekommt die Bahn laut Fritz vor allem auf den Regionalstrecken München-Nürnberg, München-Garmisch und den Schienenkorridoren im Nordosten Bayerns zu spüren. Dort seien besonders die Strecken Regensburg-Hof und Nürnberg-Bayreuth-Hof betroffen.

Defizite drohen

"Die Probleme entstehen überall dort, wo es parallel zur Schiene eine gut ausgebaute und freie Autobahn gibt", fasste Fritz die Erfahrungen zusammen. Folge sei, dass die betroffenen Strecken auf Dauer trotz staatlicher Förderung nicht mehr kostendeckend betrieben werden könnten. Entweder müssten deshalb Leistungen zurückgefahren werden, oder es werde für den Freistaat als Besteller des Schienennahverkehrs teurer, nannte Fritz die Alternativen.

Die Bahn will nun zum einen im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten auf die Entwicklung reagieren, zum anderen fordert sie das Eingreifen der Politik. Fritz kündigte an, dass man bei der Neuausschreibung von Strecken darauf drängen werde, dass neue Service-Angebote wie WLAN und Steckdosen in den Zügen zum Paket dazugehören. Man versuche derzeit bereits, die technischen Voraussetzungen für mobiles Internet auch in Nahverkehrszügen zu schaffen. Zudem will die Bahn mit kürzeren Fahrzeiten und attraktiven Preisen Kunden locken. In Planung sei zum Beispiel eine "Bayern-Ticket-App", über die sich Fahrgäste zu einer Gruppe für das günstige Gruppen-Ticket zusammenfinden könnten, erläuterte Fritz. Klaus-Dieter Josel, der Konzernbeauftragte der Bahn für Bayern, setzte auf die Einsichtsfähigkeit der Politik. "Wir haben den Schienennahverkehr in Bayern in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit staatlicher Hilfe erfolgreich ausgebaut, das darf jetzt nicht infrage gestellt werden", betonte er. Auswirkungen auf die Angebotsqualität des Bayern-Taktes sollten vermieden werden.

Rosinen-Pickerei

Josel betonte, dass die Bahn für eine Grundversorgung für Reisende auch zu unattraktiven Tagesrandzeiten und am Wochenende zu sorgen habe, während die Fernbusse nur lukrative Zeiten und Strecken bedienten. Fritz ergänzte, die Fernbusse betrieben "Rosinen-Pickerei, die dem gemeinwirtschaftlichen System Schiene Geld entzieht". Unter diesen Bedingungen sei ein fairer Wettbewerb nicht möglich.
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