Nur ein kleiner Dämpfer

Am großen Rad drehen die Unternehmen in Deutschland immer noch. Auch wenn sie die aktuelle Lage nicht mehr so gut bewerten wie im September, so schätzen sie ihre Geschäftsaussichten für die kommenden Monate etwas besser ein. Archivbild: dpa
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Bayern
27.10.2015
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Zum ersten Mal seit Juni hat sich das Klima in der deutschen Wirtschaft verschlechtert - die Euphorie über das laufende Geschäft hat etwas nachgelassen. Das sei aber kein Grund zur Sorge, betonen Volkswirte und die Bundesbank.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Oktober leicht eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank von 108,5 auf 108,2 Punkte. Wie das Ifo-Institut am Montag in München mitteilte, sehen die befragten Industrie-, Handels- und Bauunternehmen ihre momentane Geschäftslage nicht mehr so begeistert wie noch im September. Die Geschäftsaussichten für das nächste halbe Jahr schätzen sie aber wieder besser ein.

"Die deutsche Konjunktur zeigt sich erstaunlich widerstandsfähig", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. So zeigt sich die Autoindustrie vom VW-Skandal unbeeindruckt: Die Branche stuft sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch ihre Aussichten sogar noch besser ein als im September. Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe sagte, derzeit kämen die Auftriebskräfte für die deutsche Wirtschaft von der Binnennachfrage. Beschäftigung und Einkommen in Deutschland seien gut, der im Ifo-Index nicht erfasste Dienstleistungssektor wolle kräftig Personal einstellen. Wie sich der Flüchtlingszustrom auf Nachfrage, Wohnungsbau und Löhne auswirke, werde sich erst ab nächstem Jahr zeigen.

Export schwächelt

Die Exportpläne sind dagegen auf den niedrigsten Stand seit einem Jahr gesunken. "Die Unternehmen erwarten keinen Rückgang, aber nur noch leichte Zuwächse", erklärte Wohlrabe. Die schwächere Konjunktur in China und den Schwellenländern werde spürbar. Die USA seien eine Stütze, und die Unternehmen hofften auch auf eine Belebung der Euro-Zone. Die Impulse für die gestiegenen Geschäftserwartungen der deutschen Industrie kämen aber aus der Binnenwirtschaft. Industrie, Bau, Groß- und Einzelhandel bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage weiterhin deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Deshalb sei ein leichter Rückgang kein Anlass zur Sorge, betonte der Ifo-Forscher. KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner, sagte: "Die Schwäche der Schwellenländer und die Probleme bei VW haben zuletzt die öffentliche Wahrnehmung dominiert. Doch diese Negativnachrichten perlen weitgehend an den deutschen Unternehmern ab."

Wie Ifo-Experte Wohlrabe ist auch die Bundesbank der Ansicht, die Kauflust der Verbraucher halte die deutsche Wirtschaft nach auf Wachstumskurs. Da die Baukonjunktur an Schwung verloren habe und die Industrie weiterhin nicht in Fahrt komme, sei die Aufwärtsbewegung im dritten Quartal 2015 vorübergehend aber wohl etwas weniger dynamisch als zuvor, schreiben die Experten der Deutschen Bundesbank in ihrem am Montag vorgelegten Monatsbericht.

"Recht kräftig"

Trotzdem halten die Notenbanker fest: "Die konjunkturelle Grundtendenz ist nach wie vor recht kräftig." Ausschlaggebend dafür sei die anhaltend gute Konsumkonjunktur: "Der Beschäftigungsaufbau hat sich verstärkt, und die realen Einkommen der privaten Haushalte profitieren zusätzlich von höheren Verdiensten und niedrigeren Energiepreisen." Dass die Verbraucher dies für zusätzliche Ausgaben nutzen, zeige sich an den steigenden Umsätzen in einigen konsumnahen Dienstleistungsbereichen wie dem Einzel- und dem Kfz-Handel sowie dem Gastgewerbe.
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