Nichtbesetzungsquote 31 Prozent: Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung legt ...
Dem Mangel an Fachkräften auf der Spur

Überraschend hohe Zahlen über den Fachkräftemangel nannte Professor Lutz Bellmann. Bild: sbü
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Bayern
04.10.2014
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(sbü) Seit Jahren wird vor einem wachsenden Fachkräftmangel gewarnt. Jetzt gibt es Zahlen darüber. "Die Nichtbesetzungsquote bei Stellenangeboten für Fachkräfte beträgt in der Metropolregion Nürnberg 31 Prozent" berichtete Professor Dr. Lutz Bellmann vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Im sogenannten Betriebspanel 2013 des IAB war deutschlandweit diese Frage gestellt worden. Auch 379 Betriebe in der Metropolregion Nürnberg waren dabei. Bellmann stellte die Zahlen bei der Jahreskonferenz der Allianz Pro Fachkräfte der Metropolregion Nürnberg in der Nürnberger Meistersingerhalle vor.

Staatssekretär Franz Josef Pschierer (CSU) vom bayerischen Wirtschaftsministerium forderte Maßnahmen gegen den wachsenden Fachkräftemangel und nannte unter anderem "stärkere Werbung für Spitzenkräfte aus dem Ausland, mehr Willkommenskultur, flexiblere Übergänge in den Ruhestand und mehr Nachwuchs für das duale System". Und Bellmann lieferte aus der Betriebsbefragung noch mehr Zahlen, die solche und ähnliche Forderungen begründen können. Zum Beispiel, dass "25 Prozent der Betriebe, denen es gelang Fachkräfte einzustellen, dabei Kompromisse eingegangen sind". Dabei sei weniger die Bezahlung sondern die Qualifikation der Bewerber und die sich hieraus ergebende aufwendige Einarbeitung im Vordergrund gestanden.

Überraschend hohe Zahlen nannte der Wissenschaftler auch zum Thema Ausbildung im dualen System: "27 Prozent der befragten Betriebe haben unbesetzte Ausbildungsstellen. Die Nichtbesetzungsquote aller Ausbildungsplätze liegt sogar bei 41 Prozent". Knapp drei Viertel aller Betriebe, die Auszubildende eingestellt hätten, hätten angegeben, dass sie Kompromisse hinsichtlich der schulischen Vorbildung eingehen mussten. Gefragt worden sei auch nach den Strategien der Betriebe gegen den Fachkräftemangel. Hier hätte fast die Hälfte der Betriebe Fort- und Weiterbildung der Beschäftigten favorisiert. Dafür sei mindestens einen Arbeitnehmer freigestellt worden. Ähnlich viele setzen weiterhin auf die Ausbildung im eigenen Betrieb.

Weil die Jahreskonferenz Allianz Pro Ausbildung aber auch Diskussionsforum und Plattform für kontroverse Positionen sein will, kam auch der Autor des Bestseller-Buches "Mythos Fachkräftemangel - Was auf Deutschlands Arbeitsmarkt gewaltig schiefläuft" ausführlich zu Wort. Martin Gaedt sagt von sich selbst: "Ich will provozieren und ich bin seit 15 Jahren Unternehmer und habe keinen Kräftemangel." Vorwürfe erhebt Gaedt vor allem an die Adresse der Betriebe. "Unser Problem ist, dass die Fachkräfte aus Deutschland weggehen" sagt Gaedt. Er errechnete, dass "64 Milliarden Ausbildungskosten in einem Jahr abgewandert seien". Warum würden so viele befristete Arbeitsverträge abgeschlossen, fragt er. Beim Personalmarketing würden alle dasselbe machen - "Stellenausschreibungen und Jobmessen". Er schlägt neue Wege vor, zum Beispiel betriebliche Netzwerke, die Bewerber weiterempfehlen. "Wenn sie von fünf gut geeigneten Bewerber nur einen einstellen, warum werfen Sie vier Bewerbungen in den Papierkorb?"
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