Online-Kaufrausch trifft Läden ins Mark

Wirtschaft BY
Bayern
22.12.2014
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Das Wetter lässt viele eher an den Biergarten als ans Skifahren denken - warme Kleidung und Wintersportartikel sind im Weihnachtsgeschäft nicht gerade der Renner. Und auch der Kaufrausch via Internet macht den Läden vor Ort schwer zu schaffen.

Drei Tage vor Heiligabend ziehen die Einzelhändler in Deutschland eine gemischte Bilanz des bisherigen Weihnachtsgeschäfts. Während die milden Temperaturen der Textil- und Sportartikelbranche zusetzen, weil warme Kleidung und Wintersportartikel liegen bleiben, sind die Anbieter von Möbeln, Unterhaltungselektronik und Spielwaren zufrieden.

"Die Innenstädte sind weiterhin die Einzelhandelsstandorte Nummer eins, stehen jedoch wie im Vorjahr erheblich unter Druck", resümierte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), am Sonntag in Berlin.

Nach Erkenntnissen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) werden in diesem Jahr zu Weihnachten so viele Gutscheine verschenkt wie nie zuvor. "Der Durchschnittswert beträgt inzwischen glatte 100 Euro", sagte Wolfgang Adlwarth von der GfK. "Er hat sich damit seit 2010 verdoppelt."

Der HDE prognostiziert für das gesamte Weihnachtsgeschäft einen Umsatz von 85,5 Milliarden Euro - das wären 1,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Stärker legten die Verkäufe im Internet zu: Der Online-Handel könne im November und Dezember voraussichtlich ein Umsatzplus von 18 Prozent auf rund zehn Milliarden Euro verbuchen.

Laut Genth rüsten sich die Händler nun für den letzten großen Ansturm vor dem Fest: "Wir gehen in diesem Jahr von besonders vielen Last-Minute-Shoppern aus." Der Kalender beschere den Kunden zwischen dem vierten Advent und Heiligabend zwei zusätzliche Einkaufstage.

Der bayerische Einzelhandel zeigte sich vom Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr enttäuscht. Die angekündigte Umsatzsteigerung von 1,5 Prozent "werden wir nicht erreichen", sagte der Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern, Bernd Ohlmann. Der Samstag vor dem vierten Advent sei schwächer gewesen als sonst. Ein Grund: "Das Wetter ist viel zu mild. Wer denkt an Schals und Mützen bei 12 Grad?" Der Handel hatte beim Weihnachtsgeschäft im Internet mit einer Steigerung von 20 Prozent gerechnet. "Das wird übertroffen werden", sagte Ohlmann. Das Nachsehen hätten die Läden am Ort: "Online jagt den Läden Kunden ab, ganz massiv."
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