Mehr als 70 Verletzte in Franken
Reizgas-Attacken in Festzelten

Rettungskräfte beim Einsatz am Volksfest in Naila. Bild: dpa
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Bayern
11.07.2016
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Sie wollten einfach nur feiern: Auf zwei Volksfesten in Franken sind mehr als 70 Menschen verletzt worden. Zwei Täter versprühten Reizgas in Festzelten. Die Besucher klagten über Augenreizungen und Reizhusten.

Treuchtlingen/Naila. Bei zwei Reizgas-Attacken auf Volksfeste in Franken sind binnen 24 Stunden mehr als 70 Menschen verletzt worden. Auf dem Wiesenfest im oberfränkischen Naila (Kreis Hof) wurden am Samstagabend mehr als 50 Besucher verletzt, 500 Leute mussten das Zelt vorzeitig verlassen. Auf einem Volksfest im mittelfränkischen Treuchtlingen wurden bei einem ähnlichen Vorfall am Freitagabend 18 Personen verletzt. Das teilte die Polizei mit.

Keine Panik


Auf dem Wiesenfest in Naila hatte ein Unbekannter am späten Samstagabend Reizgas versprüht. Mehr als 50 Menschen litten nach der Attacke an Atembeschwerden und Augenreizungen. Sanitäter versorgten die Volksfest-Besucher, es musste aber niemand in ein Krankenhaus gebracht werden. Bei dem Einsatz waren 50 Sanitäter, 15 Feuerwehrleute und zehn Polizeibeamte vor Ort. Panik sei nach der Attacke jedoch nicht entstanden, sagte ein Polizeisprecher. Das Wiesenfest sollte am Sonntag und am Montag programmgemäß fortgesetzt werden. Im Treuchtlingen versprühte am Freitagabend ein 18-jähriger Mann Reizgas in einem Festzelt. 18 Personen wurden verletzt. Auch sie klagten über Augenreizungen und Reizhusten. Nach Angaben der Polizei soll es sich hierbei um ein Tierabwehrspray gehandelt haben, das der angetrunkene junge Mann am Hintereingang eines Festzeltes versprüht haben soll. Die Dämpfe seien dann in das Zelt gezogen. Beide Vorfälle ereigneten sich kurz vor Mitternacht. Während in Naila niemand ins Krankenhaus musste, wurden in Treuchtlingen elf Verletzte vorsorglich in Kliniken gebracht. Sieben weitere Festbesucher behandelten die Helfer vor Ort, sie durften danach wieder nach Hause gehen.

Gegen den 18-Jährigen werde nun wegen Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ermittelt, teilte die Polizei mit. Einen Grund für sein Handeln habe der 18-Jährige nicht genannt. Der Täter, der das Reizgas auf dem Wiesenfest in Naila versprühte, ist noch nicht bekannt. Gegen ihn ermittelt die Polizei nun wegen gefährlicher Körperverletzung.

Ministerin warnt


Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) warnte angesichts der Vorfälle vor dem unbedachten Einsatz von Reizgas. "Pfeffersprays oder Reizgas sollten wirklich nur im Notfall eingesetzt werden", sagte die CSU-Politikerin laut Mitteilung vom Sonntag. "Aber nur da. Ein leichtsinniger Umgang kann fatale Folgen haben, nicht nur bei dem vermeintlichen Angreifer, sondern bei unsachgemäßen Einsatz auch bei sich selbst", fügte sie hinzu.
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