Münchener Konzern will Dresser-Rand übernehmen
Siemens legt Milliarden auf den Tisch

Beide Geschäfte zusammen schaffen einen Weltklasse-Anbieter für die wachsenden Öl- und Gasmärkte.
Wirtschaft BY
Bayern
23.09.2014
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Siemens-Chef Joe Kaeser macht Nägel mit Köpfen: Der Konzern will Dresser-Rand, einen Zulieferkonzern für den Bereich Energieerzeugung, schlucken. Gleichzeitig überlässt Siemens seinen Anteil am Hausgeräteriesen BSH dem Partner Bosch.

Siemens treibt seinen Umbau mit zwei Milliarden-Geschäften voran: Für umgerechnet knapp sechs Milliarden Euro wollen die Münchner Dresser-Rand übernehmen. Siemens sei sich mit dem US-Konzern bereits einig geworden, teilte Siemens am Montag mit. Damit hat sich Siemens-Chef Joe Kaeser gegen seinen Vorgänger Peter Löscher durchgesetzt, der als Verwaltungsratspräsident des Schweizer Sulzer-Konzerns ebenfalls Interesse an einer Übernahme von Dresser-Rand hatte. Sulzer beendete die Gespräche mit dem US-Konzern.

Für Dresser-Rand bietet Siemens 83 Dollar je Aktie in bar, das entspreche einem Gesamtwert von rund 7,6 Milliarden Dollar (rund 5,8 Milliarden Euro). Dresser-Rand habe seinen Aktionären einstimmig empfohlen, das Übernahmeangebot anzunehmen. Der Konzern ist ein Ausrüster für die Öl- und Gasindustrie. Dies ergänze das bestehende Siemens-Portfolio, insbesondere für die weltweite Öl- und Gasindustrie sowie für die dezentrale Energieerzeugung, erklärte Siemens-Chef Kaeser. "Beide Geschäfte zusammen schaffen einen Weltklasse-Anbieter für die wachsenden Öl- und Gasmärkte."

Drei Milliarden von Bosch

Zugleich beendet Siemens wie erwartet die Kooperation mit Bosch beim größten deutschen Haushaltsgerätehersteller BSH (weltweit rund 50 000 Mitarbeiter). Bosch übernehme das Joint Venture BSH Bosch und Siemens Hausgeräte komplett und zahle drei Milliarden Euro für den 50-prozentigen Siemens-Anteil, teilten beide Unternehmen mit. Vor Vollzug der Transaktion sollen zudem jeweils 250 Millionen Euro an Siemens und Bosch ausgeschüttet werden.

Vereinbart wurde auch, dass BSH Hausgeräte unter der Marke Siemens langfristig weiter produzieren und vertreiben darf. Zu BSH gehören außerdem Spezialmarken wie die Küchenausstatter Gaggenau, Neff oder Junker. Bosch-Chef Volkmar Denner erklärte, BSH passe von seiner strategischen Ausrichtung sehr gut zur Bosch-Gruppe. Der Konzern, der gleichzeitig einer der größten Autozulieferer weltweit ist, will sich mehr und mehr auf das "Internet der Dinge" konzentrieren. Darunter versteht man Hausgeräte wie Waschmaschinen oder Kühlschränke, die technisch in der Lage sind, mit dem Internet zu kommunizieren und die mit Smartphones zu steuern sind.

Vor drei Monaten hatte Siemens im Tauziehen um den Alstom-Konzern gegen GE den Kürzeren gezogen. Die Übernahme von Dresser-Rand ist für die Münchner die größte seit dem Kauf des US-Diagnostikanbieters Dade Behring vor sieben Jahren.
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