"Kuchen bereits verteilt"

Der G7-Gipfel Anfang Juni auf Schloss Elmau bringt zwar Tausende Journalisten und Sicherheitsbeamte in die Gegend rund um das Schloss. Doch die örtliche Wirtschaft - von der Hotellerie abgesehen - rechnet nicht mit dem großen Geschäft. Archivbild: dpa
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Bayern
25.03.2015
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Die Politiker tagen abgeschottet in einem abgelegenen Tal. Alles andere als einsam wird es während des G7-Gipfels hingegen in Garmisch-Partenkirchen zugehen. Doch trotz Tausender Journalisten und Polizisten erwartet die örtliche Wirtschaft kaum Impulse.

Wenn Angela Merkel, Barack Obama und Co. Anfang Juni auf dem G7-Gipfel in Schloss Elmau Weltpolitik machen, wird das nahe gelegene Garmisch-Partenkirchen aus allen Nähten platzen. Rund 5000 Journalisten bauen dann ihre Arbeitsplätze im Eissportzentrum auf, und auch von den 15 000 Sicherheitskräften werden viele in der Marktgemeinde untergebracht. Dennoch sind sich Ladenbesitzer, Unternehmer und Politiker einig: Außer den Hoteliers wird an dem Treffen der Staats- und Regierungschefs sieben führender Industrienationen kaum jemand verdienen.

Keine Zeit zum Flanieren

"Die Region ist mit Journalisten und Politikern bestückt, die arbeiten müssen - aber kaum Zeit haben, um durch die Fußgängerzone zu flanieren", erklärt Wirtschaftsreferent Claus Gefrörer (CSU). Auch der G7-Gipfel selbst, mit Dienstleistungen von der Versorgung bis zur Entsorgung, wird nach Einschätzung des Gewerbeverbands kaum Impulse bringen. "Das große Geld wird von unseren örtlichen Mittelständlern nicht gemacht", ist der Vorsitzende Florian Möckl überzeugt. Die Organisation des Gipfels liege in den Händen eines Berliner Unternehmens. "Wir haben das Gefühl, dass die größten Stücke des Kuchens schon verteilt sind, bevor man überhaupt eine Chance hat, von hier aus etwas zu ergattern." Auch in der Gastronomie dürfte es keinen großen Umsatzschub geben, da die Stäbe der Politiker ebenso wie Journalisten und Sicherheitskräfte mit Essen und Trinken versorgt werden. Bei der Hotellerie sieht es hingegen anders aus: "Es wird eine sehr gute Auslastung sein, davon bin ich überzeugt", betont Tourismusdirektor Peter Ries.

Im Gemeindesäckel wird sich der Andrang auf die Betten nicht positiv bemerkbar machen, im Gegenteil: "Wir müssen Abstriche machen bei den Kur-Abgaben", berichtet Gefrörer. Denn weder für die Sicherheitskräfte noch für die anderen Beteiligten wird die sonst übliche Abgabe von zwei Euro pro Nacht und Nase fällig. Der Grund: Die Abgabe trifft nur Gäste, die "zu Kur- und Erholungszwecken" anreisen - nicht aber diejenigen, die arbeiten müssen. Die Politiker in der Region sind darüber nicht ganz glücklich, werden aber durch höhere Fördersätze für bestimmte Infrastrukturmaßnahmen besänftigt. Noch mehr als über die willkommenen Zuschüsse dürften sie sich über die kostenlose Werbung freuen. "Wir erhoffen uns, dass die Medien die gesamte Urlaubsregion um die Zugspitze erwähnen und ins Bild nehmen", sagt etwa Gefrörer. Bislang wird die Region vorrangig als Winterdestination wahrgenommen - der G7-Gipfel soll sie nun auch als Ziel für einen Sommerurlaub bekanntmachen.

"Ich fahr' weg"

Überhaupt keine Chancen auf zusätzliche Geschäfte rechnen sich hingegen die Andenkenhändler aus. "Ich glaube nicht, dass der Markt da ist", meint etwa Rudi Simon von der T-Shirt-Factory. "Touristen werden keine hier sein, die Sicherheitskräfte werden kaum Souvenirs kaufen, und die Demonstranten werden mit Bussen rein- und rausgefahren." Guido Koss vom Souvenirladen Froschkönig zieht aus der erwarteten Flaute Konsequenzen: "Ich werde die Chance nutzen, zumachen und mal über ein längeres Wochenende wegfahren - das geht sonst ja nie."
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