Kein Finale vor den Feiertagen

Nehmen Sie sich die Zeit, um auf den Christkindlmarkt zu gehen.
Wirtschaft BY
Bayern
01.12.2015
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Im Strafprozess gegen den Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, ist ein Ende vor Weihnachten nicht in Sicht. Einer der Zeugen sieht zudem durch den Prozess das Ansehen aller Banken beschädigt.

Der Vorsitzende Richter Peter Noll kündigte am Montag vor dem Landgericht München an, er sehe sich angesichts der komplexen Beweisaufnahme nicht in der Lage, das Verfahren kurzfristig zu beenden.

Einige im Dezember angesetzte Zusatztermine könnten wieder gestrichen werden. "Nehmen Sie sich die Zeit, um auf den Christkindlmarkt zu gehen", sagte er zu Fitschen und den vier anderen ehemaligen Top-Managern der Deutschen Bank, die sich wegen versuchten Prozessbetrugs im Fall Kirch verantworten müssen.

Seit sieben Monaten

Alle fünf hatten den Vorwurf zurückgewiesen, vor vier Jahren Richter betrogen zu haben, um die Deutsche Bank vor Schadenersatz an die Erben des Medienunternehmers Leo Kirch zu bewahren. Der Prozess dauert bereits seit rund sieben Monaten. Ursprünglich wollte der Richter das Verfahren noch vor Weihnachten beenden und hatte zur Beschleunigung drei zusätzliche Termine im Dezember angesetzt.

Der Dauerstreit zwischen der Deutschen Bank und Kirch hat nach Ansicht des ehemaligen Hypo-Vereinsbank-Chefs Albrecht Schmidt dem Ansehen der Banken in Deutschland geschadet. "Ich fand das für das gesamte Gewerbe, insbesondere für die Deutsche Bank, außerordentlich schädlich, was da zwischen der Kirch-Gruppe und der Deutschen Bank lief", sagte Schmidt am Montag als Zeuge in dem Prozess.

Vermittler gescheitert

Um einen weiteren Vertrauens- und Reputationsverlust zu verhindern, habe er deshalb 2006 beiden Seiten seine Hilfe als Vermittler angeboten. Auf einen Vergleichsvorschlag hätten sich Kirch und die Bank aber nicht eingelassen. "Ich bedauere noch heute, dass es zu keiner Lösung gekommen ist."

Kirch hatte bis zu seinem Tod die Deutsche Bank für die Pleite seines Medienkonzerns 2002 verantwortlich gemacht und Schadenersatz in Milliardenhöhe gefordert. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit zahlte die Bank seinen Erben schließlich 925 Millionen Euro.
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